Sie sind ganz helle Fixsterne am Konzerte-Firmament, sie sind vielseitig, klingen mal wie beste Freunde in einer Bar und dann wie die große Live-Band, der man mit Hunderten anderer einfach zujubeln muss: die Augustines. Schon nächsten Monat kommt das Trio nach München. Im Gepäck: ihr neues Album. Vor der Bühne: hoffentlich ihr. Eine Lobpreisung auf eine der besten Live-Bands des Planeten.

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Die Augustines waren früher als „We are Augustines“ unterwegs und viele meiner Freunde waren schon ewig und drei Tage lang ganz hin und weg von ihnen. Bei mir dauerte das etwas länger, dafür kam die Begeisterung dann umso doller: Heute kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass die Augustines eine der besten Live-Bands sind, die ich je gesehen habe.

Rückblick: „Rise Ye Sunken Ships“ + „Augustines“

Das Trio um William McCarthy ist auf seinen letzten beiden Platten zugänglicher geworden. Das Debüt „Rise Ye Sunken Ships“ behandelt die eher düsteren Themen im Leben: Schizophrenie und Selbstmord. Aber eigentlich zementierten die Augustines da schon in den ersten zwei Minuten des Albums ihren Ruf als hervorragende Indie-Band. Der „Chapel Song“ ist auch heute noch einer, bei dem man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll – so ehrlich der Text, so schön die Melodie. Und dieses Schwanken zwischen Lachen und Weinen zieht sich nicht nur durch ihr Debüt, sondern auch durch ihre zwei anderen Platten, „Augustines“ und „This Is Your Life“ und vor allem ihre Konzerte. Wenn McCarthy wie beim vorletzten Mal in München anhebt um eine Akustikversion von „East Los Angeles“ anzustimmen, dann muss man sich schon einmal fester an seinem Bier festhalten bzw. kann einem schon einmal Wasser in die Augen schießen.

Aber nicht nur die Songs vom ersten Album haben es in sich. Auf „Augustines“ beschwörten die New Yorker die guten Seiten vom und die besten Zeiten im Leben. Getreu ihrem Uptempo-Kopf-hoch-Kracher „Nothing To Lose But Your Head“ zeigten sie, dass wir alle schon mal nah an der Verzweiflung waren, aber hey – aufstehen, weitermachen, so richtig viel außer dem eigenen Kopf hat man in diesem einen, kurzen Leben nicht zu verlieren.  Die Augustines wollten 2014 unter endlich dem Namen, den sie eigentlich schon immer haben wollten, helfen – und zwar den Figuren in ihren Songs und allen, die zuhören und meinen, sie könnten Hilfe brauchen. Manchen war der Sound schon zu weichgewaschen, aber wenn man genauer hinhört, hat sich die Band zwischen erstem und zweiten Longplayer verändert: Es wird nicht mehr schwarz gemalt. Die Augustines sind jetzt eine Band, bei der das Glas halbvoll und nicht halbleer ist. Nur bei einem Song, „This Ain’t Me“, hört man McCarthys Selbstzweifel deutlich. Aber ansonsten überwiegt die gute Laune und die Lebenslust auf dem zweiten Werk der Augustines.

Bonus: Überragende Live-Band

Wer zu einer Augustines-Show geht, braucht bequeme Schuhe, denn die Herren spielen lang. Sie spielen ein Konzert, auf dem man sich, wie ich damals, ziemlich krank in einen rappelvollen Club hinschleppt und von dem man, obwohl man eigentlich wirklich ins Bett gehört, keine einzige Sekunde verpassen will. Zum Glück ist man bei Konzerten von den Augustines nie allein mit Wehwehchen, Ärger oder Problemen: Ziemlich sicher erzählt William McCarthy eine Episode aus seinem Leben, nach der man sich denkt „Kenn ich.“ Und selbst wenn es nur die Erkältung ist, die er teilt: Dann ist sein Whiskey euer Ibuprofen – oder eben umgekehrt. Er trinkt gern mal ein wenig vom hochprozentigem Destillat, wie er da oben mit Hut auf der Bühne steht. Aber das gehört auch dazu, denn der Sänger und Frotnmann schüttet jedem einzelnen im Publikum wieder von vorn sein Herz aus. Er erzählt von seinem Leben und spielt mit seinen Bandkollegen Eric Sanderson und Rob Allen so feinsinnige Songs, dass ein Drink in der Hand da irgendwie auch einfach nicht fehlen darf. Wie man eben „auf ein Bier“ mit einem Freund geht. Und egal wie groß die Halle, die Augustines bauen immer eine Vertrautheit zu ihren Fans auf und versichern uns jedes verdammte Mal aufs Neue: „We have been there, you are not alone in this“.

Neues Album: „This Is Your Life“

Das neue Werk „This Is Your Life“der Amerikaner, die wie Briten klingen, wartet mit einigen Tracks auf, die live das Publikum zum Durchdrehen bringen werden: Da hätten wir den Opener „Are We Alive“.

Der Song gibt auch gleich das Motiv der ganzen Platte vor: Das Leben gehört gefeiert. Der Optimismus von „Augustines“ zieht sich also weiter. „Honey, we are alive not dead“ singen die Augustines da im Refrain. Und sie haben Herrgottnochmal recht! McCarthy selbst sagt über den Song: „It’s a battle cry. This Is Your Life. We’re here, now, and this is it, buddy. You’re alive. I know it’s a grind but you can do anything. Being alive is amazing. And it’s not forever. What are we going to do?“

Der zweite Song „When Things Fall Apart“ ist ein lebensbejahendes Anthem, wie man es den Augustines vor fünf Jahren nicht zugetraut hätte. Neuanfang, Weitermachen – alles wiederkehrende Themen inzwischen in den Liedern der Band. Es gibt aber auch noch die ruhigeren Songs, „May You Keep Well“, „Landmine“ oder „Days Roll By“ zum Beispiel, aber die Uptempo-Tracks mit einem fetten „YEAH!“ drin sind eindeutig in der Überzahl.

Einer dieser Yeah-Songs ist der Titeltrack, in dem McCarthy wie ein Mantra den immer wieder gleichen Satz wiederholt: „Knock me down my friend/ I’ll just get back up again„. Und ja, er hat so recht. Die Band selber sagt über den Song und damit auch das ganze Album

“It’s a reminder. Like, hey fuckers, I know you have a car payment, your parents want to live near by, you have a kid but you’ll work all your life and then die? Really? This is it. Seize it.”

Immer noch haben die Augustines viele Chöre von „Ooooohs“ und „Aaaahhhhs“ in die Songs ihres dritten Album gepackt, aber genau das macht sie so unverwechselbar. Die Samples, die sie auf früheren Alben manchmal benutzt haben, wurden zugunsten analoger Instrumente eingetauscht, erzählte Drummer Rob Allen (er schwärmte im Speziellen von 808’s und 909’s sowie den moderneren Roland Spd-SX und Maschine). Live wird das alles großartig.

Apropos „live“: Die Augustines kommen nach München. Am 27. September wird das Trio eine Show spielen, der man schon jetzt zu hundert Prozent und ohne eine Sekunde überlegen zu müssen den Stempel „Top 5 des Jahres“ aufdrücken kann. Sehr super wird’s! Die Freude meinerseits ist – ihr ahnt es schon – kaum mehr auszuhalten. Wir freuen uns sehr, dass wir euch das Auftaktkonzert zur Deutschland-Tour der Augustines präsentieren können. Wir sehen uns uns dort vor Ort. Das wird ganz großartig. Versprochen und ganz ohne Witz.

„This Is Your Life“ von den Augustines ist bereits am 10. Juni bei Caroline International erschienen. Tickets gibt es für 23,80 € etwa hier oder beim Kartendealer eures Vertrauens. Geht hin! Wir sehen uns da in der ersten Reihe oder an der Bar oder in inniger Umarmung mit Freunden.

PS: Wer sein Glück mit der Losfee aufnehmen will, dem sei geraten: Watch this space, wir haben da vielleicht demnächst noch ein paar Tickets im Ärmel!

Foto: PR