Granada aus Graz kommen nach München. Und weil sie eine ganz fabelhafte Band sind, empfehlen wir jedem den Besuch des Konzerts am 8. März im Hansa39. Wir haben uns im tiefsten Winter bei Ingwertee mit Granada unterhalten – über die Südsee und Shows mit den Sportfreunden Stiller.

© Katharina Jessner, Granada

Geheimtipp sind die Burschen aus Graz eh keiner mehr. Aber weil sie wieder nach München kommen und diesmal nicht „nur“ als Vorband im ausverkauften Ampere oder mit den Sportfreunden Stiller spielen, möchten wir sie euch noch einmal ganz nah ans Herz legen. Damen und Herren: Geht zu Granada!

Wenn ihr mich fragt, haben Granada letztes Jahr den Sommerhit, halt, die Sommerhits geschrieben: Los ging’s mit diesem brutal fetzigem Ohrwurm von der „Piña Colada“. Vermutlich steht keiner von uns oder Granada auf den pappsüßen Drink mit Sahne, Ananas und Schirmchen, aber welches Getränk passt denn besser zum Sommer? Noch dazu haben Granada dazu ein absolut fabelhaftes Video ohne Schnitt gedreht, für das sie eigentlich gar keine Zeit mehr zum Drehen hatten, weil alles lang gedauert hat und noch ein Studioauftritt anstand und – schwupps – hat doch einfach alles wie am Schnürchen geklappt.

Apropos „wie am Schnürchen“: Bei Granada läuft’s insgesamt wie an besagtem Schnürchen. Ihre Debüt-Platte „Granada“ hat so viele Hits, dass man es kaum glauben kann. Sie nehmen sich selber (und auch die Welt) nicht so ganz ernst und es ist dieser verschmitzte Unterton, Herrgott natürlich der den Österreichern eigene Schmäh, der diese Band so großartig macht. Schmäh gepaart mit Pragmatismus: Es war ja irgendwie klar, dass diese fein austarierte, schlaue und schöne Mischung nur aus der Alpenrepublik kommen kann.

Granada: Der Soundtrack für alle Lebenslagen

Für den Film „Planet Ottakring“ haben Granada den Track „Ottakring“ aufgenommen, ein Liebeslied an diesen 16. Bezirk der Stadt Wien, „wo das Bitter so viel süßer schmeckt als irgendwo in Wien“ und wo das legendäre 16er-Blech, das Ottakringer-Dosenbier herkommt. Im weiteren Sinne geht es für Sänger Thomas Petritsch, der mit seinem Projekt „Effi“ schon sehr erfolgreich war, um „einen Mischbezirk in einer Stadt, der funktioniert.“ Zwischen Brauerei und Gürtel, Schanigärten und Brunnenmarkt tut sich ein ganzer kleiner Mikrokosmos auf, für den ein Liebeslied schon lang überfällig war. Für komplett alle Lebenslagen haben sie „Eh ok“ geschrieben. Man sollte sich diese zwei Wörter viel öfter ins Gedächtnis rufen, denn eigentlich is eh immer alles „eh ok“.

Abgesehen davon, dass bei Granada auf ihrem Debüt fast alle Songs gute Laune machen und einen nicht ruhig stehen oder sitzen lassen, stechen aber sogar noch welche hervor: „Spür die Sun“ ist so einer. Mundharmonika, Akkordeon und ein dermaßen positiver Text, dass er einen vermutlich aus dem tiefsten Loch reißen könnte. Live ist „Ka Feia“ eine Riesennummer, weil die ganze Band den Anfang gemeinsam singt und das Akkordeon auch anfangs den tragenden Part übernimmt. Gar nicht so wilden Rythmus gibt’s bei „Taubn im Glas“. Der Song lebt nämlich von Sänger Peters klarer Stimme. Und wenn dann bei den Konzerten am Schluss das ganze Publikum in einem Chor mitsingt und mitschnippt und mitwippt – ja, dann ist man glückselig. Absolut glückselig.

Aber nicht nur „Pina Colada“ erzählt uns was vom Sommer: „Palmen am Balkon“ war noch so ein Sommerhit letztes Jahr. Die Lieder von Granada leben neben ihrem mitreißenden Takt von den Texten: Thomas Petritsch kann wirklich stolz auf das sein, was er da gezaubert hat. Die Band macht aus den meist wunderbar poetischen Texten ganz hervorragende Popsongs: „Lieber gern als hier“ ist hierfür ein Paradestück. Und wenn „Wien wort auf di“ mit seiner Akkordeonbegleitung fast wie ein Chanson (und weniger wie das Original „Vienna“ von Billy Joel) klingt, dann ist das nur ein Grund mehr, sich vor dieser jungen, sympathischen Band zu verneigen.

Granada sind für die Bühnen (ob vor 50 Studenten wie bei einem Gig in Salzburg oder vor einer Masse von Menschen wie vor den Sportfreunde Stiller-Shows) gemacht. Sänger Thomas erklärt:

Es geht um die Stimmung und nicht die Masse an Menschen. Wenn es Spaß macht auf der Bühne und das dann auf das Publikum übergreift, ist es perfekt.

Südseeinsel oder Après-Ski?

Granada ist eine absolut großartige Band. Sie machen da was Neues, sie verlassen sich ganz auf das Können an ihren Instrumenten und brauchen keinen elektronische Unterstützung. Es handelt sich hier um eine Band, die akustisch im Kleinen genau so prima funktioniert wie mit aufgedrehten Verstärkern in einer großen Halle als Vorband der Sportfreunde Stiller etwa. Noch dazu haben sie so lebensnahe und liebenswerte Texte, dass man jedes einzelne Bandmitglied zum besten Freund haben will. Granada bedienen sich nicht an vorhandenem Liedgut, auch nicht am Wiener Lied wie manch andere deutschsprachige Band aus Wien, sondern sie machen etwas, an dem sich andere bedienen werden.

Zum Schluss noch die Frage nach dem Namen. Wieso Granada? „Naja, klingen tut der Name super und als wir das Internet nach einem Bandnamen durchstöbert haben, haben wir viele Austrozismen durchforstet. Im Endeffekt sind wir bei einer Bildersuche bei einem Ford Granada hängengeblieben, ein wirklich, wirklich schönes Auto und Granada ist auch eine schöne Stadt. Und das hat dann schon gepasst – mit dem Fernweh in den Songs, der Sehnsucht nach einem schönen und warmen Ort.“ Aber wie isses, wenn man sich als Österreicher entscheiden muss – Südsee oder Après-Ski? Schwierig, da spalten sich die Meinungen der Bandmitglieder. Aber macht nix, is eh ok. Eh ois, eh ok hoid.

Granada spielen am 8. März im Hansa39 auf dem Feierwerksgelände. Es gibt noch Karten, aber Obacht: Die Show wurde bereits vom Orangehouse hochverlegt. Das wird voll gut, deswegen nochmals die dringende Empfehlung: GEHT ZU GRANADA.

Foto: Katharina Jessner