Neues aus unserer Reihe „Festivalfieber“: Portugal punktet definitiv nicht nur als ultimatives Urlaubsziel, sondern hat mit dem NOS Alive in Lissabon auch eines der besten Festivals Europas in petto. Zum 10Jährigen wird Line-Up-mäßig gehörig auf den Putz gehauen: Courtney Barnett, Jose Gonzalez, Band Of Horses, Soulwax, Arcade Fire, Tame Impala, Foals, Radiohead, die Pixies und die Chemical Brothers sind nur die Kirschen auf der Sahne auf dem Kuchen…

Panoramica (1)- copyright Lino Silva
Ab Donnerstag heißt es drei Tage lang Sommer, Sonne und haufenweise gute Musik direkt am Ufer des Tejo. Wer keinen Bock hat auf die zunehmenden Monsun-Szenarien von der Eifel bis nach Glastonbury, und wem sich der Rücken schon beim Gedanken an eine Nacht im Zelt ausrenkt, der ist bei einem Stadtfestival wie diesem hier goldrichtig.

Gecampt wird nicht und das Programm startet immer erst zwischen 17 und 18 Uhr. Tagsüber werden also diverse Galaos und Pasteis de Nata in der Stadt genossen, die so nahen wie wunderschönen Strände besucht oder an den glorreichen Quiosques auf ein paar kühle Imperials vorbeigeschaut, bevor es am späten Nachmittag auf das nur 15 Taximinuten von der Altstadt entfernte Festivalgelände geht. Das ist dann auch noch so kompakt gehalten, dass man quasi in 5 Minuten zwischen allen Bühnen wechseln kann und so die Chance hat, maximal viele Bands zu sehen. Die Portugiesen wissen wie’s geht! Sogar der Eingang ist eine Bühne. Jeden Tag spielen ab Doors Open über die komplette Einlasszeit Nachwuchsbands im riesigen Portalbogen. Kein Mensch braucht Bungeespringen oder Riesenrad, wenn er sowas haben kann, oder eine lamettabehangene Nischen-Krawall-Stage.

IMG_0742-2 - copyright Hugo MacedoBereits in den letzten Jahren musste sich das Line-Up nicht verstecken, so gab es z.B. vor drei Jahren (damals sponsorenbedingt noch das Optimus Alive Festival) schon eine gute Ausbeute mit Bands von Biffy Clyro, Kings Of Leon und Depeche Mode über Band of Horses, Alt-J und Tame Impala bis Jurassic Five und Jamie Lidell. Und starke Neuentdeckungen wurden auch gemacht, DIIV haben ordentlich beeindruckt damals. Letztes Jahr dann die Killer-Kombi Alt-J und Muse, die mit zu einem der besten Konzerterlebnisse 2015 gehörte. Was absolut auch am Publikum lag. Das ist hier nämlich erfahrungsgemäß extrem stark. Könnte daran liegen, dass nicht schon alle seit Vormittag Dosenstechen aufm Zeltacker betreiben, sondern relaxt durch die Stadt flanieren, einen Beach-Tag einlegen oder halt auch direkt vom Büro aufs Festival kommen.

Dieses Jahr lässt man es zur 10. Ausgabe aber speziell krachen. Line-Up-Kniffe wie Foals, Tame Impala und Radiohead (in dieser Reihenfolge!) sind durchaus grandios bis unverschämt. Überhaupt haben sie wieder eine feine Mischung zusammengetragen. Die geschätzte Courtney Barnett ist mit von der Partie, genauso wie Calexico, Band Of Horses und José Gonzalez.
Spezielle Freude über Soulwax, die ich seit gut 10 Jahren nicht mehr live gesehen habe, und die Pixies, die ich, soweit ich mich erinnern kann, noch nie live gesehen habe (höchstens mal halb umnachtet auf einem der üblichen verdächtigen Festivals von Bizzare bis Southside Ende der 90er?). Ebenso erstaunlicherweise auch Foals, ich bin gespannt. Live immer eine Bank Arcade Fire und die Chemical Brothers, die man sich schon allein wegen der wahrscheinlich wiedermal gigantomanischen LED-Wand anschauen muss. Mit Spannung erwartet wird das neue Material von Biffy Clyro und das letzte Hitalbum von Tame Impala im Live-Modus und ob Robert Plant auch Zeppelin Songs spielt.
Des weiteren im Angebot: John Grant, Father John Misty, Wolf Alice, Grimes, Two Door Cinema Club, Hot Chip, M83, 2manydjs und hoffentlich auch wieder die ein oder andere Entdeckung im Mittelfeld.

Drei Abende und Nächte Shows galore also. Und wem es dann um 3 Uhr morgens immer noch nicht reicht, der kann sich noch gepfelgt ins LUX pflanzen, eine Runde tanzen im Incognito oder noch Straßen-Absacker schlürfen am Cais do Sodré. Der Möglichkeiten gibt es sehr viele in dieser schönen, dem entspannten Nachtleben angenehm aufgeschlossenen Stadt (Nimm dir mal ein Beispiel, München!). Und sollte es ausufern, werden tags drauf einfach ein paar Runden im Meer geschwommen, ein Berg Bacalhau à brás verputzt (die Stockfisch-Reis-Kartoffel-Zwiebel-Pfanne klingt vielelicht ein bisschen fies, schmeckt aber deliziös und pumpt wieder Kraft in die schlottrigen Feier-Knochen) und um 19:00 Uhr steht man dann wohlgenährt und frisch gebürstet wieder vor der Bühne.

Mit diesem kleinen Playlisten-Rundumschlag durch’s Line-Up ist das diesjährige NOS ALIVE dann auch ein bisschen bei euch im Wohnzimmer, in der U-Bahn oder an der Isar dabei. Viel Vergnügen und Aloha Lisboa!

Playlist NOS ALIVE 2016

 

Fotos: PR (Lino Silva, Hugo Macedo)