Willkommen 3. Advent, willkommen eine neue Woche in unserem stets hingebungsvoll kurierten Anti-Adventskalender. Das Prinzip dürfte in Jahr 3, Woche 3 inzwischen klar sein: 4 Adventswochen, 4 mal täglich erfrischende, musikalische Schmankerl und Videoperlen abseits des klebrig-glitzrigen Vorweihnachtsgrauens. Dazu ein wöchentlich wechselndes Motto, das möglichst weit weg ist von Zimtsternen, Feuerzangenbowle und Holy Night. Nach Ursis Genussmittel-Exkursion und Renzos Battle der Waschbrettbäuche kämpfen wir auch diese Woche gnadenlos weiter, gegen den Besinnlichkeitsoverkill!

3kleinIn Woche Drei übernimmt Kerstin das Ruder. Nach „Steeldrum & Dudelsack“ in 2013 und „Prügeleien, Zerstörung und allerlei Krawall“ 2014, ist das neue, Anti-X-Mas-Video-Motto diesmal: Ben Stiller.

Der Nikolaus ist durch und bis zum Weihnachtsmann ist noch Schonfrist, da kommt der Stiller doch grad recht.
Er ist Chas Tenenbaum, Gaylord Focker, Starsky, Zoolander und Walter Mitty, war nachts im Museum, verrückt nach Mary, sorgte für Tropic Thunder und haute voll auf die Nüsse. Aber Ben Stiller ist nicht nur umtriebig an der Film-Front – allein 12 Streifen hat er inzwischen mit seinem Komödien-Kumpel Owen Wilson gedreht – und verantwortlich für unvergessliche und unvergesslich dämliche Kinomomente, er ist auch einer der fleißigsten Gäste in Musikvideos quer durch alle Genres. Ob ambitionierte Hauptrolle, bescheidener Statist oder kaum erkenntliche Cameo, der Typ taucht mit schon fast unheimlicher Regelmäßigkeit in Clips von Indie-, Hip Hop- oder Rock-Bands auf.

In den nächsten 7 Tagen gibt es also Ben Stiller, den König der Gastauftritte, in diversen musikvideotechnischen Glanzleistungen. Ein neues Video dieser Reihe gibt’s täglich bei uns auf Facebook und, inklusive einiger begleitender Worte, auch von Tag zu Tag aktualisiert in diesem Beitrag. Dass die Musik dabei hier und da zweitrangig ist, und durchaus auch mal leicht gequältes Zähneknirschen angesagt sein dürfte, sei an der Stelle noch angemerkt. Aber Leute, da müsst ihr durch. Alles für die Sache, alles für den Stiller! Wem’s der Blasphemie zuviel wird, der kann sich ja aufs Tollwood schleichen.

 

13. Dezember: Limp Bizkit – „Rollin'“

Los gehts gleich mit einer recht zweifelhaften musikalischen Schote der zuletzt wiederbelebten Crossover-Kombo. Fred Durst, sein stets angeschmierter Grusel-Gitarrist Wes Borland und der Rest dieser eher dubiosen Formation trieben in den 90ern und 00er Jahren unerhört erfolgreich ihr Unwesen und holten sich Stiller für das Video zu ihrem Milleniums-Hit „Rollin'“. Denn wem schonmal Sperma am Ohrwaschel hing, der schreckt ja auch vor derartigen Herausforderungen nicht zurück. Und so drücken Stephen Dorff und der poshe Bene im Seidenhemd dem Baggypants-Freddy direkt zu Beginn ihre Karre aufs Auge – der Rest ist MTV-Geschichte. Zum Start also nicht sein ausgedehntester Aufenthalt in einem Musikvideo, aber die pompöse Plattform-Performance auf dem Südturm des World Trade Centers (war ihnen wohl immer nicht hoch genug) und die Choreo der bauchfreien Hip-Hop-Rotkäppchen sind ja nicht minder fesselnd.

Rollin‘ (Air Raid Vehicle) von Limp Bizkit auf tape.tv.

 

14. Dezember: Travis – „Closer“

Die aktuell bekanntesten musikalischen Kunststudenten sind zweifellos Alt-J, aber es gab da in den 90ern schonmal eine Band von der Insel mit derartigem Background. Fran Healy & Co aus Glasgow, besser bekannt als Travis. Der nächste Auftritt des Ben Stiller – seines Zeichens glühender Fan dieser Truppe – ist also einer von der leiseren Sorte. Zu den gedämpftem Indie-Rock-Klängen von „Closer“ gibts diesmal eine Performance im Supermarktmilieu. Zwischen den Musikern in Rollen als Aggro-Kassierer, begnadeter Regalauffüller, Preispistolen-Cowboy und frustrierter Promo-Biber sorgt Stiller als Filialleiter mit feinem Gehör für Ordnung. Dazu dürft ihr euch auch wieder auf hübsche Tanzeinlagen freuen – heute mit Einkaufswägen. Wohltuende Alltagsromatik an diesem grauen Montag.

 

15. Dezember: P. Diddy – „Bad Boys For Life“

Musikalisch wird’s wieder etwas herausfordernd heute, aber das Video ist durchaus eine Nummer. Puffy zieht mitsamt einer Reisebusladung seiner Homies in die Desperate-Houswives-mäßige Vorstadtidylle. In einem Anfall unermesslicher Kreativität ist irgendeinem Beteiligten der Name „Perfecttown“ eingefallen.
Fortan hält in der ehemals so gediegenen Nachbarschaft das Laster Einzug. Partyalarm, Poolsause, X-Golf vom Vordach und der Inbegriff der Bad-Boy-Haftigkeit, Tretroller im Dutzend. Zustände wie im alten Rom… In all dem Verhau gibt Ben Stiller den angepissten Anrainer und macht dem Puffy mal ne ordentliche Ansage. Wenn jemand die Zeilen rappt „I’m the defintion of half man, half drugs“, dann wirds aber auch mal Zeit.
Neben Stiller Superstar tummeln sich im Video übrigens noch eine Horde weiterer bekannter Herrschaften: Dave Navarro, Blink 182’s Travis Barker, Xzibit, Ice Cube, Snoop Dog, Shaquille O’Neill und die komplette Band Crazytown.

 

16. Dezember: Jack Johnson – „Taylor“

Heute gibt’s ihn in seiner ersten echten Hauptrolle. Ben Stiller hat das große Los gezogen und soll Superman Jack Johnson in dessen Video zum Song „Taylor“ mimen. Die Zeichen stehen zunächst nicht gut auf Hawaii – Orientierungsprobleme, Schrottkarre, ein totes Huhn, aber dann schlägt der begnadete Method Actor mit ungeahntem Mienen- und Gitarrenspiel zu. Ein De Niro in Trekkingsandalen! Der kann auch noch seinem Auftraggeber was beibringen und das Ergebnis ist erstaunlich: Jack Johnson wirkte quasi in keinem Video authentischer. Und von der Surfeinlage fang ich jetzt erst gar nicht an… Echte Teufelskerle, die beiden.

 

17. Dezember: David Bowie & Kristen Wiig – Space Oddity 

Eine wunderbare Version des Bowie-Klassikers gabs in dem überraschenden Kino-Kleinod „The Secret Life Of Walter Mitty“. Genau genommen absolviert Ben Stiller im dazugehörigen Video keinen Auftritt, sondern das Video ist quasi der Film als Clip. Die schönsten Szenen kompiliert inklusive dieser atemberaubenden Longboard-Sequenz – immer wieder Wow. Genauso wie die durchaus respektable Gesangsperformance von Stillers Filmpartnerin, SNL-Veteranin und Bridesmaid Kristen Wiig.
Fünf Minuten schwelgen, ab jetzt!

 

18. Dezember: Smash Mouth – „All Star“

Endspurt! Der vorletzte Stiller-Auftritt ist wieder einer von der denkwürdigen Sorte. Mit seinen zwielichtigen Kumpels (u.a. William H. Macy, Hank Azaria und Reality Bites-Kollegin Janeane Garofalo) hält er auf der Grillparty ein Superhelden-Casting ab und Smash Mouth-Frontamn Steve Harwell weiß im Laufe des Videos deutlich mehr zu überzeugen als der „Waffler“ oder „Pencilhead“ samt Sohn. In dem von McG (der von Charlie’s Angels) gedrehten Clip ist wieder einiges geboten: schrille Gefährte, wilde Kostüme, Explosionen und Breakdance. Dazu ein Song, der im Jahr 1999 vielen von uns die Hirnwindungen verklebte. Schönes Wochenende allerseits!

 

19. Dezember: Tenacious D – „Tribute“

Finale! Ein letztes Mal wackelt der Stiller noch durch ein Video. Und bei dieser Nummer ist das wörtlich zu nehmen. Zum Abschluss seine zurückhaltendste Performance in diesem musikalisch, textlich wie visuell gleichermaßen irrwitzigen Clip der Hard Rocking Amigos von Tenacious D, Jack Black und Kyle Gass. Denn wenn die Gniedelbrüder vom Leibhaftigen persönlich die Ansage bekommen „Play the best song in the world, or I’ll eat your soul“, dann nehmen sie das sehr Ernst. Immer noch ein solider Hit, dieses „Tribute“.
Die berühmte Hauptrolle geht hier zwar an Dave Grohl als Belzebub und wahrscheinlich ist sogar die Oma irgendjemands berühmte Kult-Granny, aber wie nonchalant Ben Stiller irgendwann am Studio-Fix-Automaten vorbeischleicht, das zeigt schon wahre Größe.  Ja, er wird auftauchen. Nur Geduld und Augen auf!

Sieben Tage mit Ben Stiller sind vorüber und wenn er sich hiermit nicht eine extra Ladung Respekt, Wertschätzung und Credibility abgeholt hat, dann weiß ichs auch nicht. Ich freu mich auf weitere Videoperlen mit dem am härtesten arbeitenden Mann im Musik-Komparsen-Business und schätze, solange er nicht demnächst, radikal überschminkt in einem neuen Taylor Swift Video als magere Kampf-Amazone auftritt, wird ihm den Titel als König der Gastauftritte erstmal keiner abjagen.

In diesem Sinne, bye bye Ben, euch noch einen schönen Endspurt bis Weihnachten und wir melden uns morgen mit einem neuen Thema letztmalig zurück. Bussi und Baba von mir!

Foto: themusicminutes