Am 9. November kommen die White Lies nach München und spielen sich in der Theaterfabrik durch ihre inzwischen vier Alben. Wer zum frühen Post-Punk und zum heutigen Neo New Wave-Sound der Briten tanzen will, sollte sich schnellstens um ein Ticket bemühen!

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Irgendwie so ähnlich müssen die Achtziger geklungen haben. In der Zeit, in der ich vor allem Bibi Blocksberg gehört habe, waren die Menschen verzückt vom düster-discoartigen Sound von Joy Division und Tears For Fears. Die alltägliche Tristesse, gerade die im Thatcher-gebeutelten England der späten siebziger und kompletten achtziger Jahre, in New Wave-Songs verpackt, zu denen man tanzen kann und die nicht so aggressiv und zornig waren wie Punk. Die White Lies aus London ließen sich von genau dieser New Wave-Ära prägen und nunja, spätestens seit dem Brexit scheint in Großbritannien auch nicht mehr jedem die Sonne aus den Ohren. Welcome back, Tristesse!

Jene Traurigkeit, Ernsthaftigkeit und Melancholie lässt die Songs der White Lies zu etwas Besonderem werden: Die Texte sprudeln grad nicht vor Fröhlichkeit, sie sind eher auf der ernsthafteren Seite des Lebens angesiedelt. Nichts passt dazu besser als die dunkel-klare Stimme von Sänger Harry McVeigh. Erst vor einem Monat haben die White Lies ihr neues Album „Friends“ veröffentlicht. Nach „To Lose My Life…“, „Ritual“ und „Big TV“ ein Werk, das sie zeitweise in den Keyboard-Synthie-Rausch verfallen lässt. Aber keine Sorge, die Briten bekommen immer wieder die Kurve und setzen der Keyboard-Orgie fetzige Gitarrenriffs entgegen.

Man muss den Wave-Sound schön mögen, sonst kommt man auf die White Lies nicht so gut klar: Es gibt manchmal Synthie-Klangwelten, die eine große Halle einnehmen und den Zuhörer vielleicht erschlagen können. Die Wiederholung der Refrains, um die sich in den Songs alles dreht, ist manchmal fast ein Mantra und zugegebenermaßen nicht jedermanns Sache. Fest steht jedenfalls: Vom Post-Punk ihrer frühen Jahre haben sie sich endgültig verabschiedet, jetzt wird durchgehend Achtziger-Party gefeiert.

Von Post-Punk zu Neo New Wave

Ich persönlich pflege eine gewisse Eighties-Synthie-Keyboard-Aversion, deswegen schnitt das letzte Album der White Lies,  „Big TV„, bei mir nicht mit Bestnote ab. Allerdings ist das Debüt der Briten unbestritten voll mit Hits: Einer meiner allerliebsten Songs nach 2 Uhr früh ist für immer „Death“ (und das hat rein gar nichts mit einem Horrorfilm zu tun) von jenem Debüt. Wenn McVeighs tiefe Stimme erklärt „I live on the right side and sleep on the left/ That’s why everything’s gotta be love or death“ möchte ich der Band aus Ealing in London für immer danken.

Ebenfalls einer der ganz großen Songs vom Debüt, in dem zwar die Synthies da waren, aber das Keyboard noch nicht so überpräsent: „Farewell to the Fairground“. Da wackelt man beim ersten Drumbeat mit und denkt spätestens bei der Keyboard-Line an Depeche Mode (ich zumindest). Großer Song, keine Frage. Vielleicht auch weil McVeigh einen fast schon anklägerischen Ton auffährt und seine Heimatstadt quasi richtig angeht. Und vermutlich, weil ab der zweiten Minute ein Wust aus Schlagzeug und Gitarre den Track bestimmt. Mehr Rock als Synthie-Keyboard.

Allerdings, und das gebe ich sehr gern zu, funktioniert sowohl das Achtziger-Synthie-Keyboard als auch die Eighties-Reminiszenz live hervorragend. Und der Erfolg gibt dieser gefeierten Band natürlich absolut recht: Live sind sie unberechenbar, mitreißend und eine Wucht. Die Mischung aus den alten Hits mit Gitarre und Wumms und den neuen Synthie-Nummern wird keinesfalls fad. Vermutlich wird das Konzert der White Lies mitunter deshalb eine Tanzeinlage par excellence und vielleicht auch ein bisschen emo-düster am 9. November in der Theaterfabrik. Denn everything has got to be love or death.

Tickets sind noch für 29€ im Handel zu erstehen, zum Beispiel hier oder hier.

Foto: Steve Gullick