Hannah Georgas macht mal fetzigen, mal zerbrechlichen Indie an Piano oder Gitarre. Mit altem Material und ihrer neuen Platte „For Evelyn“ kommt die teils sensible und immer schlaue Kanadierin jetzt in die Stadt. Obacht: Heute nämlich schon! Ins Strom!

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Hanna Georgas hat irgendwann vor längerer Zeit, an der Schule nämlich, mit einem Bandmitglied der Kanada-Indie-Combo Arkells in einer Band gespielt. Da wurden die Wurzeln für ihre feinsinnigen Indie-Melodien herangezogen. Dann kam die die Uni und erste Auftritte allein, die Musik für einen Werbespot und erste Awards in ihrem Heimatland Kanada. So richtig ins Licht der Öffentlichkeit rückte das junge kanadische Musiktalent, als sie 2014 den letzten Song zum Staffelfinale von Lena Dunhams gefeierter Serie „Girls“ beisteuerte. Lena Dunham und ihre Show kann man jetzt mögen oder nicht – allerdings ist die begleitende Musikauswahl immer exzellent.

„Millions“ hieß der Track und er zeigt einmal mehr, was Hanna Georgas auf dem Kasten hat: Es ist Indie-Pop mit gescheit vielen F-Wörtern drin und in dem Song erzählt Georgas, dass sie ganz einfach einen Haufen Kohle verdienen will. You go, girl – solche brauchen wir! Wenn sie trällert „I wanna make a million bucks, wanna make my millions. My fear is a crutch, a little hell that I live in. If he can do it what the f*ck, how come I can’t?“ verpackt sie das alles in eine zuckersüße Melodie, sodass man erst einen Moment später realisiert, dass Hannah Georgas hier ein wirklich wichtiges Thema anspricht – und das hat nicht nur Lena Dunham erkannt.

Allerdings sind seit ihrem Songauftritt bei „Girls“ inzwischen zwei Jahre ins Land gezogen. Jetzt hat die Musikerin aus Vancouver ein neues Album, „For Evelyn“, veröffentlicht. Und nicht nur sie selbst ist gewachsen, sondern auch ihre Musik: Mit einem Bläser-Set wird im Song „Rideback“ die Platte eröffnet, erst spät kommt ein dezenter Beat dazu, aber alles wird umwoben von Hannah Georgas Stimme, die ganz offen ihre Zweifel kundtut, wenn sie singt „What if the best times are all up?/ What if it’s just the ride back now?“ Es gibt nur zwei Strophen und einen Refrain, allerdings ein immerwiederkehrendes Motto, das in diesem Lied gerade vom Saxophon übernommen wird. „Don’t Go“ ist die erste Single des Albums, das sie im Übrigen ihrer 98 Jahre alten Großmutter gewidmet hat. In dem Lied stellt sie sich und ihre Stimme in den Vordergrund. Dazu gibt es ein Video, das in schwer verspulter Achtziger-Schwarz-Weiß-Ästhetik daherkommt:

Hannah Georgas beherrscht die Kunst der Verwandlung: Wenn in einem Song“Evelyn“ kühle Keyboard-Beats angesagt sind, heißt das nicht, dass das bei mindestens einem weiteren auf dem Album so sein muss. Die Instrumentierung bei „Waste“ erinnert fast schon an Peter Gabriel mit ihrem Eighties-Ambiente, bevor sie dann bei „Walls“ die ruhigen Facetten ihrer Stimme komplett hervorbringt und zu zaghaften Synthies und einem Piano singt. Es hört sich so nah und vertraut an, als stünde sie im Zimmer neben uns. Diese drei Songs sind nur ein Beispiel für die Vielfältigkeit der Hannah Georgas. Dass die drei Tracks auf „For Evelyn“ direkt hintereinander vorkommen, ist nur ein weiteres Zeugnis für die Spannung, die die Kanadierin aufbauen kann.

Ha, und natürlich mag ich Hannah Georgas, weil sie einen Song nach den beiden Wörtern benannt hat, die ich vermutlich am öftesten in meiner Umwelt sage: „Crazy Shit“. Und ja, ich kann mich durchaus auch mit ihren Lyrics identifizieren. „For Evelyn“ ist ein sehr vielschichtiges und abwechslungsreiches Album geworden, das nur einmal mehr und in Kombination mit seinen Vorläufern „The Beat Stuff“, „This Is Good“ und „Hannah Georgas“ zeigt, dass Hannah Georgas eine der spannendsten Musikerin der Weiten Kanadas ist.

Hannah Georgas live in München

Sie kann Bubblegum-Indie-Pop mit ernsten Themen, sie kann düstere Tracks mit reduzierten Beats. Gerade in ihren frühen Songs klingt sie wie die Großmeisterin der Piano-Indie-Mucke, die von Frauen geschrieben und performt wird: Regina Spektor. Und ihre aktuellen Songs? Ja, da klingt sie wie Hannah Georgas. Eine, die sich traut, die mischt und die macht, was sie sehr gut kann. Und mit all ihrem Können kommt sie jetzt auf Tour. Und zwar heute. Ja, heute! Kurz und schmerzlos:

Hannah Georgas spielt am heutigen 15. November im Strom in der Lindwurmstraße 88. Los geht’s um 20.30 Uhr und die Tickets kosten 15 Uhr + VVK.