Vergangenen Freitag erschien „Terrible Human Beings“ von The Orwells. Was für ein Glück, dass sie keine drei Tage später damit in München im Strom vorbeischauen. Man darf sich auf eine wilde Rockshow freuen und damit auch gleich vergessen, dass Montag ist. Wir empfehlen unbedingt einen Besuch!

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Wochenstart. Montag. Meh. Aber Abhilfe für einen großartigen Start in diese letzte Februarwoche kommt aus Chicago: The Orwells sind zu Gast im Strom. Deren neustes Werk „Terrible Human Beings“ erschien letzte Woche und da hören wir gern mal genauer hin:

The Orwells liefern da eine solide Rockscheibe ab. Ohne Indie-Geplänkel, sondern ganz gerade heraus. Eine Kunst dieser Tage. Das Quintett aus der Nähe von Chicago macht seit 2009 gemeinsam Musik, da waren die Burschen noch in der neunten Klasse. In ihrer Pressemitteilung werden ihre Songs mit „I Just Wanna Be Your Dog“ von den Stooges und „Monkey Gone To Heaven“ von den Pixies verglichen: Songs, die einen gleichermaßen unbehaglich, aber auch hungrig auf mehr machen würden. Noch dazu Songs von den wirklich ganz Großen. Unbehaglich fühlt sich das alles für mich nicht an, so viel schon einmal vorab. Es passt alles zueinander.

“We wanted to make songs that at their core are catchy and pretty, then slash them up,” verrät der Sänger Mario Cuomo. Der Track „Hippie Soldier“ hat zum Beispiel eine catchy bis nervige, weil sehr hohe Backing Vocals-Melodie, von der aber gegen Ende nicht mehr viel übrig bleibt. Stichwort: Fetziger Gitarren-Radau! Es geht um einen Mann, der langsam, aber sicher den Verstand verliert. Passt also. Die Herkunft des Album-Openers „They Put a Body In The Bayou“ ist The Orwells selbst inzwischen ein Rätsel, fest steht jedoch, dass damit die Reise zu „Terrible Human Beings“ losging: Es war der erste Song und es ist der Track, von dem alles andere ausgeht und miteinander korreliert.

Von denen die auszogen, um Musik zu machen

Aber woher kommt denn die Inspiration für so ein Gesamtkunstwerk, das von einer Enthauptung  („Heavy Head“) bis der Verbeugung vor dem Frontmann der Pixies („Black Francis“) alle Bereiche des täglichen Lebens abdeckt? Filme, eh klar! „Last Exit To Brooklyn“ und „It Follows“ hätten Songschreiber Cuomo inspiriert und bei seiner kreativen Entwicklung unterstützt. Deswegen sind die Texte manchmal auch verspult und die Songs eingependelt zwischen Mitsing-Chorus und wildem Gitarren-Hook.

„Terrible Human Beings“ wurde von The Orwells anders geschrieben und auch aufgenommen als ihre Vorgänger-Platten „Remeber When“ und „Disgraceland“: Sie waren, anders als bisher, nicht mehr in der Schule, sondern waren u.a. mit den Arctic Monkeys auf Nordamerika-Tour. Noch dazu sind sie dem Vorort entflohen und in ein Loft in Chicago gezogen. Dieses Loft lässt The Orwells auch ihrem zweiten großen Hobby neben der Musik nachgehen: Skateboarden. Sänger Mario Cuomo hat kurzerhand eine Skate Ramp mit in das Loft installiert, das inzwischen den schönen und treffenden Namen „The Compound“ trägt. Kaum in die Traum-Butze eingezogen, begannen sie mit den Songs für „Terrible Human Beings“: Erst zwei Akustik-Gitarren und Melodien, dann, Stück für Stück, Refrains, ausgefeilte Texte und Drums. Ein Skelett, um das man einen kompletten Track herum baut.

Verbeugung vor den Pixies

Es hat sich gelohnt. In einem Monat nahmen The Orwells „Terrible Human Beings“ in Chicago auf, als Produzent stand ihnen zum wiederholten Mal Jim Abbiss zur Seite, der auch schon an Songs von Kasabian und den Arctic Monkeys geschraubt hat. Sie hätten viel Pixies gehört während der Aufnahmen und Arbeiten zum Album, erzählt Gitarrist Matt O’Keefe. Und wie bei den Pixies sind die Songs von The Orwells nicht über-fancy, sondern simpel, aber geradeheraus und gerade deswegen sehr, sehr gut. Oder wie es O’Keefe sagt:

We’ve always been a simple band, but this time it was about trying to keep everything straightforward, nothing flashy.

Herausgekommen ist ein solides, saugutes Album. Zum Mitsingen und Mitwackeln. Und vor allem heute zum Vergessen, dass erst Montag ist, denn The Orwells spielen in München auf. Deswegen: The Orwells laden zu einem vermutlich gar nicht gediegenen Montagskonzert am 20.02. im Strom. Es lohnt sich, denn das Quintett hat einen Ruf als hervorragende Live-Band. Am 21.Februar sind sie in Berlin und am 22. Februar in Köln zu Gast.

„Terrible Human Beings“ von The Orwells ist am 17. Februar 2017 bei Atlantic/ Warner Music erschienen.