Neues aus Kanada: Die Arkells veröffentlichen am 5. August ihr drittes Album „Morning Report“. Wer es bis jetzt noch nicht wusste: Hier lohnt sich das Zuhören, denn dieses Album wird 2017 wirklich jeder kennen. Und mögen.

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Als wir die Arkells 2013 zum ersten Mal in München trafen, waren sie noch eine relativ unbekannte Nummer bei uns. In Kanada hatten sie nach dem Release ihres Debüts“Michigan Left“ 2012 bereits den Juno Award, den kanadischen Grammy, als beste Band bekommen. Und seitdem? Ging es auch bei uns steil bergauf für das Quintett aus Ontario: Zwei weitere Juno Awards, Touren mit den Augustines, mitreißende Festival-Gigs und ausverkaufte Shows in Berlin und Hamburg. Am Freitag erscheint das neue Album der Arkells, „Morning Report“ heißt es und wir haben uns das mal angehört und festgestellt: Die Zeiten als Opener-Band sind vorbei, mit dieser Platte schaffen die Kanadier auch bei uns den Sprung zu den großen Bands.

Es ist eine Kunst, ordentliche Indie-Songs zu schreiben, die nicht fad werden. Die Arkells haben das drauf. In den ganz klassischen zwölf Songs auf „Morning Report“ verbinden sie wunderbar schönes Songwrtiting mit einer Vielzahl an Instrumenten, sodass wirklich keine Sekunde Langeweile aufkommen kann. In ihrem ersten Track „Drake’s Dad“ (Moment, etwa der Drake? – Nein, ich glaube nicht.) haben sie sich ein ganzes Streicher-Ensmble und einen Gospel-Chor ins Studio geholt, mittendrin mischen sie Elektro-Beats in den Song. Klassisches Ambiente, allerdings singt Max Kerman recht unklassisch dann aber von einem durchgesoffenen Abend in Nashville und davon, dass er auch unter der Dusche trinkt. Gefällt! Sehr gut sogar!

Die erste Single „Private School“ gab bereits einen Vorgeschmack auf die Platte: Lässiger Beat, bissl Klavier, zurückhaltende Gitarre und leicht hingerotzter Gesangspart. Sie singen immer noch viel von der Liebe, vom Mädel, das sie gern hätten und das es einem so unnötig schwer macht. Indie-Themen halt. So alt und doch so gut. „My Heart’s Always Yours“ kommt glatt richtig poppig rüber, während „Savannah“ mit Synthie, Klavier und Gitarre einer der vielleicht schönsten Indie-Songs dieses Sommers ist. „Round And Round“ steht dem allerdings in wenig nach: Da spielen die Arkells in ihrer ganzen Vielseitigkeit auf. Von einer gezupften Gitarre über Streicher, Bläser und eine Elektroorgel bis zu einer Pop-Melodie mit Hintergrundchor kann man in diesem einen Song alles finden. „A Little Rain“ ist ein feiner Indie-Rock-Song, bei dem man das „Rock“ auch gern groß buchstabieren kann. „Morning Report“ endet – auch ganz klassich – mit der Ballade „Hangs The Moon“. Und dann drückt man auf den Repeat-Knopf.

Produziert wurde „Morning Report“ von einer Reihe alter Hasen: Joe Chiccarelli mischte hier ebenso wie schon mal bei The Strokes und My Morning Jacket mit, Tony Hoffer ist u.a. für Tracks von Beck und M83 arkells-morning-report-9230verantwortlich und Brian West arbeitete mit Sia und AWOLNATION. Und man hört das dem dritten Album der Arkells an: Es gibt wie bei The Strokes und My Morning Jacket die gitarrenlastigeren Songs, die mit überraschend viel Synthie oder Elektrobeats wie bei Beck und M83 und dann auch die, in denen man manchmal einen Hip-Hop-Beat erahnen kann. Und manchmal erinnert es schönerweise an einen, der sich mit Songs und diversen Instrumentierungsmöglichkeiten sehr gut auskennt: Paul Simon. Aber all das allein macht dieses wirklich gute und vielseitige Album nicht aus: Die Arkells können Songs schreiben und Geschichten erzählen, sie sind keine funky gecastete Boygroup, sondern Freunde, die nicht grade 20 sind, sondern sich schon seit der Uni kennen und die richtig was auf dem Kasten haben.

„Morning Report“ von den Arkells ist ein ganz rundes Ding, ein leichtes Album, das oft von der Liebe erzählt und schön klingt. Dass die Songs mit so vielen verschiedenen Stilelementen und Instrumenten spielen, ist alles andere als ein Manko: Es zeigt vielmehr, dass die Kanadier so wahnsinnig viel mehr können als man ihnen bisher vielleicht zugetraut hätte. Und wenn sie diesen Monat noch beim Highfield-Festival und am Chiemsee Summer auftreten, wird hoffentlich klar: Die Arkells sind gekommen um zu bleiben. Mit gut geschriebenen Songs, mit einem sehr gelungenen dritten Album und gemacht um im nächsten Schritt als Headliner die mittlere Venues zu bespielen. Darauf freuen wir uns jetzt schon.

„Morning Report“ von den Arkells erscheint am 5. August bei Last Gang Records/eOne.

Foto: PR