Selbstbewusst, schön, erfolgreich – möchten wir nicht alle ein bisschen sein wie Beyoncé? Kein Problem! In 15 Schritten werden wir alle zur Pop-Wuchtbrumme. Was es dazu braucht? Ganz einfach: Die richtigen Moves, den richtigen Body – und Jay-Z.

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Breitbeinig stehen sie da, den rechten Arm kokett in der Hüfte angewinkelt. Vier starke, selbstbewusste Frauen. Vier Beyoncé-Lookalikes. In der Lecture Performance „Don’t Worry Be Yoncé“ zeigen vier Nachwuchstalente an den Münchner Kammerspielen in 15 Schritten, wie wir alle zu Beyoncé werden – und uns den amerikanischen Traum auch in Krisenzeiten erfüllen können. Ganz nebenbei streifen sie dabei aktuelle Themen wie Feminisums, Rassismus, Sexualität und Gender-Fragen.

In ihrem Song „Flawless“ aus dem Jahr 2013 singt Beyoncé selbstbewusst, ja fast arrogant: „I know when you were little girls, you dreamt of being in my world, don’t forget it don’t forget it, respect that, bow down bitches.” Ganz die Alpha-Diva, die absolute Herrscherin. Beyoncé hat alles, Beyoncé ist alles: Diva und Pop-Queen, aber auch Mutter, Geschäftsfrau und Feministin. Sie spielt mit vielen weiblichen Facetten.

Liberté, Egalité, Beyoncé

Den Grundstein legten R’n’B-Bands wie En Vogue, die sich bereits 1992 selbstbewusst als „black, beautiful, intelligent, well structured and strong“ bezeichneten. Girlbands wie TLC folgten. Und dann kamen Destiny’s Child – Beyoncé, Kelly und, äh, Nicht-Kelly.

Seit ihren Anfängen mit der weltweit erfolgreichen Girlgroup wurde die heute 35-jährige Beyoncé Giselle Knowles-Carter zum Überstar und Idol unzähliger Mädchen. Dabei inszenierte sie sich stets als selbstbewusste, unbezwingbare Kämpferin und spielte dabei mit Clichés und weiblichen Rollenbildern. In ihrem Song „Flawless“ kommt auch die Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie zu Wort: „We teach girls to shrink themselves, to make themselves smaller. We say to girls ‚You can have ambition, but not too much, you should aim to be successful, but not too successful, otherwise you will threaten the man“. Aus der Königin wird plötzlich eine Rebellin: „Liberté, Egalité, Beyoncé“, so der Schlachtruf an den Münchner Kammerspielen.

„Don’t Worry Be Yoncé“ ist die Abschlussinszenierung von Stephanie van Batum an der Otto-Falckenberg-Schule. Die niederländische Regiestudentin prescht zusammen mit ihren Schauspiel-Kolleginnen Henrike Commichau, Stacyian Jackson und Mona Vojacek Koper über die Bühne, die wiederum von Florian Schaumberger in einen real gewordenen Videoclip verwandelt wurde. Kostümbildnerin Bettina Kirmair verpasste den vier Darstellerinnen je einen der ikonischen Looks des Superstars, Choreograf Volker Michl brachte den Ladies die nötigen Moves bei – und hey, ein Twerk ist im Vergleich zu Beyoncés Monster-Auftritten ein Kinderspiel.

In 15 Schritten zum Beyoncé-Bachelor: Angefangen vom gestählten „Body“ über die „Voice“ bis hin zu ihren devoten Fans, dem Beyhive und ihrem Ehemann Jay-Z. Vor allem Beyoncés jüngstes, sechstes Studioalbum, das vermeintlich sehr persönliche und gleichzeitig politische „Lemonade„, wird immer wieder zitiert. Zudem erfährt der Zuschauer einige Random Facts über den Superstar, wie etwa, dass die 4 ihre Glückszahl ist. Ist notiert.

Aus dem anfgänglichen Bootcamp entwickelt sich während eineinhalb Stunden ein unterhaltsamer Diskurs über Aktivisten und Ass-Shaker, Plagiate und unvorteilhafte Pressefotos, Bissigkeit, Ethnizität, Lena-Dunham-Feminismus, Black Lives Matter und Rassismus bis hin zum Umgang mit der eigenen Sexualität. Mit Humor nähert sich die Inszenierung durchaus ernsten Themen, kratzt dabei aber manchmal lediglich an der Oberfläche. Was bleibt ist vor allem die beeindruckende Show. Keine Frage, diese Oberschenkel können Männer wie Wassermelonen zerquetschen.

Man mag von Beyoncés Omnipärsenz und ihrem Geschäftssinn inklusive der Vermarktung ihres Privatlebens, halten, was man will. Auch ihr Umgang mit dem Urheberrecht ist manchmal fragwürdig. So hat sie sich für ihr „Lemonade“-Video u.a. von der Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist, nun ja, inspirieren lassen. Aber hey, sie ist Beyoncé, der größte Popstar des Planeten. Und sind wir nicht alle ein bisschen Beyoncé?

Premiere feierte die Inszenierung am 17. Mai, am 31. Mai fällt leider bereits der letzte Vorhang. Die Vorstellung ist zwar ausverkauft, aber mit etwas Glück kriegt ihr noch Karten an der Abendkasse. Los geht’s um 20 Uhr.

Fotos: Josef Beyer