Grossstadtgeflüster hauen mit „Fickt-euch-Allee“ den perfekten Montagssong raus. Im dazugehörigen Videoclip gibt sich die hiesige Musiker-Prominenz die Ehre: von Marteria bis Bourani. Dieser fiese Bass funktioniert garantiert auch dienstags, mittwochs, donnerstags – und am Wochenende eh.

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Sonntagnachmittag auf’m Sofa. Couch-Chillen. Gutes Buch, Lemon Soda, FM4. Dann plötzlich, bäm: Ein Beat, der an M.I.A. erinnert, dazu ein rotziger Text mit nonchalanter Bilderbuch-Attitüde und Deichkind-Dadaismen. Den Refrain kann man rasch mitgröhlen: „Ich hör euch nicht, ich bin in meinem Wochenendehäuschen in der Fickt-euch-Alleeeeehehe, wo ich auf der Veranda meine Eier schaukleeeeheeheh“. Urlaub in den Misanthropen, zwischen vielen gespreizten Mittelfingern. In your face Berlin-Style: mitten in die Fresse rein.

Im dazugehörigen Video, gedreht auf einem Smartphone, tauchen allerlei bekannte Gesichter auf: Marteria, Miss Platnum, Jennifer Rostock, Joris, Egotronic, MC Fitti, Madsen, Tubbe, Torsun, Kobito, Miss Platnum, Marteria, Heisskalt, Chima, Sookee, Audiolith-Labelchef Lars Lewerenz – sogar Andreas Bourani (mit Bier!) und (ist es wirklich?!) Stefanie Kloß von Silbermond geben sich ein Stelldichein. Dazwischen kreist eine junge Sängerin/Rapperin im Hoodie ihre Hüften und schaukelt ihre Eier – in Form einer 90er-Bauchtasche. Keine fancy Windmaschinen, keine Autos, Hubschrauber oder spekatkuläre Landschaften. Eine schlichte Low-Budget-Produktion, ein Streifzug durchs nächtliche Berlin.

Ein großes Staraufgebot für eine kleine Band. Wer steckt dahinter? Grossstadtgeflüster. In den letzten Jahren tauchte der Name immer mal wieder auf meinem Radar auf, ich hab mich aber nie näher mit der Band auseinandergesetzt. Also, Zeit wird’s. Grossstadtgeflüster wurden 2003 von Frontfrau Jen Bender und Raphael Schalz in Berlin gegründet. Seit 2008 ergänzt Drummer Chriz Falk das Trio.

„Über-Drüber-Pop“ und „Elektropoppunkpartydingsbums“ nennen sie ihren Sound. Konkret: Das Berliner Trio macht Elektro-Pop mit Punk-Attitüde. Sie bezeichnen sich als „leidenschaftliche Verweigerer“, nachzuhören etwa im Track „Ich muss gar nix“. Auf der Band-Homepage beschreiben Grossstadtgeflüster ihren Sound so: Partymusik von erwachsenen Menschen, die selbst zu alt für Party sind, für andere Erwachsene, die ebenfalls zu alt für Party sind. Bilderbuch meets Deichkind. Auf „Fickt-euch-Allee“ experimentieren Grossstadtgeflüster außerdem mit entspannten, bassgeschwängerten Dancehall-Elementen.

Seit zwölf Jahren sind Grossstadtgeflüster nun schon am Start. Die ersten Alben – „Muss laut sein“ (2006), „Bis einer heult!!!“ (2008) und „Alles muss man“ (2010) – erschienen über verschiedene Indie-Labels. Album Nummer vier, „Oh, ein Reh“, wurde dann vor zwei Jahren über das Sony-Music-Label Four Music veröffentlicht. Für den Release der für November angekündigten EP „Fickt-Euch-Allee“ hat die Band das Ruder wieder selbst übernommen. Denn: „Was hamse mir nicht alles erzählt, wie’s rollt, wie’s klappt, wie’s funzt, wie’s geht, oh Mann ey, ich merk schon, mich umgeben Profis“, rappt Jen in „Fickt-euch-Allee“.

Es rollt und funzt. Der YouTube-Clip zu „Fickt-euch-Allee“ wurde innerhalb von rund einer Woche knapp 250.000 Mal geklickt, die virale Kampagne läuft. Derzeit sind Grossstadtgeflüster bei verschiedenen Radiosendern zu Gast. Und das alles dank DIY-Einsatz. Die Band hat sich was einfallen lassen. „Da kommt was auf euch zu, kauft euch schon mal Popcorn“, warnen Grossstadtgeflüster auf ihrer Website. Die für den 13. November angekündigte EP „Episode 1“ ist lediglich der erste Teil eines musikalischen Mehr-Gänge-Menüs, ein Album-Release in Etappen sozusagen. Für den Anfang bescheren uns Grossstadtgeflüster eine Berlin-Hymne, die man an einem grauen Werktagsmorgen hervorragend auch in München, Zürich oder Köln rausbrüllen kann. Und jetzt alleeeeeheeeeheeeeee…

Im Dezember sind Grossstadtgeflüster auf „Fickt-euch-Allee“-Tour – darauf bereitet sich das Trio allem Anschein nach intensiv vor. Motto: „Keine Macht den Proben“.

10.12. Leipzig, Täubchenthal
11.12. Hamburg, Molotow
12.12. Berlin, Badehaus
17.12. Wiesbaden, Schlachthof
18.12. Köln, Yuca

Fotos: Kai Müller