Gitarren, Gitarren und noch mal Gitarren: Das sind The Dirty Nil! Auf ihrer Facebook-Seite behaupten Luke Bentham, David Nardi und Kyle Fisher von sich selbst, dass sie Rock’n’Roll spielen, weil „they couldn’t do a damn thing else if they tried“. Wir freuen uns wirklich sehr, diese Vollblut-Rock’n’Roller samt ihrem Debüt „Higher Power“ am 12. Mai im Feierwerk präsentieren zu dürfen und haben uns via Skype mit Sänger Luke unterhalten. Was wäre ohne den Rock’n’Roll nur aus euch geworden?

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Hamilton, Ontario, Ortszeit 11 Uhr vormittags. Ganz schön früh für einen waschechten Rock’n’Roller, aber alles kein Problem für Luke Bentham, den Sänger von The Dirty Nil. Ausgeschlafen und gut gelaunt winkt er mir aus einem Skype-Fenster entgegen.

Guten Morgen nach Kanada. Wir präsentieren eure Show! Ich freue mich sehr darüber, vor allem, weil ich euch im Januar als Vorband von Hard Action schon gesehen habe. Lass uns über euer Debütalbum „Higher Power“ sprechen. Glaubt ihr an eine höhere Macht?
Hmmm, warte kurz, nein. Es ist eher ein rotziger, veräppelnder Rock’n’Roll-Ton in dem Titel. Manche andere Dinge spiegeln sich auch noch in dem Namen, aber vor allem soll es monumental klingen. Ich würde es aber auf jeden Fall gut finden, wenn Rock’n’Roll diese eine höhere Macht wäre.

Ihr habt euch mit eurem Debüt ja glatt etwas Zeit gelassen.
Ja, das stimmt. So richtig mit den Aufnahmen haben wir im Herbst 2014 angefangen, aber bis der Mix und alles richtig fertiggestellt war, war schon Sommer 2015. Seit 2006 machen wir schon gemeinsam Musik, fast zehn Jahre. Seit 2011 haben wir einen steten Schwung an 7-Inch-Platten veröffentlicht, mit denen wir ein bisschen Momentum und auch Fans bekamen. Wir hatten damals auch noch keinen Label-Support, also war das einfach unser Ding. Es lief so ab: Geld zusammen bekommen, eine 7-Inch aufnehmen, die verkaufen, dann wieder von vorn anfangen und neues Material aufnehmen. Wir starteten auch einen Plattenclub, bei dem Leute dann exklusive 7-Inches von uns bekamen. Wir wollten aber auch einfach Erfahrungen sammeln, bevor wir uns mit einer Plattenfirma an einen Tisch setzen. Das hat uns und unserer Entwicklung gut getan. Dank der 7-Inches konnten wir auch großflächig durch Amerika touren und so hatten wir die ersten Gespräche mit Labels erst, als wir mit den Aufnahmen schon begonnen hatten und deshalb nicht gleich Unmengen von einer Plattenfirma vorab brauchten.

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So, und nun zum Inhalt des Albums:
All diese Erfahrung und die Zeit, die sich The Dirty Nil genommen haben, hat sich gelohnt: dirtynil_higher-power„Higher Power“ ist für große Venues gemacht, kann aber auch in einem kleinen Club so wahnsinnig viel. „No Weaknesses“, Opener, erste Attacke auf das Trommelfell und vielleicht auch Band-Anthem, erzählt vom Wunschdenken von Sänger Luke: Wish I was taller/ a little louder/hearing things from a higher power/hand to God and all the sheepish/ Me and Satan versus Jesus/…/ But I have no weaknesses. In meinen Augen hat diese Band wirklich keine Schwächen. Es ist ein Song, bei dem in München bitte das „No Weaknesses“ im Refrain mitgesungen wird, denn der verlangt das. Mit ihren kanadischen Kollegen von PUP werden The Dirty Nil recht oft verglichen, Beach Slang und Meat Wave werden genannt und dank ihrer nicht immer bierernsten Texte auch gern einmal Jeff Rosenstock.

Manchmal, wie in „Zombie Eyed“, ist der Bass von Bandmitglied  David Nardi fast schon wie bei den Pixies auf deren „Surfer Rosa“. Und auch den Weezer-Einfluss kann man nicht abstreiten. In „Bury Me At the Rodeo“ gibt es fast so etwas wie einen zweistimmig gesungenen Refrain, recht viel näher an eine Ballade werden The Dirty Nil wohl nie kommen. Absolut großartig – der Song und die Einstellung, ist klar. „Fugue State“ dauert genau 45 Sekunden und die werden durchgeknüppelt. „Bruto Bloody Bruto“ bekommt eine ganze Minute und eine Sekunde mehr Spielzeit und überzeugt durch ein 1a-Rock’n’Roll-Riff, das x-mal wiederholt wird und nur gelinde weniger brettert als der 45-Sekünder.

Auf der Lässigkeitsskala ganz weit nach oben schießen sich The Dirty Nil schließlich mit „Wrestle Yü To Husker Dü“, das man allein schon wegen des Namens und der Band im Namen liebgewinnen muss. Achso, ja und in „Friends In The Sky“ geht es doch glatt noch einmal um Satan und Jesus und Luke Benthams Allianz mit ersterem, aber im Himmel, ja, da könnten sie dann ja doch wieder alle befreundet sein.

Also, Fazit: „Higher Power“ von The Dirty Nil brettelt mit seinen elf Songs ganze 26 Minuten gut durch. Sie sind rough, sie sind laut, sie nehmen sich selber nicht so ernst und sie haben ihr Business von Grund auf gelernt. Und sie sind unter 30. Und da kann man gar nicht anders, als sich vor diesem Trio aus Kanada zu verbeugen. In echt, versteht sich, denn The Dirty Nil sind quasi schon auf dem Sprung :

Ihr kommt jetzt nach eurem Support-Stunt im Januar als Headliner zurück nach München. Was können wir da von euch erwarten?
Ihr dürft euch auf mehr High Kicks und mehr Lachen, mehr Lautstärke und mehr Sterne (dazu gleich noch) freuen! Kyles Haare sind blonder als jemals zuvor, Daves Schopf ist dunkler als jemals zuvor, wir sind lauter als jemals zuvor. Ich male hier ein schönes Bild… Alles wurde nach oben geschraubt, soviel steht fest!

Und was erwartet ihr euch von eurer Headline-Tour durch unsere Lande?
Wir hatten da einiges an Ermutigung dank guter Vorverkaufszahlen. Ich freue mich auf gute Shows, auf die die Leute Bock haben. Das ist das erste Mal für uns, dass wir unser Album in einem nicht-englischsprachigen Land promoten. Das ist ein sehr wichtiger Meilenstein für unsere Band. Wir hatten eine echt gute Zeit in Deutschland. Unser Plan ist, dass wir dieses und vermutlich auch nächstes Jahr zwischen dem amerikanischen und dem europäischen Kontinent hin- und herfliegen um „Higher Power“ weiter zu promoten. Ich freue mich auf alle Fälle schon auf unsere erste Headline-Tour!

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Du trägst gern Hemden mit Sternchen-Muster. Was hat es damit nur auf sich?
Das ging 2011 bei unserer ersten kanadischen Ostküsten-Tour los: Wir waren in einem Secondhand-Laden und alles kostete zehn Dollar. Ein Freund von mir zog dieses weiße Hemd mit blauen und roten Sternen von einem Stapel und es war das dämlichste Ding, was wir je gesehen haben. Er meinte, er würde es mir kaufen, wenn ich es anzöge. Gesagt, getan. Ich hatte null Ahnung von Mode und nun musste ich mir nicht einmal mehr Gedanken darüber machen, was ich auf der Bühne anziehen soll. Ich hatte das Hemd in unserem Video zu „Fucking Up Young“ an und dann kamen mit dem wachsenden Erfolg auch Nachrichten von Fans über neue Sternchen-Hemden. Ich hab mir dann mehr zugelegt und jetzt rotiere ich sie durch. Das ist aber vor allem für mich ein Heidenspaß. Ich glaube, ich spiele einfach tausendmal besser Gitarre, wenn ich Sternchen trage. Ich kann dann auch höher springen!

Habt ihr denn eine spezielle Message an das Publikum in München?
Ich bin der festen Überzeugung, dass es das Coolste der Welt ist, dass Leute in eurem Teil der Welt unsere Band mögen. Ich freue mich, Hallo zu sagen und euch alle zu treffen. Rechnet mit mehr Lautstärke und mehr Sternen!

Wenn aus euch jetzt doch keine Rock’n’Roller geworden wären, sondern ihr doch einfach was anderes machen hättet müssen: Was wäre das – trotz eures Facebook-Statements?
Also, ich wollte vor Musiker werden eigentlich immer ins Weltall. Unser Bassist Dave wäre gern ein Golden Retriever in einer Familie aus der höheren Mittelschicht und [dreht sich zur Seite und ruft „Hey, Kyle, was wärst du gern, wenn schon nicht Drummer in einer Rock’n’Roll-Band?“ Kyle antwortet aus dem Off etwas.] Kyle wäre gern Science-Fiction-Autor geworden.

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Ein Astronaut, ein Science-Fiction-Autor und ein Golden Retriever. Oder eben einfach The Dirty Nil. Eine großartige junge Band, die Krawall macht, Sternchen-Hemden und manchmal Schnauzer trägt und vor allem zu uns nach München kommt. Nach unserer Skype-Viertelstunde freuen wir uns wirklich noch sehr viel mehr, dass wir euch das Trio aus Ontario präsentieren dürfen! Wir sehen uns am 12. Mai im Orangehouse!

Wer nicht aus München kommt, kann The Dirty Nil auch hier anschauen:

27. April – Hamburg, Docks (als Vorband von Juliette & The Licks, noch ein Qualitätssiegel)
10. Mai – Köln, MTC
11. Mai – Münster, Skaters Palace
14. Mai – Berline, Maze
15. Mai – Hamburg, Hafenklang

Wie schon bei den bisherigen Präsentationen können wir euch auch diesmal ans Herz legen: Wer Karten für München gewinnen will, sollte demnächst öfter hier vorbeischauen. 

Foto: PR