Erst David Bowie, jetzt Prince. 2016 hat uns zwei ganz Große genommen. Am 21. April verstarb Prince im Alter von nur 57 Jahren. Für mich war Prince nicht nur ein exzellenter Musiker, sondern aufgrund seines ambivalenten Auftretens auch ein frühes Rollenmodell.

prince

„Am I black or white? Am I straight or gay?“ fragt Prince in „Controversy„, einem meiner Lieblingssongs der verstorbenen Legende. Prince provozierte, war kontrovers und voller Widersprüche. In „I Would Die 4 U“ singt er: „I’m not a woman. I’m not a man. I am something you will never understand.“

Ein unfassbares Wesen, ein Pop-Chamäleon. Aufgrund seines schillernden, androgynen Auftretens war er ein frühes Rollenmodell für mich. Er war seiner Zeit voraus – ähnlich wie David Bowie. Prince bewegte sich zwischen den Geschlechtern und spielte mit seiner Sexualität. Er pfiff auf gesellschaftliche Normen und hielt sich nicht mit Konventionen auf.

Auch in musikalischer Hinsicht war Prince ein Freigeist. Seine massiven Funk-Bretter kombinierte er mit Soul, R’n’B und Rock. Er rebellierte gegen die Musikinudstrie, schrieb sich eine Zeitlang „Slave“ auf die Wange, nachdem er aus seinem Plattenvertrag mit Warner Music nicht vorzeitig entlassen wurde. Alben veröffentlichte er gerne mal als Gratis-Zeitungsbeilage. Streaming-Diensten hat er sich bis zuletzt verweigert. (So ist ein Großteil seiner Songs leider auch nicht bei Spotify verügbar.)

Sein Katalog umfasst mehrere globale Top-10-Hits. Vor allem in den achtziger Jahhren landete Prince regelmäßig in den internationalen Charts, u.a. mit „1999“, „Sign O‘ The Times“, „Alphabet St.“ und natürlich „Purple Rain“ und „When Doves Cry“. „Kiss“ vom 1986er Album „Parade“ war vermutlich sein größter Erfolg. Der Funk-Song mit dem markanten Gitarren-Riff war seine dritte Nummer eins in den USA. Der Disco-Hit ist heute ein Pop-Klassiker.

Anfang der Neunziger mischte er – neben Madonna – mit ziemlich expliziten Songs wie „Diamonds & Pearls“, „Cream“ und „Get Off“ den Mainstream mit jeder Menge Sex auf. Wer sonst schafft 23 Positionen während eines One-Night-Stands und landet damit in den Hitparaden?

Prince beeinflusste unzählige andere Künstler. Unter den Musikerkollegen, die sich via Social Media bestürzt über seinen plötzlichen Tod äußerten, finden sich so unterschiedliche Stars wie Madonna, Lenny Kravitz, Justin Timberlake, Slash, Katy Perry, Santigold, Mykki Blanco, Missy Elliott und TLC. Letztere coverten für ihr Hit-Album „Crazy Sexy Cool“ den Prince-Song „If I Was Your Girlfriend“. Zuvor hatten sie bereits für den Film „Poetic Justice“ den Prince-Track „Get It Up“ aufgenommen.

Auch andere Musiker profitierten von seinem Hit-Händchen. The Bangles landeten 1986 mit „Manic Monday“ einen Welthit. In den USA schaffte es der Popsong bis auf Platz zwei der Charts – die Pole Position wurde von Prince mit seinem Überhit „Kiss“ blockiert.

Sinéd O’Connor verdankt Prince ihren größten Hit. Mit einer neuen Version seines ursprünglich für sein Seitenprojekt The Family geschriebenen Songs „Nothing Compares 2 U“ landete die irische Sängerin einen internationalen Bestseller.

Andere ließen sich sichtlich und deutlich hörbar von Prince inspirieren. Für Janelle Monáe war er ein perösnlicher Held. Insbesondere ihr letztes Album, „The Electric Lady“, wurde nachhaltig von ihm beeinflusst – angeblich rief sie ihn in seinem Domizil in Minneapolis auf seinem lila Telefon an, wenn sie nicht weiter wusste. Gemeinsam mit dem exzentrischen Superstar nahm sie das minimalistische Soul-Duett „Givin Em What They Love“ auf.

Nur mit dem „King“ kam Prince zu Lebzeiten nicht so ganz klar. Zwischen Michael Jackson und ihm, neben Madonna die beiden größten Stars der Achtziger, herrschte eine verzwickte Konkurrenzsituation. Prince stand oft im Schatten des kommerziell erfolgreichen Superstars. Randnotiz: Jacksons späterer Welterfolg „Bad“ war ursprünglich als Duett mit Prince geplant. Doch die Zeile „Your Butt Is Mine“ wurde am Ende doch nicht von Prince gefaucht.

Über drei Jahrzehnte lang prägte Prince die Pop-Welt. Sein kreativer Output war enorm. Im Herbst 2014 veröffentlichte er gleich zwei Alben – 30 Jahre nach dem Release seines Meisterwerks „Purple Rain“. Für den Release kehrte er nach 18 Jahren zu seinem Labelpartner Warner Bros. Records zurück. „Art Official Age“ war ein Solo-Album, zudem erschien ein Studioalbum seiner Band 3rd Eye Girl.

Das letzte Werk „HITnRUN Phase One“, Princes 38. Studioalbum, erschien im Herbst vergangenen Jahres. Dafür holte er sich u.a. Lianne La Havas ins Studio. Der zweite Teil, „HITnRUN Phase Two“, wurde erst im Januar veröffentlicht.

Zu seinem Tod erstrahlten in den USA zahlreiche öffentliche Gebäude in lila. Sogar der US-Präsident Barack Obama nahm Abschied von der Ikone.

Übrigens: Die Antwort auf seine Frage, ob er nun schwarz oder weiß, hetero oder schwul sei, gibt sich Prince am Ende von „Controversy“ übrigens gleich selbst. Es ist egal. „I wish we all were nude, I wish there was no black and white, I wish there were no rules.“ Keine Grenzen, keine Normen, keine Regeln. Für ihn war alles ein Spiel: „Life is just a game, we’re all just the same.“ Word.

Foto: Cover Best Of, Warner Music Group