Support Your Local Artists! Am kommenden Samstag spielt der Zuagroaste Xavier Darcy im Ampere. Nicht lang überlegen, einfach hingehen und einen kosmopolitischen leidenschaftlichen Musiker, den es nach München verschlagen hat, anschauen!

slide_xavierdarcy

Dass er inzwischen in München wohnt, merkt man Xavier Darcy nicht an. Wie auch – er singt in seiner Muttersprache, englisch. 22 Lenze zählt der Brite mit französischem Vater und englischer Mutter, zwei gelobte EPs hat er schon veröffentlicht und am 24. Februar ist sein Debüt „Darcy“ erschienen. Und in München wohnt er. München. Nicht Berlin. Wie kommts?

„Es war ein Zufall, dass ich hierher gezogen bin. Mein Vater bekam in München einen Job und wir sind als Familie vor zehn Jahren hierher gezogen. Ich hab hier mein Abi gemacht, danach bin ich kurz zurück in die Heimat England, um zu studieren. Das Studium hat mir aber nicht so getaugt und England auch nicht und dann zog es mich vor zweieinhalb Jahren zurück nach München. Und jetzt bin ich hier echt happy. “ Ha, eine bessere Antwort hätten wir jetzt auch nicht parat gehabt. Aber nur Lokalstolz heißt bei uns ja noch nix. Xavier Darcy sagt weiter über München: „Als Musikschaffender hat man es aufgrund der hohen Mieten mit dem Überleben in der Stadt nicht so einfach. Proberäume und Kreativflächen findet man hier nicht so leicht wie in anderen deutschen Städten. Gleichzeitig haben es Musiker einfach hier: Die Szene ist relativ klein und die Mediendichte groß. Es gibt viele Konzerte und Auftrittsmöglichkeiten in der Stadt und gerade weil nicht so viele Künstler [wie in Berlin z.B.] in München tätig sind, kann man sich relativ schnell in der Szene nach oben kämpfen, glaube ich.“

„Darcy“: Das Anti-Pop-Pop-Album

Dann hören wir mal, was „Darcy“ so zu bieten hat: „Burn The Suburbs Down“ ist ein 1a-Popsong, der gleichermaßen an Bruce Springsteen und fröhlichen The Cure erinnert. Das ist ein weiter Bogen, geht aber auf: Ein bisschen „Hungry Heart“ und „woah woah-ahhh“, ein bisschen Synthies – bäm, da ist der Eisbrecher-Song. Fun Fact: Xavier Darcy wohnte zu Beginn seiner München-Zeit auch in echt in der Vorstadt. Weiter auf der Platte: „Big City Dreams“ hat eine wilde Keyboard-Melodie und Drums wie live aus den Achtzigern. Man kann vielleicht heraushören, wen Xavier Darcy als Künstler selber neben dem Boss und der E-Street Band etwas verehrt: David Bowie.  Bei „Horizon“ hat man am Anfang ganz kurz die Sorge, ob Xavier Darcy in die Cloud Rap-Schiene abdriftet – viele Synthies! Aber der Song fängt sich recht schnell. Deutlicher als bei manchem anderen Track auf „Darcy“ wird hier klar, dass Xavier Darcy ohne seine Gitarre nicht kann: Sie ist fester Bestandteil seiner Songs und obwohl er nicht in die klassische Singer/Songwriter-Schiene passt, ist die Klampfe immer dabei. „Clean Monday“ bleibt als Gute-Laune-Song im Ohr und in „A Dreamer’s Requiem“ reizt Darcy das ganze Volumen seiner Stimme aus. Und es gibt auch noch die Stücke mit dem Piano wie „Last Days of Rome“. Mit seiner kraftvollen Stimme klingt Darcy in solchen Songs vielleicht auch immer ein wenig nach William McCarthy, dem früheren Frontmann der Augustines.

Darcy traut sich was: Nach Belieben werden Synthies und Achtziger-Beats, Mitsing-Refrains und ein Neunziger-Saxophon, Rock-Anleihen und Indie-Pfeifereien in die Songs gemischt. Lustig und tanzbar klingt das beim ersten Mal Hören. Nach Pop und allem, was Pop so eigen ist: Beschwingtheit, mitreißende Melodien, große Arrangements und Ohrwürmer. Bei Xavier Darcy lohnt es sich jedoch, genauer hinzuhören: So gut gelaunt wie die Songs klingen, sind die Texte nämlich oftmals nicht. Vom Erwachsenwerden heutzutage erzählt der Brite da, von den Problemen auf dem Weg in die Zwanziger, vom Ausziehen, Suchen und Finden. Es ist quasi ein Pop-Album mit gar nicht so poppigem Inhalt – vielleicht funktioniert es deshalb so gut.

Bisher wählte Xavier Darcy eher zurückhaltender Instrumentierung, bei seiner Debütplatte sucht er die großen Arrangements. Was darf man von ihm live erwarten? „Es gibt eine sechsköpfige Band mit Saxophon. Es wird groß! Auf der Platte haben wir uns nicht zurückgehalten und auf der Bühne tun wir das auch nicht. Es wird riesig, es wird eine fette Live-Show! Wir wollen, dass die Besucher Spaß haben und es gibt ständige Abwechslung – von ganz ruhig bis richtig, richtig fett: Wir haben alle Klangfarben im Set eingebaut.“ Gibt’s ein Live-Vorbild? „Ich wollte immer wie Bruce Springsteen meine E-Street Band finden“, so Darcy. „Eine Gruppe an Musikern, die nicht einfach eine normale Backing Band ist, sondern eine, die auch was zum Projekt beiträgt. Ich glaube, ich habe meine eigene E-Street Band gefunden!“

Dass der Wahlmünchner was auf dem Kasten hat, konnte man ja schon auf seinen EPs hören. Ob mit Unterstützung einer Band und diverser Instrumente wie auf „Darcy“ oder minimalistischer wie auf den EPs, Xavier Darcy ist Dreh- und Angelpunkt, seine Stimme sagt an, seine Gitarre gibt den Takt vor. Ab und zu klingt es mit Mundharmonika folkiger, ab und zu poppiger, immer unverstellt.

Wer jetzt Blut geleckt hat, hat Glück: Xavier Darcy ist mit seinem Debüt „Darcy“ auf Tour. Auf fünf Terminen kann man den Briten mit Wahlheimat München in Deutschland live erleben.

24.03.17 Frankfurt, Lotte Lindenberg
25.03.17 München, Ampere
27.03.17 Köln, Blue Shell
28.03.17 Berlin, Grüner Salon
29.03.17 Hamburg, Uebel & Gefährlich

Und natürlich legen wir euch seine München-Show besonders ans Herz. Er kommt aus unserer Stadt, er spielt hier – worauf also warten?

Foto: the music minutes