Frightened Rabbit machen so schöne Indie-Musik wie ihre Heimat Schottland verregnet ist. Jetzt kommen sie mit ihrem aktuellen Album „Painting Of A Panic Attack“ auf Tour. Für Karten sollte man sich dringend beeilen.

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Der Opener „Death Dream“ beginnt ganz ruhig und sanft. Spätestens ab der zweiten Minute, wenn Sänger Scott Hutchison seinen Death Dream genauer erklärt, steigen einem Tränen in die Augen. Und das beim ersten Song! Es soll aber nicht der letzte sein. „Get Out“ lässt sich indie-rockiger als der epische, ja fast symphonische Opener an, Frightened Rabbit klingen nicht so verzweifelt und traurig, wie sie es in manchen ihrer besten Nummern tun. Natürlich geht es aber um Herzschmerz: „Get out of my heart“ bittet der Sänger da seine verflossene Liebe, die das natürlich nicht tut. Ganz solider, schöner feiner Indie-Rock ist auch „Break“, der wie „Get Out“ nicht ganz in moll daherkommt und bei dem die Betonung vor allem auf „Rock“ liegt. Zu ersten Single von „Painting Of A Panick Attack“ hat das Quintett aus Glasgow auch ein sehr stimmiges Video mitgeliefert.

Bei „I Wish I Was Sober“ spricht uns Frightened Rabbits Sänger Hutchison aus der Seele: „Ich trink nie wieder!“ würden wir vermutlich sagen. Der Song erzählt vom Rausch und vom Danach, vom moralischen und physischen Kater. Und wenn wir nach einer durchfeierten und durchtrunkenen Nacht noch so schöne Worte finden würden,  wir könnten uns glücklich schätzen. Wer den Song zum Auskatern gesucht hat, möge ihn hiermit gefunden haben –  inklusive kurzer, knackiger Ohooo-Chöre im Hintergrund. „Lump Street“ ist mein absoluter Favorit auf dem Album: Unfassbar, wie scheinbar leicht Frightened Rabbit einen Tempo-Wechsel mitten im Song hinbekommen! Wenn sie ansetzen zu „He’s a full-grown man/ no shoulder to cry on/ raised by wolves/ and they taught him to bite down hard/ … / She’s a Lump Street girl / with a blade in her brow/ raised by the state/ but they tore it all down“, dann habe ich das Gefühl, dass alles wird – man muss es nur machen.

Bei „Blood Under The Bridge“ werden kleine Streicher-Akzente gesetzt, bei „400 Bones“ singt sich Hutchison zu einem Piano und Geigen die Seele aus dem Leib, begeleitet von unglaublich akzentuierten und gut abgemischten Drums. „Die Like A Rich Boy“ bestreitet Hutchison fast allein mit einer Akustik-Gitarre, „A Lick of Piant“ als letzter Song der Deluxe-Version steht dem in nichts nach. Eine Gitarre, ein Chor und Hutchison mit seinen Abschiedsworten, die zum Ende hin immer lauter, eindringlicher werden. Frightened Rabbit geht es in ihrem Album darum, aus etwas Schrecklichem etwas Schönes zu machen. Aber hört und seht selbst, was Scott Hutchison erzählt:

Frightened Rabbit experimentieren auf manchen Tracks mit elektronischen Spielereien. Das klingt erst mal ungewohnt, funktioniert aber. Immer steht Scott Hutchisons Stimme im Vordergrund, immer scheinen seine Lyrics schwerelos über der Instrumentierung zu schweben. Die Texte der Schotten gehen immer noch mitten ins Herz: Sie singen von Heartbreak und Hangover, vom Sinn des Lebens und vom Durchhalten. Anders als auf den vorhergehenden Alben sind sie diesmal fast ironiefrei – dieser Tage lassen wir das durchgehen. „Painting of a Panic Attack“ ist eines der ganz großen Indie-Rock-Alben des Jahres 2016. Die Musik, die Texte und nicht zuletzt auch der manchmal unüberhörbare schottische Akzent von Frightened Rabbit sind dafür verantwortlich.

Dass die Rythmus-Sektion mehr Aufmerksamkeit erfährt als in manch anderer Band ist Scott Hutchisons Bruder Grant zu verdanken, der mit ihm die Band gründete und ausgebildeter Percussionist ist. An den Mischerreglern saß bei „Painting Of A Panic Attack“ diesmal übrigens Aaron Dessner von The National. Vielleicht klingen die Songs deshalb so wunderbar rund, wo wohlig-warm und so wie gemacht für den Herbst.

Jetzt die guten News zum Schluss: Frightened Rabbit sind diesen Monat auf Tour. ABER: Die Tickets werden knapp. Hier die Daten und die sehr dringende Empfehlung, sicher besser sofort um Tickets zu kümmern, zB. hier:

21. November – München, Ampere
22. November – Köln, Luxor
23. Novmeber – Berlin, Lido
27. November – Hamburg, Uebel & Gefährlich

Foto: PR