Leo ging nicht alleine nach Hause. Kanye West crashte nicht die Bühne, dafür teilte Chris Rock ordentlich aus. Was sonst noch bei den Oscars 2016 passierte und wer glücklich grinsend nach Haus ging – wir verraten’s euch.

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Die Gewinner

Das robben durch nordamerikanische Wälder, planschen in eiskalten Flüssen und vor allem das ständige Röcheln haben sich also gelohnt. Bei der 88. Oscar-Verleihung am 28. Februar wurde Leonardo DiCaprio für seine Darstellung eines Pelztier-Jägers in „The Revenant – Der Rückkehrer“ als „Bester Hauptdarsteller“ ausgezeichnet.

Fünfmal war der US-Schauspieler zuvor für den weltweit größten Filmpreis nominiert, fünfmal ging er leer aus. Im sechsten Anlauf hat es nun geklappt.

Kanye West – der bei Preisverleihungen gerne mal seine persönlichen Favoriten verbal verteidigt – gratulierte „unserem Mann“ Leo zum ersten Oscar via Twitter. Ansonsten hielt sich der exzentrische Rapper, der derzeit mit dem verzögerten Release seines neuen Albums „The Life Of Pablo“ Schlagzeilen macht, mit Kommentaren zum weltweit größten Filmpreis zurück.

„The Revenant – Der Rückkehrer“, ein bildgewaltiger Film über den Rachefeldzug eines Pelztierjägers in der nordamerikanischen Wildnis, gehörte mit zwölf Nominierungen zu den diesjährigen Oscar-Favoriten – in drei Kategorien setzte er sich durch.

Neben DiCaprio erhielt Regisseur Alejandro González Iñárritu eine Trophäe für die „Beste Regie“. Bereits letztes Jahr wurde er in dieser Kategorie für „Birdman“ prämiert. Außerdem wurde Kameramann Emannuel Lubezki für seine spektakulären Bilder ausgezeichnet.

Zum „Besten Film“ wurde zu Recht das Journalisten-Drama „Spotlight“ gekürt. Leider ging der großartige Cast, u.a. mit Mark Ruffalo und Rachel McAdams leer aus. Stattdessen wurden Alicia Vikander („The Danish Girl“) und Mark Rylance („Bridge Of Spies – Der Unterhändler“) zu den besten Nebendarstellern gekürt. Die schwedische Schauspielerin wurde für ihre Darstellung der Ehefrau der transsexuellen Malerin Lili Elbe prämiert, Rylance für sein Mitworken in Steven Spielbergs Spionage-Thriller.

„Beste Hauptdarstellerin“ ist Brie Larson („Room“). Das beste Original-Drehbuch lieferten Josh Singer und Tom McCarthy für „Spotlight“. Wer den Film noch nicht gesehen hat: ein cineastisches Meisterwerk mit tollen Schauspielern und einer schlicht erzählten, aber spannenden Geschichte.

Für das „Beste adaptierte Drehbuch“ wurden Charles Randolph und Adam McKay für ihre Filmversion des Sachbuchs „The Big Short“ ausgezeichnet. Bei mir halfen leider auch die Erklärungsversuche von Selena Gomez nicht, die Finanzkrise wirklich zu durchschauen.

Die meisten Oscars sahnte dieses Jahr übrigens der zehnfach nominierte Blockbuster „Mad Max: Fury Road“ ab. Sechs Preise gab es für das Action-Spektakel, u.a. für Kostüm- und Produkt-Design, Schnitt und Make-up. Die schauspielerischen Leistungen von Tom Hardy und Charlize Theron waren in diesem Fall wohl eher zu vernachlässigen.

Die Verlierer

Schon klar, wer für einen Oscar nominiert ist, hat schon gewonnen. Weltweite Publicity, die Kinokassen klingeln. Dennoch gibt es jedes Jahr einige enttäuschte Gesichter (die natürlich, ganz Hollywood-Style, von einem fetten Grinsen kaschiert werden).

Der Science-Fiction-Thriller „The Martian – Rettet Mark Watney“ war mit sieben Nominierungen im Rennen, ging jedoch leer aus. Genau wie das sechsfach nominierte, grandiose Queer-Drama „Carol“ mit Cate Blanchett und Rooney Mara als lesbisches Liebespaar in den konservativen Fünfzigern.

Der erfolgreichste Film des vergangenen Jahres, „Star Wars: Das Erwachen der Macht„, war fünfmal gelistet – musste sich jedoch in den technischen Nischen-Kategorien „Mad Max: Fury Road“ geschlagen geben.

Sam Smith sorgt für Beef

Sam Smith 2015 - CMS SourceIn der Kategorie „Bester Filmsong“ setzte sich Sam Smith zusammen mit Co-Songwriter Jimmy Napes mit dem Bond-Beitrag „Writing’s On The Wall“ u.a. gegen The Weeknd, Lady Gaga und Antony Hegarty durch.

Der homosexuelle britische Sänger, der seinen Award der LGBT-Community widmete, sorgte mit seiner Dankesrede in der Gay-Szene für Zoff. So behauptete Sam Smith, der womöglich erste offen schwule Oscar-Gewinner zu sein. Das sah Drehbuchautor Dustin Lance Black anders.

Der 41-Jährige hatte den begehrten Filmpreis bereits 2009 für sein Drehbuch zum Biopic „Milk“ über den Schwulen-Aktivisten Harvey Milk erhalten. In seiner Oscar-Rede hatte er die Trophäe ebenfalls der LGBT-Jugend gewidmet. Via Twitter machte er sich Luft.

Jungs, beruhigt euch mal! Elton John gewann bereits 1995 einen Oscar für seinen Schmachtfetzen „Can You Feel The Love Tonight“ aus dem Disney-Klassiker „Der König der Löwen“.

Sowohl Sieger Sam Smith als auch The Weeknd und Lady Gaga gaben ihre Song-Beiträge im Rahmen der Gala im Dolby Theatre in Los Angeles live zum Besten.

Insbesondere Lady Gagas Performance von „Til It Happens To You“ berührte das Publikum. Die Ballade stammt aus dem Doku-Film „The Hunting Ground“, in dem sexuelle Übergriffe an Colleges in den Staaten thematisiert werden.

Smith dagegen ist mit seinem Auftritt im Nachhinein alles andere als zufrieden. In einem Interview mit der BBC beschreibt er seine Performance als „schlimmsten Moment seines Lebens“. Er sei sehr nervös gewesen – nicht zuletzt, weil die Tonlage des Songs so hoch sei – das war tatsächlich nicht zu überhören.

Filmmusik-Legende

morricone_tarantinoFür die „Beste Filmmusik“ wurde Legende Ennio Morricone für seinen musikalischen Beitrag zum neuen Quentin-Tarantino-Film „The Hateful Eight“ ausgezeichnet. Der Komponist setzte sich damit gegen andere Branchengrößen wie John Williams und Thomas Newman durch.

Genau wie bei Leo war es Morricones sechste Oscar-Nominierung. Erstmals war er vor 37 Jahren für die Musik zu „Days of Heaven “ im Rennen! Mit 87 Jahren ist er der älteste Oscar-Gewinner aller Zeiten!

Denkmal für Amy Winehouse

Des Weiteren wurde „Amy“ als „Bester Dokumentarfilm“ ausgezeichnet. In dem Film zeigen Asif Kapadia und James Gay-Rees mit viel Einfühlungsvermögen den Werdegang der 2011 verstorbenen Sängerin – vom schüchternen Teenager zum globalen Superstar, von Kindergeburtstagen zu Drogenexzessen.

Das Biopic „Straight Outta Compton“ über die Anfänge der Hip-Hop-Formation Niggaz With Attitude um Rap-Produzent Dr. Dre ging leer aus.

Es war der einzige Film unter der Oscar-Nominees mit einem afroamerikanischen Hintergrund. Dass keine afroamerikanischen Filmschaffenden für den wichtigsten Filmpreis der Welt nominiert waren, hatte im Vorfeld der Verleihung für Kontroversen gesorgt. Der schwarze Moderator Chris Rock nahm das brisante Thema auf witzige und clevere Weise auf die Schippe.

Rock rocks

In seiner Eröffnungsansprache bezeichnete er die Oscars bissig als „White People’s Choice Awards“. Er thematisierte den in Hollywood vorherrschenden Rassismus und verlangte u.a. „schwarze Kategorien“ bei den Academy Awards.

Es war die 88. Oscar-Verleihung – mindestens 71. Mal zuvor gab es also bereits keine schwarzen Nominees. Wieso gerade jetzt, fragte der Comedian. In den fünfziger und sechziger Jahren waren Afroamerikaner damit beschäftigt, gegen Rassentrennung zu protestieren. „Wir waren zu beschäftigt damit, vergewaltigt und gelyncht zu werden, statt uns Gedanken darüber zu machen, wer zum besten Kameramann gekürt wurde. Wenn deine Großmutter an einem Baum hängt, fällt es schwer, sich mit der ‚Besten fremdsprachigen Doku‘ auseinanderzusetzen.“

Er machte sich über Jada Pinkett Smith lustig, die zum Oscar-Boykott aufgerufen hatte, weil keine Schwarzen nominiert waren – auch nicht ihr Mann Will Smith für seine Darstellung im Football-Drama „Concussion“. „Das ist, als würde ich Rihannas Schlüpfer boykttieren – ich wurde gar nicht eingeladen“, witzelte Chris Rock. Zum Schluss forderte er gleiche Möglichkeiten für schwarze und weiße Schauspieler. Und betonte – in Hinblick auf die Polizeigewalt gegenüber Schwarzen: „Black lives matter!“

Alle Oscar-Gewinner und Nominierten 2016 im Überblick:

Beste Hauptdarstellerin
Cate Blanchett für „Carol“
Brie Larson für „Room“
Jennifer Lawrence für „Joy – Alles außer gewöhnlich“
Charlotte Rampling für „45 Years“
Saoirse Ronan für „Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten“

Bester Hauptdarsteller
Bryan Cranston für „Trumbo“
Matt Damon für „The Martian – Rettet Mark Watney“
Leonardo DiCaprio für „The Revenant – Der Rückkehrer“
Michael Fassbender für „Steve Jobs“
Eddie Redmayne für „The Danish Girl“

Beste Nebendarstellerin
Jennifer Jason Leigh für „The Hateful Eight“
Rooney Mara für „Carol“
Rachel McAdams für „Spotlight“
Alicia Vikander für „The Danish Girl“
Kate Winslet für „Steve Jobs“

Bester Nebendarsteller
Christian Bale für „The Big Short
Tom Hardy für „The Revenant – Der Rückkehrer“
Mark Ruffalo für „Spotlight“
Mark Rylance für „Bridge of Spies – Der Unterhändler“
Sylvester Stallone​ für „Creed – Rocky’s Legacy“

Beste Regie
Adam McKay für „The Big Short“
George Miller für „Mad Max: Fury Road“
Alejandro G. Iñárritu für „The Revenant – Der Rückkehrer“
Lenny Abrahamson für „Room“
Tom McCarthy für „Spotlight“

Bester Film
„The Big Short“
„Bridge of Spies – Der Unterhändler“
„Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten“
„Mad Max: Fury Road“
„The Martian – Rettet Mark Watney“
„The Revenant – Der Rückkehrer“
„Room“
„Spotlight“

Beste Kamera
„Carol“
„The Hateful Eight“
„Mad Max: Fury Road“
„The Revenant – Der Rückkehrer“
„Sicario“

Bestes Original-Drehbuch
„Bridge of Spies – Der Unterhändler“
„Alex Garland“
„Inside Out“
„Spotlight“
„Straight Outta Compton“

Bestes adaptiertes Drehbuch
„The Big Short“
„Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten“
„Carol“
„The Martian – Rettet Mark Watney“
„Room“

Bestes Kostüm-Design
„Carol“
„Cinderella“
„The Danish Girl“
„Mad Max: Fury Road“
„The Revenant – Der Rückkehrer“

Bester Schnitt
„The Big Short“
„Mad Max: Fury Road“
„The Revenant – Der Rückkehrer“
„Spotlight“
„Star Wars: Das Erwachen der Macht“

Bester Filmsong
The Weeknd – „Earned It“ aus „50 Sahdes Of Grey“
J. Ralph & Antony Hegarty – „Manta Ray“ aus „Racing Extinction“
David Lang – „Simple Song #3“ aus „Ewige Jugend“
Lady Gaga – „Til It Happens to You“ aus „The Hunting Ground“
Sam Smith – „Writing’s On The Wall“ aus „Spectre“

Beste Filmmusik
„Bridge of Spies – Der Unterhändler“ – Thomas Newman
„Carol“ – Carter Burwell
​“The Hateful Eight“ – Ennio Morricone
„Sicario“ – Jóhann Jóhannsson
„Star Wars: Das Erwachen der Macht“ – John Williams

Bester Fremdsprachiger Film
„Son of Saul“ (Ungarn)
„Theeb“ (Jordanien)
„A War“ (Dänemark)
„Mustang“ (Frankreich)
„Der Schamane und die Schlange“ (Kolumbien)

Bester Dokumentarfilm
„Amy“
„Cartel Land“
„The Look of Silence“
„What Happened, Miss Simone?“
„Winter on Fire: Ukraine’s Fight for Freedom“

Bester Dokumentar-Kurzfilm
„Body Team 12“
„Beyond the Lines“
„Claude Lanzmann: Spectres of the Shoah“
„A Girl in the River: The Price of Forgiveness“
„Last Day of Freedom“

Bestes Make-up und Hairstyling
„Mad Max: Fury Road“
„100 Year Old Man“
„The Revenant – Der Rückkehrer“

Bester Tonschnitt
„Mad Max: Fury Road“
„The Martian – Rettet Mark Watney“
„The Revenant – Der Rückkehrer“
„Sicario“
„Star Wars: Das Erwachen der Macht“

Beste Tonmischung
„Bridge of Spies – Der Unterhändler“
„Mad Max: Fury Road“
„The Martian – Rettet Mark Watney“
„The Revenant – Der Rückkehrer“
„Star Wars: Das Erwachen der Macht“

Bester Animations-Kurzfilm
„Bear Story“
„Prologue“
„Sanjay’s Super Team“
„We Can’t Live Without Cosmos“
„World of Tomorrow“

Bester Animationsfilm
„Anomalisa“
„Der Junge und die Welt“
„Alles steht Kopf“
„Shaun das Schaf – Der Film“
„Erinnerungen an Marnie“

Bestes Produktionsdesign
„Bridge of Spies – Der Unterhändler“
„The Danish Girl“
„Mad Max: Fury Road“
„The Martian – Rettet Mark Watney“
„The Revenant – Der Rückkehrer“

Beste Visual Effects
„Ex Machina“
„Mad Max: Fury Road“
„The Revenant – Der Rückkehrer“
„Star Wars: Das Erwachen der Macht“
„The Martian – Rettet Mark Watney“

Bester Live-Action-Kurzfilm
„Ave Maria“
„Shok“
„Day One“
„Stutterer“
„Everything Will Be Okay“

Fotos: Twentieth Century Fox (Screenshot Trailer „The Revenant“), Universal Music