Granada aus Graz haben allen Grund zu feiern: Die erste Headline-Show in München ausverkauft, das Publikum gut gelaunt und 450 Besucher und 5 Bandmitglieder tanzen zum „Escape-Song“ aus dem Hansa39.

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So sollen Konzerte sein: Die Band gut gelaunt (und gesünder als beim letzten Vorband-Slot im Dezember letzten Jahres), das Publikum sehr bunt gemischt und ebenfalls gut gelaunt und ein Set, das Band sowie Zuschauern sehr, sehr viel Freude bereitet. Im Vorprogramm hatten Granada ihren niederösterreichischen Kollegen Onk Lou im Gepäck, der mit Bandunterstützung Singer/Songwriter-Lieder zum besten gab. Manchmal erinnert ein bisschen an den frühen Frank Turner, manchmal an Jason Mraz, als der noch im Atomic Café aufgetreten ist. Jedenfalls macht er genau das, was mitunter auch Aufgabe einer Vorband sein soll: Er heizt an. Ziemlich gut sogar.

Zwischen Soundcheck und Konzert lösen Granada ein Versprechen ein: Weil sie im Dezember schlecht beinander waren und wir deswegen keinen Akustik-Song aufnehmen konnten, holen wir das jetzt nach. Danke vielmals!

Aber dann ist es auch um kurz vor 21.30 Uhr soweit: Thomas, Lukacz, Alexander, Jürgen und Roland kommen auf die Bühne, Granada legen los. „I sogs da glei“ ist der erste Song und schon da haben für Fünfe das Publikum: „Vielleicht für immer z’jung“ singt auch der Mittvierziger in der Reihe vor mir mit. „Spür die Sun“, der Doppelpack „Lang is her“/ „Ka Feia“, „Last Man Standing“ über das Wolferl und freilich „Pina Colada“: Die Zuschauer haben Bock und die Band auch. Abgesehen davon, dass keiner der Band von Halsschmerzen geplagt wird wie im Dezember, steht ihnen das Headliner-Dasein. Mindestens vier von fünf Granada-Mitgliedern singen mit und haben sichtlich Spaß auf der Bühne.

Bis zu ihrer Zugabe spielen sich Granada durch neun Songs ihres selbstbetitelten Debüts. Drei neue Songs legen sie noch dazu – den von dem Fakt, dass einem Geld keinen Freund kaufen kann, einen, der mir gerade partout nicht mehr einfallen will (Hilfe erbeten!) und dem vom Scheiß-Berlin.

Mittendrin erzählen vor allem Lukacz und vor allem Granadas Frontmann Thomas kleine Geschichten: Dass „Scheiß-Berlin“ keine Beleidigung an die Stadt als solches ist, sondern eher die Watschn an die Verflossene, die von Graz nach Berlin ziehen musste und dort wenanders kennengelernt hat. Dass die Sache von den „Tauben im Glas“, dem Song, bei dem Lukacz singt, was mit der Taubenzucht früher zu tun hat (ich zweifle das an!). Und dass bei ihrer ersten Show in München im Vorprogramm von Nina FIVA Sonnenberg diesen einen Song zum Schluss gespielt hätten, weil es so schön gepasst hätte: „Eh ok“. Und schon schwoft das ganze Hansa39 im Reggae-Rhythmus zu österreichischer Mundart mit.

Zugabe: Mehr von Wien, mehr von Ottakring, mehr Granada

Zur Zugabe kommen anfangs nur mehr Thomas und Alexander am Akkordeon auf die Bühne und einmal mehr wird einem klar, was diese Band unter anderem so besonders macht: Das Instrument, das wir alle eher mit Musikantenstadl und Berghütte als mit einer lässigen Pop-Band in Verbindung bringen – das Akkordeon. Die beiden stimmen ohne Mikro und Verstärker ihre Version von Billy Joels „Vienna“ an, „Wien wort auf di“ heißt die bei Granada. Das Publikum singt genau diesen einen Satz brav mit und überlässt sonst Thomas Petritsch und nur seiner Stimme das komplette Hansa39.

Aber Moment, da fehlen doch noch zwei Songs: „Ottakring“ und „Palmen am Balkon“. Vermutlich ist es den Bewohnern des 16. Gemeindebezirk Wiens samt seinem Dosenbier schleierhaft, wieso jeder inbrünstig die Hymne auf dieses Arbeiterviertel zwischen Brauerei und Wiener Wald mitsingt. Aber keiner beschreibt’s halt schöner als Granada: „Wo das Bitter soviel süßer schmeckt als irgendwo in Wien“. Dass es in Ottakring anders als im Rest der österreichischen Hauptstadt zugeht, wusste auch schon der Mundl Sackbauer in „Ein echter Wiener geht nicht unter“ in den siebziger Jahren

Im Jahr 2017 wissen das Granada. Und die spielen noch genau einen letzten Song an diesem Mittwochabend im Hansa39: „Palmen am Balkon“. Der letzte Takt verklingt, das Licht geht an und der Escape-Song von Rupert Holmes erklingt als Rausschmeißer, zu „If you like Pina Colada“ tanzt die Band von der Bühne. Damit endet die erste, wirklich fetzige und mehr als gelungene Headline-Show von Granada in München. Es wird sicher nicht die letzte sein.

Foto: the music minutes