Dave Hause hat ein neues, funkelndes Americana-Folk-Rock-Album veröffentlicht. „Bury Me In Philly“ heißt das und wir freuen uns ein Loch in den Bauch, dass er es bei seiner Show am 7. März in München auch dabeihaben wird. Die präsentiert noch mal wer? – Genau, wir! Vorfreude: riesig!

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Sonderlich viel wusste man nicht über Dave Hauses drittes Album. Dass es „Bury Me In Philly“ heißen wird und dass es im Februar erscheinen sollte. „With You“ war die erste Single und die ging mehr als gut ins Ohr. Vielleicht weil der Revival Tour-Alumni da schon was sang von „I want the next thirty minutes to feel like a f*cking crime“. Das gefällt! Dass er mal in der Punkband The Loved Ones mit am Start und am Mikro war, kann man nicht überhören: Dave Hause gibt von Minute eins an Vollgas. Ein Klavier, das uns an Frank Turners „Peggy Sang The Blues“ erinnert und ein Up-Tempo-Beat, der vor Optimismus nur so strahlt.

Optimismus trifft’s bei Dave Hause immer ganz gut: Wirtschaftliche Probleme und Ungerechtigkeiten hat er auf seinem letzten Album „Devour“ angeklagt, jetzt ist die Zeit des Jammerns vorbei – aufstehen und weitermachen lautet die Devise. Deswegen macht es sowohl Sinn als auch Spaß, wenn er schon im Album-Opener „Oh, ache with me and I’ll ache with you“ singt. Genau, wir sind in all dem Schlamassel gemeinsam So let’s get it on! Optimistisch gehts auch weiter: „The Flinch“ erzählt von einer eigentlich auch ur-bairischen Art: „Scheiß da nix, dann feid da nix“. Eine Weisheit, an der wir uns viel öfter orientieren sollten: Zurückzucken hilft nix, nicht an einem schlechten Tag, nicht wenn die Traumfrau zur Tür reinkommt und man sich aufraffen muss, davon hat keiner was. Begleitet wird der Up-Tempo-Track nicht nur kurzzeitig von einem Chor, sondern auch von einer 1a-Rock-Gitarre. So hört sich gute Laune im Jahr 2017 an.

„My Mistake“ ist ein fettes Rock-Anthem, das dank Dave Hauses Stimme nicht ganz nach Stadion klingt, aber schön nach einer Bar mit verschüttetem Bier und Nüsschen in einer Schale. Spätestens bei diesem dritten Song auf „Bury Me In Philly“ merkt man, dass Dave Hause Musik für eine breite Masse macht: Ganz in der Tradition von amerikanischen Rock-Bands verwendet er einen klaren Rhythmus, catchy Refrains und singt Texte, mit denen sich jeder identifizieren kann. Dave Hause ist ein Mann des Volkes, immer noch.

Kantiger wird Dave Hause bei seinen Songs „The Mermaid“, „Wild Love“ und „The Ride“: Die sind zwar insgesamt auch schön eingespielt zwischen Rock, Americana und Folk-Pop, allerdings nicht so einfach mitzusingen und gerade in „Wild Love“ hört man ihn, den zweifelnden, sensiblen Dave Hause. Den, der auf diesem Album ja eigentlich so optimistisch ist. Großartig ist „Helluva Home“ und das nicht nur, weil Dave Hause hier die Mundharmonika herausholt. Mit „Bury Me In Philly“ endet die gleichnamige Platte: Hier singt der Punk Dave Hause seine eigene Eulogy, sein „Bury Me In Philly When I Die“.

Dave Hauses „Bury Me In Philly“ klingt wie eine Liebeserklärung an seine Heimatstadt und vielleicht ist es das auch. Was der Amerikaner auf seinen letzten beiden Alben geschafft hat, gelingt ihm auch diesmal: Er zeichnet einen Status Quo seiner Heimat.  Dave Hause ist in Pennsylvania, in Philadelphia so tief verwurzelt, dass er vermutlich tagelang von „seiner“ Stadt erzählen könnte. Man sieht die Bars und ihre Besucher vor einem inneren Auge: Die Männer samt ihren Frauen, die tagein, tagaus einen ehrlichen, einfachen und gleichzeitig guten Job abliefern, um ihrer Version des „American Dreams“ ein bisschen näher zu kommen.

Dave Hause macht Songs für alle

Manchmal sind Dave Hause Songs etwas von Pathos geschwängert, „Shaky Jesus“, ist so einer. Ab und zu klingt er nach dem Rock, wie man ihn auf amerikanischen Radiosendern finden kann. Aber dann macht Dave Hause seinen Zuschauern einen Strich durch die Rechnung und will sich nicht einordnen lassen: Manche Songs klingen, wie wenn sie mit Frank Turner  gemeinsam geschrieben wurden und manche als ob das Revival Tour-Mastermind Chuck Ragan federführend gewesen wäre. „Bury Me In Philly“ ist eine tolle Platte geworden, die von einem Amerika erzählt, das nicht gespalten ist, sondern in dem jeder seinen Teil zur Gemeinschaft und Gesellschaft beiträgt. Unter den jungen Songschreibern gibt es vielleicht keinen, der sich der ur-amerikanischen Arbeiter-Mythen mehr annimmt als Dave Hause. Sein Leben oder das Leben, von dem er uns vorschwärmt, verpackt er in schmissige Songs, die weder den pathetischen Rock noch manchmal den augenzwinkernden Pop scheuen. Das ist die große Kunst: Ehrliche Songs schreiben. Und das beherrscht Dave Hause perfekt.

Dave Hause kommt mit seiner Band The Mermaid zu uns auf Tour. Seine Show am 7. März im Münchner Strom dürfen wir euch präsentieren und da freuen wir uns sehr. Alle anderen Daten findet ihr hier.

Foto: PR