Vor genau einer Woche feierten die Steaming Satellites den Abschluss ihrer von uns mitpräsentierten Tour in München und Salzburg. Zwei wunderbare Konzerte, die trotz quasi identischer Setlist durchaus schwer unterschiedliche Erlebnisse waren. Denn zwischen einer euphorischen Party im Strom und einem melancholischen Manifest im Rockhouse passierte Paris.

SteamingSatellites_by_Christian_Maislinger-3Vor dieser Nachbetrachtung musste so Einiges erstmal sacken. Jede Band, die am Wochenende des 13. November 2015 eine oder mehre Shows gespielt hat, wird diese wohl in besonderer Erinnerung behalten. Vor dem Hintergrund der grauenvollen Ereignisse in Frankreich rückt vieles in ein anderes Licht, ist die Show, auf der man gerade noch ausgelassen in der Menge getanzt hat, schlagartig vergessen sobald die ersten Meldungen auf den Smartphones eintrudeln. Man fühlt sich dem Schlechten in der Welt auf einmal verdammt nah. Zwischen Fassungslosigkeit und Verunsicherung formiert sich in dieser Nacht aber schnell ein Gefühl, das schon weniger als 24 Stunden später bei vielen zur Einstellung geworden ist. „Jetzt erst recht!“ denkt sich nach einem ausverkauften Strom ein ebenso rappelvolles Rockhouse. Während München am Vorabend, auf einer der aus Bandsicht energiegeladensten Shows der Tour, noch unbeschwert die Sau rauslassen konnte, schwang wenig später in Salzburg gehörig Melancholie mit. Was der Qualität der Show aber keinen Abbruch tat. Das war, zumindest aus Zuschauersicht, ein ganz starkes Stück Live-Musik. Und um die soll es hier nun auch gehen.

IMG_0086In München hat man sich mit den Label-Kollegen von Instrument einen feinen Support an Bord geholt. Die hauen, sichtlich in Spiellaune, für eine gute halbe Stunde ein Best-Of ihrer bisherigen drei Alben raus. Meine Favoriten wiedermal „Doing Nothing Is Art“ und das geniale „Read Books“ vom letzten gleichnamigen Album. In Salzburg eröffnet ein recht jugendlich anmutendes Fräulein aus Vöcklabruck mit Namen Avec, die mit ihrer Single „Granny“ grade FM4 schwer begeistert. Meins ist das jetzt nicht unbedingt aber kommt ganz gut an bei den Salzburgern, wie sie da in ihren wuchtigen Anorak gehüllt, die filigrane Singer-/ Songwriterin gibt. Vermutlich wird man noch von ihr hören…

Gegen halb Zehn gehört die Bühne dann den Steaming Satellites. Mit „The Sea“ und „Witches“ vom Erstling „The Moustache Mozart Affaire“ wird an beiden Abenden ein eindrucksvoller Kaltstart hingelegt. Sehr clever, das funktioniert als Auftakt wirklich extrem gut.
Allesamt ausgesprochen fitte Musiker, hat man sich über die dreiwöchige Tour exakt eingespielt, die Setlist optimiert, weiter Routine und Sicherheit gewonnen. Da sitzt fast ausnahmslos alles bei jedem Einzelnen und in der Kombination der Komponenten, trotz spürbarer Erschöpfung auf den letzten Metern. Die lässig-akurate Rhythmus-Fraktion aus Matl Weber am Schlagzeug und Wieder-Mitglied Manfred Mader am Bass (auch dessen hervorragende Dance-Moves müssen während seiner Absenz gefehlt haben), die so atmosphärischen wie originellen Synthie- und Keyboardsounds von Emanuel Krimplstätter und das starke Gitarrenspiel von Frontmann Max Borchardt. Sogar das Herzstück, seine die Musik quasi trademarkende Stimme macht beim Endspurt noch mit. Was muss der sich Tee, Pastillen und Co reinknallen über so eine Tour…?

In fast jedem Interview zur Album-Veröffentlichung war zu hören und zu lesen, dass es diesmal kurz vor knapp war, mit der Band. Um ein Haar hätte man sich nicht noch einmal zusammengerauft und das Ganze einfach sein lassen. Man kann sich das nicht im Entferntesten vorstellen, wenn man sie so live auf der Bühne sieht und möchte das auch gar nicht. Wahrscheinlich gilt auch hier die Devise, was einen nicht umbringt, macht einen stärker. Und wie stark sie live inzwischen sind!

Ludwig_Seidl_CapturesDie Platten der Salzburger sind allesamt richtig gut, aber erst live wird ihre Musik zu dem, was sie sein kann. Da folgen ausgelassene Tanz-Eskapaden grenzwertigen Gänsehaut-Kaskaden und zwischen verhuschtem Lächeln um die Lippen und kolossalem Kloß im Hals macht man sich hier besonders oft bewusst, was Musik, so eindringlich dargeboten wie von diesen Vieren, innerhalb von gut eineinhalb Stunden zu leisten vermag.

Die neuen Nummern vom aktuellen Album schmiegen sich passgenau an die alten Lieblingsstücke. Bei „Unreal“ flirren die Synthies, bei „Restless Robot“ und „Phone“ zucken die Tanzbeine, bei „Door“ die Mundwinkel und bei „Honey“ möchte man seinen Nebenmann umarmen – ob bester Freund oder Unbekannter, vollkommen egal! Glanzpunkt des Sets war neben vielen weiteren beliebten und bewährten Hit-Nummern wie „Notice“ oder „Spaceships“ das sich in seiner Live-Version nach hinten raus schier übermächtig auftürmende „Another Try“. Man wünscht sich, der sehnende, mehrstimmige Appell „I still care about you and I still want you to hang around“ möge endlos weitergehen. Ganz groß. An dieser Stelle sei’s mal gesagt, bitte ein Live-Album, geschätzte Herren, hören Sie?
Kritik kann man nur auf hohem Niveau anbringen. Nicht nur für meine krawallerprobten Ohren hätte es in München durchaus lauter sein dürfen, vor allem hinten verlor sich der Sound leider ein bisschen. Ansonsten, astreine Vorstellung.

Beschlossen werden beide Abende mit dem düster schwelenden Über-Song „How Dare You“. Hier kann sich Borchardt stimmlich ausruhen und sich aufs Dirigieren der Menge konzentrieren, denn diesen Refrain nimmt ihm das Publikum schon lange aus der Hand. Starkes Finale.
Am Ende dieses Wochenendes bleibt neben den vielen Fragezeichen ein demonstratives Peacezeichen in der Luft und trotz allem auch ein warmes Gefühl im Bauch. Danke Jungs, das haben wir gebraucht!

Nach einem Support-Gig für die fabelhaften alt-J in der Wiener Stadthalle nächsten Mittwoch, geht’s für die Steaming Satellites im Januar voraussichtlich erstmal für ein paar Termine nach UK und vielleicht kommen sie dann im Frühjahr schon wieder für ein paar Shows bei uns vorbei. Wir freuen uns drauf, bleiben dran und verkünden eventuelle News natürlich zeitnah hier.

vinylUnd in der Zwischenzeit haben wir auch noch etwas von den Shows für euch mitgebracht. Die neue LP „Steaming Satellites“ als limitiertes Doppelvinyl mit veredeltem Cover und lasergravierter Seite D.
Als besonderes Zuckerl auch noch von allen Vieren liebevollst unterschrieben. Potzblitz!

Wer dieses Schmuckstück haben möchte, hinterlässt uns bitte mit seiner echten E-Mail-Adresse (weil wir euch ggf. über die kontaktieren) hier unter dem Beitrag einen Kommentar. Kreativität ist kein Muss, erfreut uns aber stets! Entschieden wird wie immer per Los. Eure Daten werden weder gespeichert noch an andere weitergegeben (wofür auch?). Teilnahmeschluss ist Donnerstag, der 26. November 2015 um 23:59 Uhr, den glücklichen Gewinner benachrichtigen wir schnellstmöglich per E-Mail. Bitte auch unbedingt das Spam-Fach checken und schnell zurückmelden! Wir wünschen Viel Glück!

 

 

Fotos: PR/ Christian Maislinger (Bandfoto), themusicminutes (Live-Bild), Ludwig Seidl Captures via www.facebook.com/steamingsatellites/ (Peace-Bild), The Instrument Village (LP-Bild)