Keine andere Band hat seit ihrem letztjährigen Debüt einen fulminanteren Start als Nothing But Thieves hingelegt. Die Alternative Rock-Briten sprachen nicht nur vor ihrer Show in München mit uns, sondern hatten auch einen Akustik-Song im Gepäck. Bittesehr – mit Video und Audio und allem!

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Nothing But Thieves sind ein Quartett, das sich noch aus Schulzeiten kennt. Man merkt das auch. Ich werde am vergangenen Donnerstag in den Backstagebereich im Feierwerk gebeten und da sitzen sie in einem Kreis aus Sofas. Zwei sind mit ihrem Handy beschäftigt, einer bastelt Tracks am Laptop, der vierte baut sein Schlagzeug unten auf der Bühne auf, der fünfte geistert noch durchs Haus. Sie sind unaufgeregt, nett und sehr entspannt. Nach einer kurzen Schokoriegel-Pause und Witzen, wie man sie nur untereinander machen kann, wenn man sich sehr lange kennt, geht’s los.

Joe, Dom und Conor sitzen vor mir auf einzelnen Sesseln verteilt. Sie sprechen über jemanden, mit dem sie sich vielleicht noch, voll rockstarmäßig, zum Tee treffen wollen. Aber jetzt sprechen wir erstmal Tacheles.

Glückwunsch zu all dem Erfolg, den ihr seit dem Release eures Debüts habt. Ich hätte da gleich mal eine Frage zum Artwork: Was hat es mit dem Pferd auf sich?
Joe: Wie siehst du das? Als Pferd, das aus dem Rauch kommt oder Rauch, der vom Pferd kommt?
(Ich entscheide mich für ersteres. Das war leider nicht die Intention der Band.)
Joe: Es soll also vom Pferd kommen. Wir wollten ein natürliches Element in dem Rauch einhüllen, manche Lyrics gehen auch in diese Richtung. Wir hatten eine Vorlage mit der gleichen Idee und einem Elefanten. Dieses Bild haben wir Steve Stacey, der unser ganzes Artwork macht, gegeben und er hatte dann die Idee mit dem Pferd und das hat uns super gefallen.
Dom: Normalerweise dauert es länger bis wir ein Artwork gefunden haben. Aber hier nicht, das hat einfach perfekt zum Album gepasst.

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Jetzt seid ihr auf eurer ersten Headline-Tour durch ganz Deutschland unterwegs.
Dom: Ja, das ist unsere erste große Tour. Es ist schön, dass manche Shows ausverkauft sind, weil du nie weißt, ob das passieren kann. Wir erwarten das nie.
Joe: Das sind oft sehr angenehme Überraschungen, vor allem wenn es in Städten passiert, in denen wir noch nie vorher waren.
Dom: Zum Beispiel in Groeningen in den Niederlanden. Wir waren da noch nie und unser Konzert war in zwei Stunden ausverkauft. Alle 400 Tickets waren weg.
Joe: Zurückkommen ist cool. Es meistens immer eine etwas größere Halle als beim letzten Mal und so kann man das Fanwachstum mitansehen.

Und wie ist das, Supportband von Muse zu sein?
Conor: Das ist eine tolle Möglichkeit für uns und es scheint wirklich gut zusammen zu passen, wir, sie, die Fans und die Musik.
Joe: Wir haben auch ähnliche Einflüsse. Radiohead und Jeff Buckley, würde ich tippen. Die Shows sind ganz anders als die heute abend, es macht echt auch Spaß! Es ist eine runde Bühne in der Mitte und auf der laufen wir ganz schön herum.
Dom: Unser Fitnesslevel hat sich erhöht seit wir auf der Circle Stage spielen durften. Du läufst und läufst und am Ende deiner 30 Minuten bist du dann über zwei Meilen gelaufen und hast auch noch performt.

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Lasst uns mal kurz zurückblicken. Ihr habt ja direkt nach der Schule angefangen.
Dom: Ja, Joe ist der Älteste von uns, er war auf dem College. Wir kannten uns wirklich von der Schule und aus verschiedenen Bands. Es gab eine Zeit, in der lebten wir quasi in meiner Garage – halb Proberaum, halb Studio. Inzwischen kann man auch drin wohnen, aber es nicht glamourös! Und wir haben es schalldicht isoliert, das war eine gute Idee.

Quasi direkt aus dieser Garage seid ihr dann nach Nashville, richtig? Welche Stadt hat euch in den Staaten am besten gefallen?
Dom: Zuerst zum Flughafen, dann nach Nashville.
Joe: So ein Quatsch! Aber ja, wir waren dann in Los Angeles, Nashville und New York.
Dom: Wir waren zwar vorher in den USA, aber nur im Urlaub. Diesmal konnten wir richtig reisen und auch die Musikszene kennenlernen. Ich mochte LA am liebsten, ich mag das Wetter dort. In England ist es ja elf Monate grau. (Joe und Conor einigen sich auf New York.)

Wenn ihr jetzt, mit all dem Erfolg und euren Touren um die Welt, in eure Heimatstadt Southend zurückkehrt, fühlt sich das komisch an, weil ihr z.B. auf der Straße erkannt werdet?
Joe: Ja, irgendwie ist das jetzt seltsam. Man wird gerade in Southend schon erkannt, mit jedem Mal, das wir heimkommen, nimmt das zu. Aber die Menschen sind immer nett und so. Wir kommen aber auch nur drei oder vier mal im Jahr zurück.
Conor: Weihnachten war komisch. Da war’s plötzlich im Pub meiner Kleinstadt echt zuviel. Aber immer noch okay!

Ihr habt letztes Jahr von recht vielen Städten, in denen ihr gespielt habt, ein Tour Diary-Video veröffentlicht. Hat euch das mehr Fans gebracht?
Conor: Ich weiß nicht. Ich habe darüber nie nachgedacht. Wir haben das einfach getan, um den Leuten zu zeigen, was wir so machen.
Dom: Wir verbringen eine Menge unserer Freizeit damit, unseren Lieblingsbands im Studio und auf YouTube zuzuschauen, auch Dokus wie „Sound City“ von den Foo Fighters und so. Es ist wie eine Extradimension. Das wollen wir auch unseren Fans bieten.
Joe: Du zeigst den Leuten ein bisschen was von deinem Leben, das ja generell echt spannend ist gerade. Aber es gibt eine Grenze, man will ja auch nicht alles preisgeben. Aber die Tour Diaries fand ich gut.

Ihr seid sehr erfolgreich in England, Deutschland und jetzt auch den USA. Steigt euch das alles manchmal zu Kopf?
Conor: Nicht wirklich. Es passiert in einem stetigen Rythmus. Wir machen das, was wir machen und diese Dinge passieren einfach. Wir überlegen nicht, was seit einem bestimmten Zeitpunkt eingetreten ist.
Dom: Du schätzt alles. Du arbeitest hart, du wirst belohnt und du freust dich über den Erfolg.

Wie steht es denn gerade um Alternative Rock, was meint ihr?
Joe: Sieht gut aus! Mit Royal Blood nahm das in England alles wieder seinen Anfang. Dann gibt es noch Wolf Alice, Slaves und Catfish & the Bottlemen, die sind auch alle sehr erfolgreich. Wir kamen genau zur richtigen Zeit dazu.
Conor: Da geht einiges, ja. Jeder freut sich wieder über neue Gitarrenbands. Im Moment gibt es einen Schwung guter Bands, aber einige davon werden richtig großartige werden.
Joe: Viele Bands machten früher teils schrecklichen Indie, Foals zum Beispiel, und jetzt machen sie großartige Musik, weil sie einfach mehr in die Rockkerbe hauen.

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Ihr habt für die Serie „Vikings“ ein Cover von Bonnie Tylers „I Need A Hero“ gesungen. War das eure Idee?
Joe: Eigentlich sollte das eine andere Band machen, aber die hat’s verkackt. Also haben sie uns gefragt. Wir haben das an einem Abend aufgenommen und es hat ihnen gefallen.
Dom: Wir schrieben den ganzen Tag an Songs, dann kam gegen Abend die Email, wir spielten es in nur vier Stunden ein und sie haben es geliebt!

Wir sprechen noch ein bisschen über britische Bands, an die ich denken musste, als ich ihr Album zum ersten Mal gehört habe – Muse natürlich, Placebo und sogar etwas Queen. Mit Queen sind sie nicht einverstanden, die wären immer so theatralisch. Allerdings mögen sie den neuen Song von Biffy Clyro genau so gern wie ich und achja, Coldplay – an denen haben sie nichts auszusetzen, sie sind aber auch nicht ihre größten Fans. Conor erzählt von seiner abklingenden Erkältung und dass er letzte Woche fast gar nicht sprechen konnte. Dann ist es für mich Zeit zu gehen.

Wenig später heißt es dann für das Quintett auch schon ab auf die Showbühne in der Kranhalle! Sie spielen ihr Debütalbum durch und gegen Ende merkt man das mit der Erkältung des Sängers– aber auch nur, wenn man es weiß. Neben ihren eigenen Song spielen sie ein Cover, „Where Is My Mind?“ von den Pixies, und grad bei dem Song bin ich ja kritisch. Aber es passt. Passen tut bei Nothing But Thieves das Gesamtkonzept: Sie machen Alternative Rock und Sänger Conor hat eine außergewöhnlich einprägsame Stimme. Und sie sind seit Ewigkeiten befreundet und eigentlich macht genau das gute Bands aus. Nächstes Mal dann in einer großen Halle hier in der Stadt!

Foto: the music minutes