Kids Of Adelaide haben mit „Black Hat And Feather“ gerade ihr drittes Album veröffentlicht. Die neuen Songs präsentiert das Folk-Duo derzeit live in deutschen Clubs. Am 28. Januar waren die beiden Musiker im Münchner Strom zu Gast. Auf Strom wurde während des Gigs zwischendurch komplett verzichtet.

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Berlin? Brooklyn? Brighton? Oder eben doch die südaustralische Küste? Nix da, Kids Of Adelaide sind zwei Schwaben, die seit knapp sechs Jahren zusammen Musik machen. Ihr englischsprachiger Indie-Pop klingt recht international. Gerade haben sie über das Stuttgarter Label Green Elephant Records ihr drittes Album „Black Hat And Feather“ veröffentlicht.

Die titelgebenden Markenzeichen sind auch auf der Bühne im Münchner Strom nicht zu übersehen: Benjamin Nolle trägt einen schwarzen Hut, auf Severin Spechts Brust baumeln Indianer-Federn. Letztere werden während der kommenden eineinhalb Stunden wild herumgewirbelt. Denn Sänger und Multi-Instrumentalist Specht gibt Vollgas, genau wie sein behuteter Bandkollege.

Mach’s Dir selbst!

Kids Of Adelaide sind durch durch DIY. Das Do-It-Yourself-Prinzip zieht sich durch ihr ganzes kreatives Schaffen. 2011 brachten sie ihr erstes Album „Songs For You And Me“ im Selbstvertrieb heraus. Die Jutebeutel zur aktuellen Tour haben sie nach eigener Aussage selbst bedruckt. „Jetzt wissen wir, wie das funktioniert. Das machen wir garantiert nicht mehr“, lacht Benjamin Specht.

Die beiden Vollblut-Musiker spielen nicht nur auf Platte alle Instrumente selbst ein. Auch live kommen die beiden ohne Begleitband aus. Gitarre, Mandoline, Percussion, Blues-Harp, Mundharmonika, Banjo, Tamburin – die beiden Mittzwanziger bedienen bis zu drei Instrumente gleichzeitig. Dabei klingt das Duo wie eine mehrköpfige Band.

Ähnlich wie Ed Sheeran, der allein ganze Stadien beschallt, reißen Kids Of Adelaide das Publikum mit. Dieses besteht zum Großteil aus jungen, weiblichen Fans. Verzückt grinsend dancen sie schüchtern Händchen haltend zu den harmlosen Indie-Pop-Songs. Zwischendurch wird mal gekreischt, wenn einer der beiden Beaus sein Hemd auszieht.

Dass die meisten der jungen Fans Bob Dylan nicht kennen, wundert nicht. Macht nichts. Kids Of Adelaide versuchen sich trotzdem an einem Song des Altmeisters. Mutig. „Ain’t Going Nowhere“ klingt in ihrer Version frischer, jünger, moderner und kann durchaus überzeugen.

Mit Eigenkompositionen wie „Jinx“ und dem Publikumsliebling „Old One“ beweisen Kids Of Adelaide ihr Gespür für mitreißende Folk-Songs mit poppige Melodien. Ihr eingängiger, tanzbarer Folk-Rock erinnert an den fluffigen Indie-Pop der Schweizer Indie-Band 77 Bombay Street. Ruhigere Nummern wie „The Mountaineer“ klingen wie die (frühen) Mumford & Sons.

Das Gitarrespielen haben den beiden Jungtalenten ihre Väter beigebracht. Kennengelernt haben sich die zwei kreativen Köpfe auf Tour. Severin spielte damals in Bennis ehemaliger Band The Rising Rocket. Sie entdeckten ihre Vorliebe für akustische Gitarrenmusik. Der Bandname geht auf einen ersten gemeinsamen Song zurück, in dem die australische Stadt als Sehnsuchtsort fungiert, ein weit entferntes Ziel, das man erreichen kann.

Die Mini-Band hat in wenigen Jahren tatsächlich viel erreicht. So spielten sie u.a. Support-Gigs für Dry The River, Donavon Frankenreiter, Jamie Cullum und den Stuttgarter Singer/Songwriter Tiemo Hauer. Letzterer entdeckte die beiden bei einem Straßenmusik-Festival.

Street Credibility

Das Duo machte sich auf Stuttgarts Straßen einen Namen. Um Passanten in hektischen Fußgängerzonen zum Anhalten und Zuhören zu bewegen, muss man laut und überzeugend sein. „Straßenmusik ist eine gute Möglichkeit, seine Songs zu testen, auf dem Boden zu bleiben und am eigenen Auftritt zu arbeiten“, so Kids Of Adelaide in einem Interview.

QzhGNTVFNzEtQjFBNS00QzQxLTlCREMtMjJDRDI1MDU0NkVE;jsessionid=EADFB8D80570A1462DE34B5FFEA148F8-n1Im Rahmen ihrer aktuellen Tour kehren Kids Of Adelaide zu ihren Wurzeln zurück. Auf die Straße geht es zwar nicht, aber runter von der Bühne und rein ins Publikum. Ohne Mikros und Verstärker, lediglich begleitet von zwei Akustikgitarren, geben die beiden mitten unter den Zuschauern zwei Songs zum Besten. Mit ihrem lauten, zweistimmigen Gesang setzen sie den Club auch ohne Kabel unter Strom.

Die beiden Musiker wirken sympathisch und bodenständig. Ihr Folk-Pop zeugt von großem Potential. Aber: DIY-Charme und Anti-Musikindustrie-Romantik hin oder her – es wäre spannend zu erfahren, was passieren würde, wenn Kids Of Adeladie auf Profis treffen.

Ihre aktuelle Tour setzen Kids Of Adelaide noch bis Anfang Februar fort. Auf dem Tourplan stehen noch vier Konzerte. So viel Eigeninitiative sollte belohnt werden. Auch über 30-jährige Musikfans kommen dabei auf ihre Kosten.

Weitere Termine:
03.02. Frankfurt, Nachtleben
04.02. Hamburg, Molotow (Lakritz-Likör, olé!)
05.02. Leipzig, Werk 2
06.02. Berlin, Lido

Fotos: Presse, Live-Bild: Simon Heimbuchner (Danke!)