Sommer und Kino passen nicht zusammen? In Ausnahmefällen schon: Charlize Theron ist in „Atomic Blonde“ die coolste Agentin aller Zeiten und hat einen gut gelaunten Komplizen: einen fetzigen Soundtrack mit 80er-Snythies und Klassikern aus dem Jahr 1989.

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Es ist Sommer, das merkt man nicht nur bei uns und unserer relativen Bloggerei-Trägheit und den Temperaturen, die einfach eher nach Isarbier als abendlicher Runde am Schreibtisch sind. Man merkt auch, dass Sommer ist, wenn man sich das Kino-Programm anschaut: Die schlechten Filme kommen. Eine Ausnahme ist da neben „War for the Planet of the Apes“ und „Dunkirk“ der neue Charlize Theron-Streifen „Atomic Blonde“. Der glänzt nämlich nicht nur mit einer wirklich knallharten weiblichen Agentin, sondern auch einem Spitzen-Soundtrack.

Der Plot von „Atomic Blonde“ ist schnell erzählt: Charlize Theron wird als britische Geheimagentin mit Lizenz zum Töten nach Berlin geschickt. Datum: 02. November 1989, eine Woche vor Mauerfall. Grenzen  sind nicht mehr deutlich erkennbar, die Stadt versinkt auf der einen Seite im Chaos auf der anderen in Feier-Ekstase. Vor Ort trifft Charlize Theron ihren Kollegen James McAvoy. Zusammen versuchen sie, den Mord an einem weiteren Kollegen aufzuklären oder auch nicht. Der Film erfindet sicher nicht Agentenfilme neu, jedoch – das muss man ihm lassen – sitzt Charlize Theron damit jetzt endgültig auf dem Thron der coolsten der Coolen: Nie war eine Frau in einer Hauptrolle schlagkräftiger als die Südafrikanerin.

In den Hauptrollen: Theron, McAvoy und ein Best-of-Soundtrack

Theron schießt und prügelt sich durch Berlin, gibt auch mit deutlich erkennbarer Gehirnerschütterung nicht nach und ja, sie sieht Bombe dabei aus. Blonder Pagenkopf und immer top, aber nie zu fancy, gestylt – man kann es kaum glauben. Spätestens wenn sie in ihrer black-and-white Rolli-Mini-Kombi mit Stiefeln, Mantel und Strumpfhaltern  ein ganzes Haus Stockwerk für Stockwerk verhaut, steht einem der Mund offen. Immer mit dabei: der coole Soundtrack.

Nie wurde zu George Michaels „Father Figure“ ein Gegenspieler schöner ausgeschaltet, nie passte Depeche Mode besser zu einem Film. Tyler Bates zeichnet für die Musikauswahl verantwortlich und alles, was der anpackt, stößt bei mir auf offene Ohren: „Guardians of the Galaxy“, „300“ und vor allem den Sound von „Califonication“ haben wir ihm zu verdanken. Bates schafft es, für Szenen den perfekten, bereits bekannten, Song zu finden. Ob das „You Can’t Always Get What You Want“ von den Rolling Stones in „Californication“ ist oder „Der Kommissar“ in „Atomic Blonde“. Der ist hier in einer Coverversion von After The Fire zu finden, aber das Gitarren-Intro erkennt man natürlich trotzdem sofort.

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New Orders „Blue Monday“ kommt in der ersten Szene (in einer beatlastigen Version von HEALTH) vor und rausgeschmissen wird man in den End Credits zu „Under Pressure“ von Queen mit David Bowie. „99 Luftballons“ von Nena und später in einem Cover von Kaleida bringen den für die späten 80er typischen NDW-Vibe, genau so wie „Major Tom“ von Peter Schilling, das mit seinen ikonischen Bass- und Keyboard-Lines recht passend für eine Verfolgungsjagd eingesetzt wird.

Von Nena bis Public Enemy, ohne David Hasselhoff

Und wo wir schon beim zeitlichen Rahmen sind: Wenn ein Song schon 1989 im Text hat, dann darf er auf dem Soundtrack auch nicht fehlen: „1989 the number another summer“, so fängt Public Enemys „Fight the Power“ an, so wird es zu einer Breakdance-Szene verwendet, so passt es zum Berlin des Herbsts 1989.

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Regisseur David Leitch („John Wick“, „Deadpool 2“) schickt Charlize Theron in „Atomic Blonde“ in eine geteilte Stadt, die vor Aggression nur so brodelt. Szenen wie aus einem Scherenschnitt-Theater treffen knallhart auf Verfolgungsjagden und diese eine großartige Montage in einem Ostberliner Hochhaus. Mittendrin: eine Liebesszene, untermalt von harten 80s-Beats.

Charlize Theron ist die coolste Agentin mit dem unfassbaren Kleiderschrank, James McAvoy ein opportunistischer Kotzbrocken im Pelzmantel, der von seinem weiblichen Counterpart einfach mal an die Wand gespielt wird. Und die dritte Hauptrolle, der Soundtrack, ist einfach nur perfekt besetzt. Sollte es also demnächst regnen in diesem Sommer: Geht ins Kino und schaut „Atomic Blonde“. Im besten Fall findet dann gleich ums Eck irgendwo eine der raren, guten Achtziger-Parties statt.

Dass David Hasselhoff in der Stadt ist, wird im Film übrigens nur erwähnt. Man sieht ihn nicht im Glühbirnenmantel auf der Berliner Mauer die Wende herbeisingen.

Was wir außerdem gelernt haben: Wenn man vor lauter Prellungen ein Bad in Eiswasser samt Eiswürfeln nehmen muss, kann man die Eiswürfel auch gleich für den nächsten Wodka on the Rocks benutzen. Classy!

Atomic Blonde mit Charlize Theron, James McAvoy, John Goodman, Bill Skarsgaard und einem fetzigen Soundtrack  kommt am 24. August in unsere Kinos. 

Fotos: Universal Pictures