Eine der neuen, hoch gelobten Bands dieses Jahres kommt am 10. Oktober ins Orangehouse: YAK. Wir haben das Trio am Reeperbahn Festival getroffen und uns ihre Show angesehen. Fazit: Hingehen! Alle! Sofort! Und Ohrstöpsel und festes Dance-Schuhwerk nicht vergessen!

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Wer hier in den letzten Wochen fleißig mitgelesen hat, ist schon über den Bandnamen YAK gestolpert. YAK aus England sind Oliver Burslem, Andy Jones und Elliot Rawson. Und nebenbei ist es eine der Bands, über die ich aus dem Nichts heraus zu sprechen anfange. Wie zornig und energiegeladen ob dieses Zorn ihre erste Platte ist. Wie sehr mich „Harbour The Feeling“ immer noch umhaut. Wie sehr ich junge, zornige Bands immer noch mag, auf die man sich gar nicht mehr hoffen getraut hat.

„Alas Salvation“: 13 laute Tracks

13 Songs haben YAK auf ihr erstes Album „Alas Salvation“ gepackt, fast 13 mal Songs, die von verzerrten Gitarren, Übersteuerungen und einem Rhythmus, der das Publikum mitwabern lässt, leben. Oliver Burslem am Mikrofon ist das manchmal sehr laute Sprachrohr dieses jungen Trios, während seine Kollegen ungebrochen, ja fast rastlos auf Bass und Drums eindreschen. „Alas Salvation“, der Titeltrack, ist fast der kürzeste auf der Platte. Wie konnte das nur geschehen? „Wir haben uns keinerlei Grenzen bei den ersten Aufnahmen gesetzt. Der Song war schnell aufgenommen und hat uns in seiner ersten Version gleich gefallen wie er war. Er ist aus einer Live-Idee heraus entstanden. Dass jetzt die Zwischenstücke länger als der Titelsong sind, war so nicht geplant“, erklären YAK.

Nur der letzte Song sticht so wirklich aus dem sonst lauten (und großartigen) Debüt hervor: „Please Don’t Wait For Me“ ist der introvertierte Track der Platte, eher ein „Heimkommen“, währenddessen der Opener „Victorious“ eher nach außen blickt. Mich erinnern sie bei manchen Songs an die Sex Pistols oder Royal Blood oder Death From Above 1979. Aber nur manchmal und an manchen Stellen. Darauf angesprochen, stellt sich schnell heraus, dass YAK Vergleiche nicht mögen. Sie mögen Bands, aber nicht mit ihnen verglichen werden, sie wollen von Anfang an ihr eigenes Ding machen – verständlich. „Alas Salvation“ ist mit seinen Tracks „Use Somebody“, „Take It“ und natürlich „Harbour The Feeling“ ein Monster von einer Rock-Platte geworden: ungestüm, zornig und mitten aus dem und für das Herz.

YAK beim Reeperbahn Festival

Beim Reeperbahn Festival treffe ich die drei Briten im Hinterhof vom Moltow-Backyard, jeder von uns hat das zweite Bier des Abends in der Hand. Sie sind jung – jung genug für den jugendlichen Zorn, den man in fast allen ihrer Songs auf dem lauten, wilden Rock’n’Roll-Debüt „Alas Salvation“ hören kann. „So eine Platte war lange überfällig“, erklärt Sänger Oliver Burslem. Wieso das? Lahmt Rock’n’Roll vielleicht? „Ja, Rockmusik ist auf jeden Fall schwächer geworden. Zumindest da wo wir herkommen, aus den Midlands in England. Deswegen mussten wir diese Platte machen“, erzählt Burslem, dessen Sprechstimme so anders als seine Gesangsstimme klingt, weiter. Das klingt ja gruslig. Womit sind YAK denn musikalisch erzogen worden? „Elvis, weil der im Fernsehen war, Nirvana und der ganze Familienstammbaum von Lead Belly bis Mudhoney, David Bowie und so“, erklären die drei.

YAK blicken auf ein großartiges Jahr zurück: Ihr Debüt wurde mit Lob überhäuft, sie haben ausverkaufte Shows gespielt. Ihre Songs leben allerdings von Wut. „Anger is an energy“, sagt Sänger Oliver. Obwohl dieses Zitat von Sex Pistol Johnny Lydon in dem Zusammenhang vielleicht nicht ganz passt, meint er später, dass es doch sehr viel Arbeit war, die Leute immer wieder von YAK zu überzeugen. Viele meinten, YAK könnten den Erfolg nicht schaffen, die Band hat sie allerdings Lügen gestraft. Da ist sie also, die Wut, die der Nährboden für die Energie dieser Band ist. YAK wollten immer nur eine Menschengruppe von sich überzeugen: die, denen Musik wie die ihre wichtig ist und nicht zwingend die Plattenlabels. Euch. Uns. Mich.

YAK live: Expect The Unexpected

Aber was kann jetzt alles bei einer Live-Show von YAK passieren? Ein umfallendes Schlagzeug (ohne Gewalteinwirkung!), ein Sänger ganz in Weiß mit einem pinken Roy Orbison-Cap und Leute, die sich ausziehen: check. YAK allerdings stehen auf das Ungewisse. Dass bei einem Konzert dank des Publikums alles passieren kann, alles, womit sie selber nicht rechnen würden, finden sie super. Und nicht nur das: YAK möchten gern auch auf der Bühne etwas Eigenes machen, eine eigene Konzert-Instanz sein wie sie auch Platten aufnehmen wollen wie sonst kein zweiter. Vielleicht lassen sie sich deswegen nur ungern mit anderen Künstlern in eine Schublade stecken.

Wer übrigens wissen will, woher der Name YAK kommt, den muss ich an dieser Stelle enttäuschen: Ich habe nicht nachgefragt. Weil das auch egal ist und, wie ich nach dem Gespräch erfahre, das die meistgestellte und am widerwilligsten beantwortete Frage bleibt. Keine Ahnung, wieso diese Band so heißt, aber ich rate euch: Geht am 10. Oktober ins Orangehouse zu YAK. Wer da nicht hingeht, verpasst ziemlich sicher eine der fetzigsten Live-Bands, die Großbritannien gerade so ausgespuckt hat. Tickets kosten spottbillige 16,60 Euro inklusive allem. Es lohnt sich auf jeden Fall, denn „Harbour The Feeling“ ist vielleicht ungefähr der Übersong des Spätsommers. (Merkt’s was?). Wir sehen uns da.

Foto: PR