Gute vier Jahre mussten wir warten, jetzt legen die Japandroids mit neuem Material nach: „Near To The Wild Heart Of Life“ heißt die neue Platte. Das Warten hat sich gelohnt – auch wenn sie inzwischen ein klein wenig sanfter geworden sind.

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Im August 2012 waren zwei von uns drei im Kino, in „Promehteus“, diesem Film, der angeblich was mit „Alien“ zu tun hat. „Hör mal Japandroids an, die kommen ins Feierwerk“, rief man sich zum Schluss zu. Vier Wochen später standen wir dann vor dem Feierwerk und warteten zwischen den Vorbands Crocodiles und Dirty Beaches auf das Duo aus Vancouver. Wir überlegten, wieso nicht alle Welt diese Band kennt und dass man da eigentlich was tun müsste. Ein Blog? – Ja, vielleicht. Ende vom Lied: In dieser Septembernacht (und einigen Abenden am Eckplatz eines Tresens später) wurde die Idee zu The Music Minutes geboren. Deshalb ist die Freude umso größer, dass die Band, die uns zu all dem hier angestiftet hat, ein neues Album herausbringt.

Die Japandroids waren 2012 meine persönliche Neuentdeckung des Jahres. Ich hatte eine Band vermisst, die soliden, manchmal brachial lauten Alternative Rock spielt. Wenn ich heute die ersten Takte ihrer Single „The House That Heaven Built“ höre, freue ich mich wie damals im Sommer 2012. Was für eine großartige Band, was für ein cooles Duo, was für eine Vollgas-Nummer. Vom neuen Album gab es bereits zwei vielversprechende Vorab-Singles zu hören und jawoll, die klangen wirklich wie Musik in meinen Ohren.

Der titelgebende Track, „Near To The Wild Heart Of Life“ war die erste Single: 28 Sekunden lang trommelt David Prowse da schnell vor sich hin, bevor überhaupt erst Brian Kings Gitarre einsetzt und dann singt er im Refrain „It got me all fired up/ to go far away“ – vielleicht schon die Schlüssel-Textzeile zum neuen Album. Es gibt die schönen Mitsingchöre, die „Celebration Rock“ zu dem großartigen Album für noch großartigere Live-Shows machten. Auf der zweiten Single, „No Known Drink or Drug“ liefern sie sogar einen „Shalalalala“-Chor mit. Perfekt!

Zurück zu besagter Schlüssel-Textzeile: Die Japandroids sind in die Welt hinaus gegangen, um wieder nach Vancouver zurückzukehren. In „North East South West“ besingen sie ihre Tourtage und landen am Schluss wieder wo? Genau, daheim. „True Love And A Free Life Of Free Will“ ist der Song, den ich am liebsten mag: Die Drums klingen richtig epochal, weil sie leicht gegen den Takt sind, und Brian King singt von Freiheit und Liebe. Die Japandroids wagen auch Neues: „Arc of Bar“ sticht auf diesem Album nicht nur wegen seiner über siebenminütigen Spielzeit hervor, sondern auch wegen der elektronischen Basteleien. Klingt stimmig, hätte man so aber auch nicht erwartet. Und vielleicht auch nicht gebraucht.

„In A Body Like A Grave“ geht es schließlich wieder um das Verlassen des wohlbekannten Zuhauses. Und Herrgott, das Lied ist fast wie eine Hymne, gespickt mit schlauen Sprüchen. Allein deswegen hat sich das lange Warten auf dieses Album gelohnt. Wenn dieser letzte Song nicht von den Japandroids käme, wäre er wahrscheinlich schnulzig. Aber das Vancouver-Power-Duo macht halt schon auch die richtige Menge Radau, die das Schmalzige wegfegt.

„Near To The Wild Heart Of Life“ von den Japandroids macht seine ganze Spielzeit, etwa 35 Minuten, wahnsinnig viel Spaß. Die Platte klingt sauberer und cleaner produziert als „Celebration Rock“. Die Songs drehen sich auch mehr ums Erwachsenwerden und den durch „Celebration Rock“ erlangten Erfolg. Aber all das hört sich immer noch super an. Manchmal einfasch, aber immer einfach super, vermutlich nicht zuletzt wegen der „Ohohohohooos“ und „Nanananas“, die sich immer noch standardmäßig durch die Songs ziehen. Manche kreiden King und Prowse Schwächen im Songwriting an; ich denke, mit mancher einfachen Zeile kann man sehr gut leben.

Japandroids auf Tour in Deustchland

Die Japandroids kommen auch auf Tour, nur leider nicht nach München. Aber hey, wollten nicht schon alle mal wieder den Konzerte-Tourismus ankurbeln? Eben, deswegen sind hier die Daten:

19. April 2017 – Hamburg, Uebel & Gefährlich
20. April 2017 – Köln, Gebäude 9
22. April 2017 – Berlin, Columbia Theater
23. April 2017 – Frankfurt, Zoom

Falls es jetzt, seit 2012, immer noch nicht alle mitbekommen haben sollten: Die Japandroids sind eine verdammt coole Band aus Vancouver, die zu zweit so viel guten Lärm machen, wie alle Menschen zum Überleben brauchen. Schnappt euch eure Freunde, geht zu den Konzerten und prostet diesem Duo zu. Hoch lebe der Zweimann-Rock’n’Roll!

„Near To The Wild Heart Of Life“ von den Japandroids ist am 27. Januar 2017 bei ANTI-Records erschienen.

Foto: Camile Christen