Mit marginaler Verspätung kommt unsere Playlist, aber gewissenhaft zusammengestellt, wie sich das gehört. Weils bei uns im Oktober schon so novemberlich trist ist, ist immerhin unsere Oktober-Playlist fetzig-bunt. Bitteschön, unsere Hits für den Monat!

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Renzo
Der Sommer sagt leise tschüss. Einen letzten Hängematten-Schaukler mit Kokosnuss-Drink unter Palmen serviert das schwedische Pop-Duo Niki & The Dove. Den entspannten 80s-Groove greift Blood Orange mit seiner prickelnden Synthie-Liebesschnulze „Best Of You“ auf. Kühle Electronica, umgarnt von einem warmen Soul-Schal gibt’s von Sampha. Der britische Bad Boy Jamie T. meldet sich mit der grandiosen Pop-Single „Power Over Men“ zurück, von seinem Landsmann und musikalischen Bro im Geiste The Streets gibt’s einen älteren Klassiker. Und noch ein Talent von der Insel: Kate Tempest überzeugt mit freshen Beats und messerscharfen Lyrics – genau wie M.I.A. Die Crystal Fighters rufen zu einem ausgelassenen Dauerrausch auf. Damit liefern die Spanier sowas wie einen Spätsommer-Hit. July Talk betören mit ihren zweitsimmigen Refrains und unterlegen ihren Alternative Rock mit elektronischem Schnickschnack. Der Sound erinnert ein bisschen an Garbage – darauf „Fix Me Now“. Regina Spektor und Roisin Murphy setzen frische Akzente. Warpaint kommen auf ihrem „New Song“ ungewohnt poppig daher. Zum Schluss noch ein bisschen Drama von und mit Lady Gaga. Die countryesque Ballade macht neugierig aufs neue Album – mich zumindest.

Ursi
Mit Schrecken hab ich festgestellt: Es ist nur noch ein Monat bis zur Wahl in den USA! Orange Fuchur ist unser aller Alptraum und ich hab jetzt schon Sorge, dass jeder meiner Morgen bis zum 8. November (und bitte nicht auch noch danach) mit neuen Gruselschlagzeilen beginnt. Berufskrankheit: Ich bin studierte Amerikanistin. Jaja, die Witze könnt ihr euch sparen, ich hab alle schon gehört. Gehört wird stattdessen diesen Monat Musik, die auch mit politischen Ansichten nicht hinterm Berg hält: The Clash singen „Stay Free“ und Rancid predigen das ewige Mantra „Hinfallen – Aufstehen – Weitermachen“. Die ultraschlauen Descendents definieren immer noch unerreicht den “ ‚Merican“ und Against Me! und Deap Vally sind ebenfalls With Her. Weil mit wem auch sonst? Weiter geht’s mit einem Klassiker von den Queens Of The Stone Age und ganz neuem Scheiß von den Sleaford Mods.
Neues von den Pixies,  nochmal Amerikanisches von Jimmy Eat World, deren Konzert im Ampere immer wieder vor meinem inneren Auge abläuft, bevor es dann etwas trist wird: Bruce Springsteen singt von „Atlantic City“, in dem ein gewisser oranger Immobilien-Mogul sein Unwesen bis zum Äußersten trieb. Radioheads „Present Tense“, „Chemicals“ von The Notwist und Altes von The Cure (Vorfreude auf das Konzert!) komplettieren meinen Soundtrack für den Oktober. ),

Kerstin
Der allgemeine Alarmmonat Oktober wird auch dieses Jahr wieder im Fast Forward-Modus an uns vorbei rauschen, umso wichtiger manchmal inne zu halten und ein bisschen guter Musik zu lauschen.
Nice As Fuck heißt das neue Bandprojekt von Jenny Lewis und die Ladies, die sich merklich nach Blondie anhören, machen den Anfang mit „Door“. Gefolgt von Frankreichs Liebling der Stunde, Héloïse Letissier alias Christine And The Queens. Mit echt poppigem Pop tu ich mir ja nicht immer ganz so leicht, aber bei dieser tanzenden Chanteuse klickt irgendwas. Soul-Gewalt Charles Bradley, der nach jahrelangem Schaffen als James Brown-Imitator mit gut 60 Jahren seine eigene musikalische Karriere gestartet hat, reiht sich an Caspers düster-pompöse Ouvertüre zum kommenden (verschobenen) Album. „Lang Lebe der Tod“ klebt nach einer famosen Vorstellung in der Muffathalle kürzlich wieder hartnäckig aber sehr willkommen im Gehörgang.
Sehr vielversprechend das bereits erschienene, neue Album von Touché Amoré (beherztes Geschrei trifft auf saftige Melodien), immer noch stark zwei ältere, mal smooth mal psychedelisch rockende Nummern von Dusted und Black Angels und in Sachen Thrice kommt mal wieder die brutal gute Major/Minor auf den Plattenteller. Die französisch-chilenische Rap-Maschine Ana Tijoux hat Nachschub (vielleicht wird mein Breaking Bad Hit „1977“ nun abgelöst) und DJ Shadow hat sich mit Run The Jewels zusammengetan und einen sehr beachtlich groovenden Song mit sehr sehenswertem Video fabriziert. Ebenfalls neue Lieder gibt es von unserem stets erfrischenden DIY-Punk Jeff Rosenstock (Steiler Albumvorbote!), RVIVR-Front-Lady Erica Freas (Sie kann’s akustisch einfach mindestens genauso gut und hat gleich eine komplette Platte eingespielt.) und Indie-Folk-Lichtgestalt Justin Vernon aka Bon Iver. Dazwischen mischen sich Elliott Smith, weil er immer noch fehlt, und Other Lives, die gleich mit zwei Songs vertreten sind im neuesten Travis Rice-/Red Bull-Snowboardspekatkel „The Fourth Phase“. In diesem Sinne, habt einen schönen Oktober und wachst schonmal die Brettln, weil Winter is Coming!

 

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