Sie klingen wie Oasis zu deren besten Zeiten und doch auch nach 2016: die DMA’S nicht aus Manchester, sondern – Obacht – Australien. Ihr Debüt „Hills End“ ist seit ein paar Wochen auf dem Mark und damit kommen sie jetzt zu uns auf Tour. Wir empfehlen: Hingehen, alle!

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Irgendwann auf dem Reeperbahnfestival meinte ein Gesprächspartner über dem gefühlt 10. Astra des Tages zu mir: „Die DMA’S, die sind wie Oasis ganz früher. Geil also! Geh‘ da mal auf’s Konzert!“ Gesagt, getan: Im Dezember schauten die drei Australier das erst Mal in München vorbei. Dass sie die neuen Oasis sind, hatte sich noch nicht wirklich so herumgesprochen: Im Strom war an diesem Abend noch gut Platz. Ich verstand es nicht. Und tue das bis heute nicht.

Inzwischen sind ein paar Monate vergangen und neben ihrer damaligen selbsbetitelten EP ist inzwischen ihr Debütalbum „Hills End“ erschienen. Aufgenommen wurde das großteils im Schlafzimmer des Bandgitarristen Johnny Took. Abgemischt wurde es dann allerdings von einem der ganz Großen: Der Produzent Spike Stent kann u.a. Madonna, Beyoncé, Muse, No Doubt, Bastille, Biffy Clyro, Massive Attack und Oasis zu den von ihm produzierten Künstlern zählen. Und jetzt auch die DMA’S. Die Buchstabenkombi hat übrigens absolut keine Bedeutung, nicht dieAnfangsbuchstaben der Vornamen (dann wäre es eher TJM’s für Tommy, Johnny und Matt), nicht die Namen der Haustiere, kein geheimer Code, nichts. Aber was genau machen jetzt diese drei Dudes aus Down Under?

Erinnern sich die inzwischen Mittdeißiger unter euch noch, wie damals die ersten Britpop-Songs klangen? So sind die DMA’S und solche Musik machen sie. Es sind gitarrengeladene Pop-Songs, die manchmal zum Mitgröhlen einladen und die Lust auf noch ein Bier mehr machen. Wer zu „I’m feeling supersonic, give me gin and tonic“ vor 22 Jahren mit den Gallaghers mitwackeln konnte, kann das jetzt noch mal – zu Songs einer Band, die gefühlt drei Jahre alt war, als „Definitely Maybe“ von Oasis erschien. Sie geben die Krawallbrüder aus Manchester auch als ihren größten Einfluss an, man hört das auch als nicht Oasis-Fan recht deutlich. Nein, sowas wie „Wonderwall“ gibt’s nicht auf „Hills End“, aber das ist in meinen Ohren auch besser so. Die DMA’S klingen so wie Oasis ganz früher – als gerade die Köpfe der Band, Liam und Noël Gallagher, noch nicht durch Barschlägereien und Twitter-Rants untereinander auf sich aufmerksam machten.

Und sie hören sich nicht nur so an: Sie sehen live auch so ähnlich aus. Auf der Bühne stehen drei Typen, einer davon mit Baseball Cap, einer mit einer Adidas-Trainingsjacke, keiner legt Wert auf Unterhaltung mit dem Publikum, sie spielen ihr makelloses Set und gehen. Kann man durchaus so machen, ist eine sehr gute Performance, die seltsamerweise keinen Wunsch offen lässt. Vielleicht ist man diesen Stage-Habitus einfach noch von Oasis gewohnt und erinnert sich daran genauso gern wie einen die Songs der DMA’S an Oasis erinnern.

Zwölf Songs gibts auf „Hills End“, die sich angenehm zwischen ruhigeren und lauteren aufteilen. „Too Soon“ ist schon relativ zornig, „In The Moment“ hingegen ist ein fast schon verträumter Song mit Akustikgitarre, der ebenso gut auf einem Album der Britpopper der Ocean Colour Scene hätte sein können, gleich als Anschluss zu „The Day We Caught The Train“. Wie es sich für Britpop à la Oasis damals schon gehörte, hat die Gitarre einen ganz wichtigen Part in den Songs der DMA’S: Selten verzerrt, immer fast genau so wichtig wie der Gesang. „Your Low“, „The Switch“ und „Lay Down“, letzerer nur auf der EP, sind Britpop-Songs, die so großartig sind, dass man sich fragt, wieso dieses Genre so gut wie ausssterben musste. Tommy O’Dells Gesang und Akzent sind so nah an Manchester, dass man nie vermuten würde, dass er Australien kommt. Bei Shows in ihrer Heimat wurden die DMA’S auch schon gefragt, von wo aus Manchester sie denn genau kommen würden. Die Songs der Australier klingen aber auch einfach nicht nach BBQ und Beach-Surfer-Sunshine-Life, sondern viel eher nach den zwei warmen Wochen im Juni oder Juli, die in England gemeinhin als „Sommer“ bekannt sind.

Schon klar, Oasis hatten Noël Gallagher als musikalisches Mastermind und Liam Gallagher als Band-Großmaul gepachtet, das haben die DMA’S nicht. Aber das müssen sie auch gar nicht: Sie machen wirklich 1a-Popsongs, die so angenehm unaufdringlich an den frühen Britpop erinnern, aber in den 2010-er Jahen stattfinden. Oder wie es Blurs Schlagzeuger Dave Rowntree treffend feststellte:

“(DMA’S) has the swagger of Oasis and the musicality and inventiveness of Arctic Monkeys.” 

Dem ist eigentlich nichts weiter hinzuzufügen. Seid ihr jetzt überzeugt und wollt euch die DMA’S in echt anschauen? Kein Problem, denn die Australier sind zum Glück schon wieder auf Tour durch Deutschland und hier mit ihrem 2016er-Britpop live anzusehen:

07. Mai – Hamburg, Molotow
09. Mai – Berlin, Musik & Frieden
10. Mai – Köln, Luxor
11. Mai – München, Strom

Und wer den direkten Vergleich anstrebt, hat dieser Tage auch noch Zeit den Meister und der DMA’s‘ größte Inspiration Noël Gallagher live zu sehen:

14. April – München, Zenith
15. April – Köln, Palladium

Beide sind super. Die DMA’S, weil sie eine ein bisschen nostalgisch werden lassen, aber halt doch so 2016 sind. Und Noël Gallagher und seine High Flying Birds, weil er ein unbestritten guter Songwriter und Musiker ist und u.a. auch deshalb, weil er gern alte Oasis-Songs spielt. Zwei Bands in einem Monat für die Britpop-Sucker unter euch. Geht hin!

„Hills End“ von den DMA’S ist am 26. Februar bei Infectious/BMG/[PIAS]Cooperative erschienen.

Foto: PR