„Hello, it’s me“. Mit diesen simplen Worten meldet sich Adele nach dreijähriger Showbiz-Auszeit zurück – und sorgt für mächtig Aufsehen. Mit ihrer neuen Single „Hello“ und der Ankündigung ihres dritten Albums „25“ mischt die Britin mal eben die Popwelt auf. Fans drehen durch, Musikkritiker werden plötzlich ganz zahm und Labels krempeln hysterisch ihre Release-Pläne um – denn mit ihr möchte niemand konkurrieren. Hello, Adele!

adele

Elf Songs, 46 Minuten Spielzeit – und die Welt stand Kopf. Mit ihrem zweiten Album, schlicht „21“ betitelt, schaffte Adele 2011 den internationalen Durchbruch. Allein hierzulande hielt sich das Werk über zwei Jahre im Ranking. Weltweit verkaufte sich „21“ über 30 Millionen Mal. 2012 dann das bis dato letzte musikalische Zeichen von Adele, der Bond-Song „Skyfall“. Danach wurde es still um die britische Sängerin. Sie zog sich aus der Öffentlichkeit zurück, kümmerte sich um ihren 2012 geborenen Sohn Angelo.

Dieser Tage meldet sich Adele mit Krawumm zurück. Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft veröffentlicht XL Recordings ihr lange erwartetes drittes Studioalbum „25“ am 20. November. Die erste Single-Auskopplung „Hello“ ist seit 23. Oktober verfügbar und stürmte bereits weltweit an die Spitze der Download-Charts. Adeles Katzenaugen werden garantiert unter zahlreichen Weihnachtsbäumen zwischen Geschenkpapier hervorfunkeln. Das US-Branchenmagazin „Billboard“ spricht vom „perfekten generationenübergreifenden Weihnachtsgeschenk“.

Der Song: pompös, perfekt

„Hello“, die erste Single und Vorbote auf das Album, ist eine typische Herzschmerz-Ballade à la Adele. Schon als ich die ersten Zeilen das erste Mal hörte, schossen mir, ich gebs zu, Tränen in die Augen. Fazit nach dem ersten Durchgang: Ziemlich schwülstig. Nach gefühlt 238 Durchläufen – ja, ich kann den Song schon auswendig: Gänsehaut. Das erste „Hello“ erinnert übrigens an den 80s-Klassiker von Lionel Richie – was offensichtlich auch dem Team von Blend TV aufgefallen ist (Armer Lionel!).

Adeles Songs sind oft pompös, schmalzig und kitschig, manchmal bieder, aber eben auch berührend, eingängig, schlicht schön. Hinzu kommen ihre kräftige Soul-Stimme und clevere Lyrics, in denen sich wohl jeder wiederfinden kann. Es sind vor allem die Strophen, in denen Adeles Wahnsinnstimme brilliert. Der Background-Chor im Refrain ist etwas arg drüber, dennoch: ein ziemlich perfekter Popsong. Authentisch, mit viel Gefühl.

In „Hello“ geht es um eine verflossene Liebe. Die Zeilen könnten jedoch auch an Adeles Vater gerichtet sein, der die Familie Anfang der Neunziger verließ. So oder so: die dramatische Ballade reiht sich nahtlos in Adeles Herzschmerz-Oeuvre ein – von „Turning Tables“ über „Someone Like You“ bis „Rolling In The Deep“.Das Video: von der Windmaschine verweht

Der Clip zu „Hello“ ist eine Pathos-Soap in Sepia. Adele steht zu Beginn vor einem verlassenen Haus, hat keinen Handy-Empfang. Drinnen muss erst einmal entstaubt werden. Eine Rumpelkammer der Erinnerungen. Es gibt einiges zu entdecken: Eine von Efeu überwucherte britische Telefonzelle im Wald zum Beispiel. Gedreht wurde in Montreal.

Produziert wurde das Musikvideo zu „Hello“ von Xavier Dolan. Das kanadische Regie-Wunderkind – „I Killed My Mother“, „Heartbeats“ und „Mommy“ zählen zu meinen All-Time-Favoriten – hat Adele höchst dramatisch in Szene gesetzt. Verschmierte Wimperntusche, check, dramatischer Augenaufschlag – und Windmaschine on. Ungeachtet dessen fühlt Adele den Schmerz sichtlich. Der Dreh sei eine unglaubliche Erfahrung gewesen, so die Sängerin in einem Interview. Bahnt sich da etwa eine Schauspielkarriere an?

Die Kampagne: It’s on again

Ein paar Zeilen reichten, und die Popwelt stand Kopf. Vor einigen Tagen lief im Werbeblock der britischen Version der Castingshow „X Factor“ ein knapp 30-sekündiges Lyric-Video mit einem offensichtlich neuen Song von Adele. „Hello, it’s me, 
I was wondering, if after all these years
, you’d like to meet, to go over
 everything, they say that time’s supposed to heal ya, but I ain’t done much healing“. Am Ende waren drei Punkte zu sehen. To be continued…

Drei Tage später dann die Fortsetzung, Adele meldete sich über ihre Social-Media-Kanäle in einem Brief zu Wort. Darin entschuldigte sie sich u.a. bei ihren Fans, dass sie so lange auf ein neues Album warten mussten. „Tut mir leid, dass es so lang gedauert hat. Aber ihr wisst ja, das Leben ist dazwischengekommen.“

Adele ist seit 2006 beim britischen Indie-Label XL Recordings unter Vertrag. In den USA ist das Sony-Music-Label Columbia für ihre Veröffentlichungen verantwortlich. Das Label ist bekannt für seine speziellen Marketing-Kampagnen. So prägte Columbia mit dem überraschenden Release des Beyoncé-Albums Ende 2013 im angloamerikanischen Raum die Bezeichnung „to pull a Beyoncé“. Das Album „Beyoncé“ wurde ohne Vorankündigung veröffentlicht, ohne Promotion, ohne Vorab-Single. Ähnliche Aktionen startete Columbia bei den Album-Veröffentlichungen von David Bowie („The Next Day“) und Daft Punk („Random Access Memories“).

Das Album: Top-Team

Der Titel des neuen Adele-Albums bezieht sich also wie bei den Platten davor auf das Alter der Sängerin, in dem die Songs entstanden. Ihr Debütalbum, „19“, veröffentlichte sie 2008 mit 19, darauf folgte der globale Bestseller „21“, der ihr u.a. sechs Grammy Awards einbrachte. 

Ihre letzte Platte bezeichnete Adele als „break up record“, die neue sei hingegen ein „make up record“. Während es auf ihrem letzten Album, „21“, also um Trennungsschmerz ging, drehen sich die Songs von „25“ um Wiedergutmachung.

25 Jahre alt zu werden sei für sie ein Wendepunkt gewesen, schreibt Adele. Das neue Album handle davon, „wer ich geworden bin, ohne es zu merken“, so Adele weiter. Bereits am 4. Mai 2014, einen Tag vor ihrem 26. Geburtstag, hatte Adele auf Twitter geschrieben: „Bye Bye 25… See you again later in the year“. Dieser kurze Geburtstagsgruß hatte bereits damals Spekulationen über einen Release angeheizt.

Für „25“ scharte Adele eine Reihe hochkarätiger Produzenten und Songwriter um sich. Die Single „Hello“ wurde von Greg Kurstin (Beyoncé, Sia) produziert. Medienberichten zufolge sind außerdem u.a. Danger Mouse (Gnarls Barkley, Broken Bells), Pharrell Williams und Schmalzbarde Ryan Tedder am neuen Adele-Album beteiligt (Der Frontmann von OneRepublic, der auch Leona Lewis und Ellie Goulding mit Hits versorgte, hatte mit Adele bereits die Songs „Rumour Has It“ und „Turning Tables“ geschrieben). Auch Newcomer Tobias Jesso Jr. war mit Adele für „25“ im Studio.

Elf Songs, eine bislang noch unbekannte Spielzeit – und die Welt wird vermutlich durchdrehen. Mit ihrem dritten Album, „25“, avanciert Adele wohl endgültig zum globalen Supertsar.

Tracklist Adele „25“:
1. Hello
2. Send My Love (To Your New Lover)
3. I Miss You
4. When We Were Young
5. Remedy
6. Water Under The Bridge
7. River Lea
8. Love In The Dark
9. Million Years Ago
10. All I Ask
11. Sweetest Devotion

Foto: PR