Jagwar Ma aus Australien veröffentlichten am 14. Oktober ihr Album „Every Now And Then“. Es ist Indie und gute Laune und Dance. Perfekt! Wir haben uns mit ihnen auf einer Dachterrasse unterhalten. Das lustigste Interview des Jahres im O-Ton.

slide_jagwarma

Jagwar Mas neues Album „Every Now And Then“ ist am 14. Oktober erschienen, zum Zeitpunkt des Interviews lief die erste Single daraus, „OB 1“, bei mir in Dauerrotation. Aber „OB1“ ist nicht der einzige Track, den man gut auf Heavy Rotation laufen lassen kann. „Every Now & Then“ ist voll von Gute-Laune-Hits. „Say What You Feel“ ist einer, in dem der Songtitel mantraartig immer wieder wiederholt wird, eingebettet von einer herrliche verträumten Klanglandschaft. „Loose Ends“ ist ein elektronischerer Song, während die zweite Single, „Give Me A Reason“ mit einem Keyboard-Hook eröffnet, der spätestens beim Einsetzen der minimalistischen Percussion zum Mitwackeln einlädt. Und genau das ist auch Sinn und Zweck, wenn man den Lyrics Glauben schenken darf: „Stomp our feet, clap our hands, move in different ways. Know how it feels to howl at the moon. Keep it open. Keep it loose.“

Es gibt Songs auf Jagwar Mas neuem Album, die eine höhere Dichtigkeit der musikalischen Elemente vorweisen: „Don’t Be So Hard“ oder „Ordinary“ etwa. Und dann zeichnet sich „Every Now And Then“ auch durch die für Jagwar Ma-typischen verträumten Melodien aus. „Batter Up“, „Don’t Make It Right“ mit seinen dschungelartigen Hintergrundgeräuschen oder auch der letzte Track „Colours of Paradise“ zählen hierzu. Verträumt bedeutet hier übrigens keinesfalls verschlafen, sondern einfach luftiger als manch anderer Song auf dem Album. Mein Lieblingssonf auf „Every Now And Then“ bleibt „OB1“, die perfekte Mischung aus verträumt und tanzbar über über fünf Minuten lang.

Von Pilzen, Ventilatoren und Zebras

Vor genau einem Monat fand das Reeperbahn Festival statt. Leicht abseits der Amüsiermeile, auf der anderen Seite des Heiliggeistfeldes, treffe ich an einem Freitagmittag Jono, Gabriel und Jack von Jagwar Ma auf der Dachterrasse des Bunkers. Mit Blick über Hamburg unterhalten wir uns – es wird das lustigste Interview des Jahres werden, aber das weiß ich natürlich noch nicht. Wir sprechen über das neue Album natürlich, Pilzesammeln und Zeitvertreib auf Tour.

Was darf man denn vom neuen Album erwarten?
Jack: Es ist als würden die gleichen Leute ein paar Jahre später eine Platte aufnehmen. Mit ein paar neuen Ideen, weil wir uns ja alle etwas verändert haben. Aber es ist die gleiche Band, das hört man sofort. Ihr werdet alle angenehm überrascht sein.
Gabriel: Es klingt bekannt und doch auch anders. Es ist besser als Sex. Zwischen elf und zwölf Tracks sind auf dem Album, aber wie definiert man schon Track – nur anhand einer Track-ID? Es ist wie mit dem Zebra: Ist es ein weißes Tier mit schwarzen Streifen oder ein schwarzes Tier mit weißen Streifen? Keiner weiß das. Apropos „Zebra“: Wir waren am vergangenen Mittwoch in einem Hotel, die hatten Polsterbezüge aus echtem Zebrafell! Überall war Leder und Fell. Aber das echte Verbrechen war, dass sie dann Missoni-Kissen mit Zebra-Print auf die Sessel und Sofas gelegt haben. Classic Clash.

Lasst uns mal über „OB1“ sprechen. Was bedeutet denn der Text? Geht es wirklich um einen Lebensabschnitt, in dem alles etwas ungewiss erscheint, verlorene Liebe und Loslassen, Roadtrips und… der Suche nach frischen Champignons?
Gabriel: Ja, irgendwie gehört das alles zusammen. Ich denke, als Songschreiber ist es schwierig, genau zu erklären, wie ein Text zustande kommt. Das ist wie wenn ein Psychiater sich selber analysieren sollte – das geht einfach nicht. Aber das mit den Champignons stimmt echt: Wir waren in dem Studio in Frankreich, in dem wir auch schon unser Debüt aufgenommen haben. Jono und ich waren oft im Wald unterwegs und haben Pilze gesammelt. Da kommt diese Idee mit dem Loslassen und einer Reise mit und in sich selbst her. Jack: Wir waren viel draußen und haben Pilze, echt nur essbare, gesucht. Wir hatten diese alte Buch mit teils verblichenen Illustrationen  von Pilzen in der Küche. Weil die Zeichnungen so ausgeblichen waren, konnte man ab und zu nicht sicher sein, ob dieser braune Pilz hochgiftig ist oder mit Knoblauch richtig gut schmeckt. Wir haben aber keine giftigen Pilze gegessen, denn wir sind zum Glück ja alle hier.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Ihr habt also wieder im gleichen Studio aufgenommen?
Gabriel: Ja, man muss sich dieses Studio als stetig veränderbares Ding vorstellen, wie einen Organismus. Es ist schwer zu beschreiben. Wir waren ungefähr fünf Monate dort. Diesmal hatten wir ein Ameisenproblem. Oder die Ameisen hatten ein Problem mit uns.
Jono: Jedenfalls waren die über Nacht plötzlich weg, das fanden wir sehr seltsam.

„Wer bei unseren Shows nicht lächelt, fliegt raus!“

Ihr spielt ja gerade ein paar Shows mit euren neuen Tracks. Läuft’s gut?
Gabriel: Ja, wir lieben das. Wir würden gern für eine Headline-Tour zurückkommen. Wir lieben es live zu spielen. Das beste am Tourleben ist das Reisen und neue Menschen zu treffen. Ich finde alles daran super. Ich finde es eher befremdlich, wenn Leute touren und dann sagen, dass sie das nicht mögen. Dann sollen sie es halt einfach nicht machen!
Jono: Wir gehen überall auf der Welt gern in kleine Supermärkte und schauen uns dort das Angebot an. Dann wissen wir, was den Leuten dort vor Ort wichtig ist.
Jack & Gabriel: Wenn wir auf Tour sind, brauchen wir eigentlich nix – nur uns gegenseitig. Ich habe gern einen Ventilator dabei. Manchmal versuchen wir Dinge an einen Ventilator zu werfen, sodass die dann in einem Mülleimer oder so landen. Wie ein Spiel zum Zeitvertreib.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Macht ihr auf eurem neuen Album immer noch psychedelisch-inspirierte Musik?
Ich hatte nie das Gefühl, dass wir das machen. Ich glaube, Psychedelic wird oft verwendet, wenn etwas nicht Hip-Hop oder nicht Techno ist. Aber nur weil etwas aus einer reichhaltigen Palette von Sounds und Melodie besteht oder soundtechnisch bunt ist, kann es noch nicht gleich Psychedelic sein. Psychedelic ist so viel mehr als nur Melodien, denen man auf die ein oder andere Weise Farbe zugibt. Die Lyrics machen das doch auch aus – denk mal an Jimi Hendrix und die „shiny metallic purple armour“! Das ist eine sehr psychedelische Songzeile, diese farbenreiche Bildsprache. Wir hingegen benutzen gar keine Farben in unseren Texten. Bei uns merkt man immer noch das Dub-Element, das vor allem Jono am Herzen liegt.

Und was gibt’s live bei euch zu sehen? Ich bin mir nämlich sicher, dass ihr nach Deutschland zurückkommt…
Viel tanzen. Viel lächeln. Wer nicht lächelt, fliegt raus. Wir hören dann mit der Show auf. Wir zwingen die Leute, eine gute Zeit zu haben. Das Publikum soll mitmachen! Wenn jemand nicht mitklatscht, holen wir ihn auf die Bühne.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Wie haltet ihr es mit Handys auf euren Shows?
Wir lesen immer wieder, dass Künstler sich für die ultimative Freiheit bei allem einsetzen und dann Handys und Handyfotos auf ihren Shows verbieten. Finden wir Quatsch! Sollen sie doch Bilder machen, kein Problem für uns. Manchmal sieht man sich die Handy-Aufnahmen von den Konzerten ja auch gern auf YouTube an. Es wäre störend, wenn jemand direkt vor deiner Nase sein Handys ganz still hoch hält, die ganze Zeit. Aber irgendwie ist die Linse ja doch nur ein weiteres Auge.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Es war mir ein Fest. Vielen Dank Jono, Gabriel und Jack von Jagwar Ma!

Foto: the music minutes