Bevor 2016 ihr Debütalbum erscheint, legen Honne mit „Gone Are the Days“ im Januar ihre dritte EP vor. Bereits im Dezember ist das britische Duo auf Deutschland-Tour. Wir trafen die beiden sympathischen Musiker vorab zum Interview in Hamburg – und sind ein bisschen schlauer geworden: Ihr Mini-Hit „Coastal Love“ hat ein Happy End.

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Ein Long-Distance-Drama in vier Minuten. Eine simple, herzzerreißende Geschichte über eine Liebe zwischen zwei Küsten, unterlegt von einem entspannten Groove. „I close my eyes and I picture us together, I hope you know, that I’ll be waiting here for you my love, on this New York City coast“, nuschelt Andy Clutterbuck von Honne in „Coastal Love“.

Es ist der Titelsong ihrer gleichnamigen Debüt-EP, die im Frühjahr erschien. Der Track wurde auf Spotify über drei Millionen Mal gestreamt. Ich selbst habe dem britischen Duo wohl unzählige Tantiemen in die Kasse gespült. Am 22. Januar veröffentlichen Honne mit „Gone Are The Days“ bereits die dritte EP innerhalb weniger Monate.

Die beiden Musiker lernten sich an der Uni kennen. „Ich sah James in der Kantine“, lacht Andy beim Interview in Hamburg, wo die beiden beim Reeperbahn Festival auftraten. „Wir standen gerade in der Schlange fürs Abendessen an – was jetzt schrecklich klingt“, ergänzt James Hatcher, der bei Honne für die Beats zuständig ist. „Wir waren jeweils die erste Person, die der andere an der Uni kennenlernte. Wir mochten uns, merkten, dass wir keine Idioten waren – und drei Tage später schrieben wir bereits zusammen Musik.“

Gab es einen Act, der die beiden von Anfang an musikalisch verband? „Ja, das war Radiohead“, erinnert sich Andy. „Wir beide mögen die elektronische Seite der Band, das Album ‚Kid A‘.“

Eine kleine Nachtmusik

Die ersten Songs von Honne entstanden ausschließlich nachts, da tagsüber beide Mitglieder ihren Jobs nachgingen. James arbeitete als Gitarrenlehrer, Andy war an einer Schule als Assistent im Musikunterricht tätig. Dank des Labeldeals mit Atlantic UK, der im Dezember 2014 zustande kam, können heute beide von der Musik leben, die Jobs haben sie an den Nagel gehängt.

Vor eineinhalb Jahren, Mitte 2014, veröffentlichten Honne ihren ersten Song „Warm On A Cold Night“ im Netz. Das Indie-Label Super Recordings, das auch die Karriere des R&B-Duos AlunaGeorge ins Rollen brachte, wurde auf das Herren-Duo, das optisch an Hurts erinnert, aufmerksam. Der nächste Track, „All In The Value“, machte dann zahlreiche Talentscouts neugierig. Und so war der erste Gig von Honne Anfang 2015 im Electrowerkz in London ausverkauft.

„Baby-making music“

Der britische „Telegraph“ bezeichnete den Sound von Honne als „Musik zum Kindermachen“. Gibt es denn bereits erste Honne-Babies? Beide grinsen. „Dafür ist es wohl noch zu früh. Aber womöglich kommen bald ein paar auf die Welt.“ Doch James erinnert sich an eine Begegnung in Berlin: Nach einem Konzert erzählte ihm ein Typ, dass er und seine Freundin als sie schwanger war dem Baby im Bauch immer wieder „The Night“ vorgespielt hätten. Inzwischen sei das Kind auf der Welt. Immer, wenn es weint, würden sie ihm den Song vorspielen und es würde aufhören.

„The Night“ ist eine leise Synthie-Soul-Nummer mit Pop-Appeal – mit durchaus beruhigendem Charakter. Immer wieder blitzen die Achtziger auf. Aber auch der moderne, lässige Funk von Jungle. Anders als etwa Soul-Shootingstar Leon Bridges setzen Honne auf moderne Sound-Strukturen. Ähnlich wie Chet Faker oder Sohn verschmelzen die beiden Briten warme Vocals mit geschmeidig-eleganten Elektro-Produktionen. Das Resultat ist avantgardistischer, aber entspannter Elektro-Soul.

„Just The Two Of Us“

honneAuf der EP „Coastal Love“ findet sich mit „Didn’t I“ eine Cover-Version des US-Soulmusikers Darondo. Sind weitere Cover geplant? „Wir haben ‚Just The Two Of Us‚ von Bill Withers neu aufgenommen. Es ist aber noch unklar, ob der Titel veröffentlicht wird“, verraten Honne. Den smoothen 80s-Klassiker kann man sich bestens in einer genuschelten Honne-Version vorstellen. Auch der Titel passt perfekt zu dem eingespielten Team.

Derzeit arbeiten Honne an ihrem Debütalbum, das im Frühjahr 2016 erscheinen soll. Das Material nahmen die beiden Musiker in Eigenregie auf, ein Produzent stand den beiden nicht zur Seite. „Just the two of us“ eben. Inhaltlich geht es um Themen wie Alltagsfluchten, Träume und natürlich die Liebe.

Apropos: „Coastal Love“ hat in Wirklichkeit ein Happy End. Der Honne-Song bezieht sich auf eine wahre Geschichte, lediglich die Orte sind frei erfunden. „Im Song spielt sich die Geschichte zwischen New York City und der US-Westküste ab“, erklärt Andy, „in Wirklichkeit war es Tokio. Meine Freundin zog dorthin.“ Mittlerweile ist sie aber zurück. Und alles ist gut.

Nachdem Honne im Frühjahr bereits mit Kwabs auf Europatour waren und eine Show in Berlin spielten, kommen sie im Dezember für ihre erste Headliner-Tour nach Deutschland:

02.12. Köln, Gebäude 9
03.12. Berlin, Gretchen
05.12. Offenbach, Hafen 2
07.12. München, Strom

Fotos: Warner Music