Klingt gar nicht nach Niederösterreich, ist aber von dort: Onk Lou mischt die Ösi-Mucke-Szene auf mit, man halt sich fest, englischsprachigen Songs. Klingt nach einem, der Bock hat, von seinem Leben und seinen Träumen zu erzählen. Zuhören lohnt sich. Für gute Laune und den Sommer.

© bernhard kaufmann

Onk Lou, gebürtiger Niederösterreicher, schwimmt offensichtlich leidenschaftlich gern gegen den Strom: Während wir grad alle zum Ösi-Sound von Voodoo Jürgens anstoßen und Granada unter den Plamen auf dem Balkon hören, schlägt der Onk Lou eine ganz andere Richtung ein: Er singt englisch, er singt sich die Seele aus dem Leib und Herrgott, es gibt sogar „Bababadadada“-Mitsing-Refrains! Aber von vorn.

Bereits vor einem Monat veröffentlichte Onk Lou sein Debüt. Woher der Name jetzt kommt, weiß ich auch nicht genau. Spielt aber auch keine Rolle. Vielleicht kommt er dem ein oder anderen hier bereits bekannt vor, denn er war auf der großteils ausverkauften Granada-Tour im Frühling deren Support. Und anheizen, ja, das kann er. Bemerkenswerterweise singt Onk Lou eben gerade nicht auf deutsch oder Mundart, sondern er singt wie ein gestandener internationaler Singer/Songwriter auf Englisch. Und bevor die Frage aufkommt: Nein, ohne österreichischen Akzent.

Von wegen Schwindel: 16 Songs für den Sommer auf „Bogus“

Auf „Bogus“ (dt. Schwindel) hat er mit seiner Band The Better Life Inc. insgesamt 16 Songs eingespielt wie sie besser zum Sommer nicht passen könnten: Die meisten haben eine leicht poppige Melodie, die Texte sind vom Unterwegssein und vom Daheimbleiben, von Hummeln im Hintern und den guten Seiten im wunderschönen Leben. Irgendwo zwischen dem sehr frühen Jason Mraz, Ezra Furman und Ben Kweller pendelt sich Onk Lou schließlich ein. Was ihn allerdings von allen dann wieder unterscheidet, sind die großen Refrains: Da bekommt er Sänger-Backup, da fetzt die Akustik-Gitarre im Schrammel-Modus, da haut er in „All In All“ völlig unvermittelt auch mal ein „Hakuna Matata“ raus.

In „In The Morning“ wippt man auch ganz unbewusst beim „Ohooooo“ mit und lässt den Tag vielleicht etwas entspannter angehen. Das Lied ist für den Sommer gemacht: Das Video hat Onk Lou auf Kuba gedreht und alles in diesen 3:33 Minuten sieht nach Urlaub aus. Bitte mehr davon in unseren Breitengraden.

Es gibt einen Song, von dessen Potenzial man sich bei seinen Opener-Shows für Granada schon überzeugen konnte: „A 1000 Voices“ funktioniert als ausgemachter Gute-Laune-Song. Und ja, bei den Konzerten wird da ein jeder quasi gezwungen mitzusingen. Völlig okay.

Schon klar, ich bin mit Herzblut auf den Ösi-Musik-Zug aufgesprungen: Bilderbuch. Granada. Immer und immer wieder und immer wieder gern. Aber es ist doch schön zu hören, dass es einen Herrn gibt, der sowohl mit Band als auch solo funktioniert, der sich eben gegen Mundart-Musik entscheidet. Und dann auch noch mindestens genauso gut klingt wie seine Kollegen in ihrem natürlichen Sprach-Habitat. Onk Lou macht Musik für’s Volk – die Melodien sind vielleicht nicht die allerausgeklügelsten, aber sie gehen jedem Zuhörer ins Ohr und ins Blut. Und um das geht es doch bei Musik prinzipiell, oder? Liebe und Leidenschaft.

Onk Lou live in München

Live kann man sich von Onk Lous Leidenschaft für die Musik hier ein Bild machen: Beim 24. Geburtstag des Muffatwerks spielt er am 22. Juli mit seinen Kollegen von Granada auf. Mitten im Sommer, wie passend also!

„Bogus“ von Onk Lou ist bereits am 28. April bei Karmarama erschienen.

Foto: Bernhard Kaufmann