Fast geschafft! In nur vier Tagen kommt das Christkind und ihr habt auch unseren diesjährigen Anti-Adventskalender mehr oder weniger unbeschadet überstanden. Weil das Beste aber bekanntlich immer zum Schluss kommt, steigern wir uns glatt nochmal und haben in liebevoller Recherche und fleißigem Austausch untereinander für euch eine letzte Kategorie kuratiert: Kuriose Kollaborationen!

4kleinWas es da nicht alles gibt. Lady Gaga und Tony Bennett sind da noch aus der harmloseren Kategorie, in der sich zum Beispiel auch Stevie „Ebony“ Wonder und Sir Paul“Ivory“ McCartney einfinden. Aber harmlos war noch nie so ganz unser Fachgebiet (wie unsere Themenwochen „Speis‘ und Trank„, „Topless“ und „Ben Stiller“ beweisen), das zeigen wir euch bis Heiligabend!

Ursi macht in unserer Gemeinschaftskategorie den Anfang und ja, ich gebe zu: Es ist verdammt schwer, sich für ein kurioses Coverduett zu entscheiden! Es gibt zu viel seltsame Zusammenarbeiten im Musikmarkt. Besonders nachhaltig beeindruckt hat mich ein Duett von T-Pain und meiner absoluten Hassperson im Musik-Business: Taylor Swift. Der Track heißt „Thug Story“ und ich weiß, ich weiß „Haters gonna hate (hate hate hate)“ heißt es schon in T-Swizzles Megahit „Shake It Off!“, aber ja, so ist das dann wohl. In besagter Kollaboration gibt die damals noch als Country-Pop-Prinzessin agierende Swift den Thug, den Schläger, und macht als rappendes Weißbrot in Camouflage-Baggy-Pants, Grill und Bling von sich reden. Zum Glück fand das ganze nur für die CMT Awards statt. Die Country Music Television Awards. Gück gehabt! Haters gonna hate. Ist dann wohl so. Aber zurück zum eigentlichen, ernsthaften Duett:

Marianne Faithfull & David Bowie: „I Got You Babe“
Wir reisen zurück in das Jahr 1973, in dem David Bowie sein Alter Ego Ziggy Starsdust zu Grabe trägt. In seiner letzten Performance als Ziggy, in der er mit roten Haaren wie immer zwischen Drag und androgyn schwebt, holt sich Bowie Verstärkung auf die Bühne: Keine Geringere als Marianne Faithfull stimmt mit ihm das Duett zum Sonny & Cher-Klassiker „I Got You Babe“ an. Das Video stammt aus dem einstündigen NBC-Special „The 1980 Floor Show, in dem man Bowie komplett freie Hand ließ. Es war der letzte Song der Show und damit auch der letzte Song aller Zeiten von Ziggy Stardust. Und wieso trägt die Faithfull ein Nonnenkostüm? – Weil sie’s kann. Eine andere Erklärung gibt es nicht.

 

Runde Zwei an der kuriosen Kallabo-Front kommt von Kerstin. Man muss sich jetzt nicht wirklich anstrengen um zu diesem Thema die härtesten Schoten auszugraben, aber es gilt ja die besonderen Perlen unter haufenweise grobem Unfug freizuschaufeln. Was hat sich da manch einer nur gedacht?
Michael Bolton griff mal KISS unter die Arme? Jack White nahm mit der Insane Clown Posse einen Mozart-Remix mit dem Titel „Leck Mich Im Arsch“ auf? Besonders unerträglich auch die  Kombination aus Skunk Anansie und Luciano Pavarotti und dass es allen Ernstes mal ein musikalisches Stell-Dich-Ein zwischen Michael Jackson und „Beverly Hills Cop“ Eddie Murphy gab? Ein Fass ohne Boden.
Jetzt aber mein erster Favorit aus den gefährlichen Untiefen der skurlien Duette und Kollaborationen…

Anthrax & Public Enemy: „Bring The Noise“
Einmal Metal, einmal Hip Hop, zweimal New York. Chuck D und Flavor Flav treffen auf Joey Belladonna und Konsorten. Heraus kommt ein irrer Song und ein beispielloser Verhau auf der Bühne. Wer zum Teufel springt da denn alles rum? Dank der hektischen Schnitte hat man quasi keine Chance diese ganzen Menschen sortiert zu bekommen. Also konzentrieren wir uns auf die verschärften Outfits und hammerharten Moves. Radlerhosen unter abgeschnittenen Jeans, ein aufblasbarer Hut, hellblaue Ballonseide, Totenkopfmasken und etwas das aussieht wie eine Elho-Ski-Jacke. Dazu eine vertibale, WWF-mäßige Bushwacker-Einlage, eine waschechte Quetschn und Ice-T (ja, der is auch dabei) spielt apathisch Luftschlagzeug. Das Publikum ist nicht weniger geil – Metalmatten- und Achselshirtdichte kratzen an der 100%-Marke und man headbangt sich beherzt ins Circle-Pit. In diesem Sinne: „Let’s get wicked!“

Runde drei in Sachen kuriose Kollaborationen. Auch Renzo wühlte sich durch weirde Momente der Popgeschichte. Es gibt wirklich unzählige Kinnladerunter-Kollaborationen. Sly Stallone und Dolly Parton? Echt jetzt? Oder noch schlimmer: Helene Fischer und Unheilig.

Die Pet Shop Boys machten es 1987 mit Dusty Springfield. Der Song „What Have I Done To Deserve This“ ist heute ein Pop-Klassiker. Auch die Kombi Jack White und Alicia Keys liegt nicht unbedingt auf der Hand. Dennoch ist „Another Way To Die“ einer der besten Bond-Songs. Elton John hat ebenfalls ein Händchen für ungewöhnliche, aber ideale Paarungen – siehe seine Zusammenarbeit mit Eminem oder Drag Queen RuPaul.

Dann gibt es natürlich naheliegende Duette, wie etwa „Me Against The Music“ von Madonna und ihrem Mini-Me Britney Spears. Auch die Zusammenarbeit der beiden Pop-Kings Paul McCartney und Michael Jackson brachte eine großartige Pop-Nummer hervor: Zu „Say Say Say“ groovte schon Klein-Renzo vor dem Riesenröhrenfernseher durchs Wohnzimmer. Dass der Song auch heute noch bestens funktioniert, beweist der smoothe 2015-Remix.

Florence + The Machine & Dizzee Rascal: „You Got The Dirtee Love“
Ungewöhnlich war auch ein gemeinsamer Auftritt von Florence + The Machine und dem britischen Rapper Dizzee Rascal. Bei den Brit Awards 2010 performten sie gemeinsam den Remix des Covers des Covers des Remixes inklusive Rap-Passagen. Hä? Ganz einfach: Florence + The Machine coverten für ihr 2009er Debütalbum „Lungs“ den 90s-Remix des Songs „You Got The Love“ von The Source – im Original von Candi Staton aus dem Jahr 1986. Die neue Version der britischen Band wiederum wurde von The xx neu interpretiert.

Wie dem auch sei: Bei der Preisverleihung gaben Florence Welch und Dizzee Rascal ein Mash-up der verschiedenen Versionen kombiniert mit Dizzees Track „Dirtee Cash“ zum Besten. Das Resultat: „You Got The Dirtee Love“. Die Single wurde im Anschluss an die Preisverleihung Mitte Februar 2010 exklusiv über iTunes veröffentlicht und schaffte es bis auf Platz zwei der UK-Charts.

Wer weiß, vielleicht gibt es beim Echo 2016 ein Duett von Helene Fischer und Sido?

Tote Hosen, Biermösl Blosn und Gerhard Polt: „Azzuro“
Disco, Metal, Hip-Hop, Indie und Rap haben wir in unseren kuriosen Kollaborationen schon verwurstet. Jetzt wird’s aber auch Zeit für was Ernsthaftes: Gerhard Polt UND die Biermösl Blosn UND Die Toten Hosen. Campino hätte diese BandAid-Sache mit Anna Loos, Jan-Josef Liefers und all den anderen Deppen aus der TV-Landschaft im letzten Jahr mal besser bleiben lassen und nochmals sowas wie 2001 aufstellen sollen. Da gaben sich Gerhard Polt, die Well-Brüder und die Pott-Punks gemeinsam auf einer Tour, auf einer Bühne die Ehre. Wer sich wundert: Die Hosen und Gerhard Polt verbindet seit „Willi“ vom Album „Auf dem Kreuzzug ins Glück“ (1990) eine sehr lange Freundschaft. Und damals war der Bayer par excellence auch meistens in Verbindung mit den Well-Brüdern anzutreffen. Oder umgekehrt. Jedenfalls waren oder sind die Hosen, die Blosn und der Polt seitdem sehr dicke und eine Kollaboration, wie man sie nicht so oft gesehen oder gehört hat: Deutschpunks meet bayerische Volksmusik-Mundart-Kombo meet Kabarettisten-Hoheit.

Langer Rede kurzer Sinn: Die Toten Hosen waren damals auf Tour mit den Biermösl Blosn, von ersteren liebevoll „bayerische Volksmusik-Anarchisten“ genannt. Der Polt Gerhard war auch mit dabei und so schön war’s seit dem Konzert des Trio Infernale im Wiener Burgtheater 2009 nicht mehr. Kurz noch zum Song: Anstatt „White Christmas“ haben wir dieses Jahr in Deutschland eher italienische Temperaturen, blauen Himmel – ois „Azurro“ also! Holt den Grill raus und schunkelt mit!

Foto: the music minutes