Hinter AVEC verbirgt sich ein feines Musikprojekt aus Österreich, das vor allem von der zauberhaften Stimme seiner Sängerin lebt. Abseits des Reeperbahn Festivals in Hamburg haben wir sie getroffen, mit ihr gesprochen und einen Song eingespielt – draußen, in der Hamburger Brise. Besser kann’s nicht mehr werden!

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Es ist kurz nach Mittag, als die Sängerin von AVEC mit ihrer Tourmangerin um das Hauseck biegt. Sie sind gerade erst von einer anderen Session an der Reeperbahn angekommen und haben noch nicht einmal ihre Akkreditierungspässe fürs Festival. Macht nix, wir Mädels verteilen die Aufgaben unter uns: AVEC und ich nehmen in einem Park unweit des ganzen Trubels am Spielbudenplatz Song und Interview auf, die Tourmanagerin kümmert sich um den Festivalpass.

AVEC beim Reeperbahn Festival

„Meine Güte, was für eine Stimme!“ denke ich die ganze Zeit als wir das Video zu „Granny“ aufnehmen. Die Menschen, die durch die Grünfläche gehen, bleiben stehen, lauschen, klatschen zum Schluss. Wie schön! Neben AVECs Gesang und Gitarre hört man nur das Rascheln des Windes. „Draußen hab ich das auch noch nie gemacht“, sagt die Sängerin, deren Name weiterhin ein Geheimnis bleiben wird (wir nennen sie hier der Einfachheit halber wie ihre Band AVEC). Seltsam eigentlich, denn eigentlich ist sie für ihre Naturverbundenheit bekannt. Sie gehe gern lang spazieren, erklärt sie. In Wien? Nein, sie sei trotz des Erfolges nicht zum Stadtkind mutiert, so AVEC weiter. Sie wohnt weiterhin in „Vöcklabruck, am Lande“ in Oberösterreich, in ihrer Heimatstadt und kann sich auch nicht vorstellen, diese Heimat demnächst zu verlassen. Für Aufnahmen, klar, aber nicht für immer.

Apropos „Aufnahmen“: Eben ist AVECs erstes Album „What If We Never Forget“ erschienen. Zwölf Songs gibt es auf der Platte, sie sind alle miteinander schöne, ruhige und liebevoll eingespielte Singer/Songwriter-Nummern, denen man die österreichische Herkunft nicht im geringsten anhört. Die Songs handeln von Vergeben und Vergessen, Verlieben und Verlieren, dem Erwachsenwerden halt irgendwie. Manchmal melancholisch, manchmal heiter – dieses Album hat alles. und genau deswegen hat AVEC für uns die Single „Granny“ aus ihrem Debüt „What if We Never Forget“ aufgenommen. Bittesehr:

AVEC gibt es erst seit anderthalb Jahren, allerdings legt das Trio eine Erfolgsgeschichte in Sieben-Meilen-Stiefeln hin: Lob, Ruhm, Chart-Platzieungen und Award-Nominierungen pflastern den Weg von AVEC. Wie fühlt sich das denn an? „Schräg. Ich bin in einem Schwebezustand und kann das alles nicht ganz glauben. Auch das mit dem Reeperbahn Festival, das lag immer nur in der Ferne. Wenn ich eines meiner Lieder im Radio höre, finde ich das immer noch komisch“, erklärt die eigentlich schüchterne Sängerin. Den ganzen Medienrummel um sich und ihre Band betrachtet AVEC mehr oder weniger aus der Ferne, viel zu viel wäre alles in zu kurzer Zeit passiert. Sie nähme deshalb jetzt einfach mit, was geht, und schaut macnhaml ungläubig und neugierig auf das aktuelle Geschehen um sie herum.

Musik macht AVEC schon lang: Mit sechs Jahren lernte sie Geige, gab das dann aber auf. Sie könne bis heute keine Noten lesen, sondern denke in Akkorden, so die Österreicherin. Songtexte schreibt sie seit sie zwölf ist und mit 14 nahm sie dann die Gitarre in die Hand. Geprägt war sie von der Country-Musik, die in ihrem Elternhaus immer lief und von einer jungen Taylor Swift. Taylor Swift, die Country gemacht hat nicht Popsongs über verflossene Liebschaften schreibt. Und wo holt sich die Österreicherin heute Musikinspiration her? Singer/Songwriter mag sie natürlich sehr, London Grammar und Daughter findet sie super und ihre Lieblingsband für alle Zeiten werden wohl die Kings of Leon bleiben.

In der ganzen österreichischen Musikwelle von Bilderbuch bis Wanda sticht AVEC mit ihren englischen Texten fast schon heraus. Sie ist bei weitem nicht die einzige Künstlerin aus der Alpenrepublik, die nicht in ihrer Muttersprache singt, aber woher kommt’s? „Ich hab schon einige Songs auf deutsch und hab das auch ausprobiert, aber mir  ist das dann zu direkt. Das Deutsche ist so gerade heraus, man kann sich so schlecht verstecken und etwas durch die Blume sagen.“

AVEC bei der Manic Street Parade in München

Nach dem Reeperbahn Festival ist übrigens vor der Manic Street Parade: Das eintägige Club-Festival findet in diesem Jahr zum ersten Mal im Münchner Schlachthofviertel statt und AVEC ist eine der dort auftretenden Künstler. Ist das denn die erste Show in München und was kann man da erwarten? „Wir waren schon auf Tour mit Julian Le Play und haben in der Muffathalle gespielt, aber das Konzert im Rahmen der Manic Street Parade ist mein erstes Solo-Konzert in der Stadt. Wir werden in München als Trio auftreten und haben als Support den Isländer Mani Orasson dabei und ich bin echt schon gespannt. Ich freu mich ganz furchtbar, weil so viele gute Bands da sind und ich bin mir sicher, dass das super wird.“ – Das sind wir uns auch.

So, und jetzt die Info für euch: AVEC spielen am 8. Oktober im Rahmen der Manic Street Parade. Hier der  Timetable. Und dann geht hin und schaut euch AVEC an – ein Ausnahmetalent aus dem Nachbarland.