So, da ist er also, der Herbst. Zwischen Hochsommer und Herbst lag gefühlt ein Tag und jetzt verkriechen wir uns bei unter zehn Grad in unseren Wohnzimmern, vor dem Fernseher oder im Bett. Aber halt – der Konzert-Herbst ist mitunter auch die schönste Musik-Jahreszeit in München. Hier kommen unsere Konzert-Tipps, von jetzt gleich bis Wintereinbruch (wir tippen auf Anfang November, wir Sonnenkinder).

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Ab Mitte September

Los geht’s mit der Konzertübersicht schon heute, am 18. September. Und das mit einem absoluten Kracher:

18. September | Portugal. The Man | Muffathalle (ausverkauft)

Ich war 2009 auf meinem ersten Konzert von Portugal. The Man. Das war im Hansa39, die Vorband waren The Builders and The Butchers, es war voll, heiß und ein unglaublich gutes Konzert. Dafür waren Portugal. The Man verantwortlich, daran hat sich nichts geändert als sie Vorband von Casper waren und bitte sehr, die Show in der Muffathalle ist völlig zurecht ausverkauft. Die Indie-Band, die zum Teil aus Alaska kommt und in Portland wohnt, hat mit „Feel It Still“ einen der besten Songs des Jahres veröffentlicht, gefolgt von einem lang erwarteten Album: „Woodstock“. Diese Platte hat viel mit der Gegenwart zu tun, man kreidet an, aber verpackt das alles in ganz wunderschöne Songs. Und nicht nur haben Portugal. The Man eines der besten Alben von 2017 auf den Markt geworfen, nein, sie haben auch die schönste Cover-Version seit langem eingespielt: „Don’t Look Back in Anger“ – Jackpot.

Im Vorprogramm sind die Steaming Satellites zu sehen. Und es ist auch wirklich kein Geheimnis, wie sehr wir hier die Salzburger mögen und uns freuen, dass wir quasi zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können. An einem Montagabend. Quasi wie langes Wochenende, nur besser.

19. September |  The Districts | STROM

Im August erschien „Popular Manipulations“, das neue Album von The Districts. Die Indie-Rocker aus Philadelphia verstehen es auf ganz großartige Art und Weise, manche unserer Lieblingsbands zu mischen und da was ganz eigenes Feines zu erschaffen: ein wenig Americana, ein wenig Blues wie von den Black Keys, ein bisschen ganz klasssischen Indie-Rock à la Strokes. Da bleibt Platz für epische Songs wie „Ordinary Day“ und Indie-Schrammler wie „Young Blood“. Manchmal denkt man auch an Frightened Rabbit, ihres Zeichens die Band mit einem der bewegendsten Konzerte 2016. Konzertentwöhntes Herz, was willst du mehr?

19. September | SWRMS | Kranhalle

Wenn einer der „No Beer“-FIDLAR-Kerle was produziert, kann es ja fast nur taugen. Wenn dann auch noch der Sohn von Green Days Billy Joe Amstrong trommelt, kann man sich fast sicher sein, dass es echt in die richtige Richtung geht: SWRMS aus Oakland. Die Brüder Cole und Max Becker stehen vorne und spielen was, was uns an The Clash, ab und zu ein ganz klein wenig an die Pixies, oft an die „No Waves“-FIDLAR erinnert und wirklich gute Laune macht.  Bonus: Sie haben einen Song für ihre Punkrock-Queen, Miley Cyrus, geschrieben. Lustige Burschen, guter Sound.

24. September | Phoenix | TonHalle

Ein Konzert wie das letzte Eis des Sommers an der Adria: Das erwarten wir uns von der Phoenix-Show in der TonHalle! Seit ihrem Bankrupt!-Album und dem dazugehörigen Über-Konzert damals im Zenith ist es ruhig um die Franzosen geworden. Es gab einen Song im Netflix-Christmas-Special mit Bill Murray und sonst nicht mehr viel. Aber dann meldete sich die lässigste französische Rockband mit „Ti Amo“ zurück: Geprägt von den Urlaubsausflügen als Kinder der Bandmitglieder Christian und Laurent nach Italien, versorgen uns die Franzosen mit dem letzten Bisschen Sommer. Rom und Eis, Italo-Disko und Urlaub. Obendrauf spielen sie sicher wieder nichts anderes als Hits, Hits und noch mal Hits: „If I Ever Feel Better“ oder „Lisztomania“ tauchen nicht umsonst mit erschreckender Regelmäßigkeit in unseren Playlisten auf. Große Freude!

28. September | Maximo Park | Backstage Werk

Es ist kein Geheimnis: Wir mögen Maximo Park ziemlich gern. Ihre letzte Show haben wir präsentiert und diesen Herbst schauen die Burschen um Paul Smith mit dem Hut abermals im Backstage vorbei. „Risk To Exist“ heißt das aktuelle Album der Briten und mei, das klingt, als wären die letzten zehn Jahre nie passiert: Fresh as hell, the 00’s-rock never died! Alles baut nach wie vor auf Smiths Stimme auf, aber nicht nur das: Es sind auch seine durchdachten, schlauen Texte, wegen derer man immer nur guten Gewissens und vor allem mit Tanzschuh und ordentlich Bock auf Konzerte von Maximo Park gehen kann.

29. September | Spiral Stairs | STROM

Wer kann sich von euch noch an Pavement erinnern? Diese stilprägende Alternative Rockband aus Kalifornien? Dann jetzt bitte die Ohren spitzen: Scott Kannberg, Gründungsmitglied und Gitarrist von Pavement, is in town! Inzwischen ist Kannberg als Spiral Stairs unterwegs, allerdings hat sich eins nicht geändert: Er schreibt immer noch ganz wunderbar schöne Songs.

Im Oktober

Den September mit Shows und Wiesn gut rumgebracht? Im Okotber geht es nahtlos weiter mit Liveshow-Perlen in München.

05. Oktober | Leslie Clio + Lee MacDougall | STROM

Gute Laune am Donnerstag haben Leslie Clio und Lee MacDougall mit im Gepäck. Drei Alben hat Leslie Clio inzwischen veröffentlicht, „Purple“ heißt das neueste.  Sie singt von der Liebe und auch von Herzschmerz, von Zweifeln und Frohsein. So bitter der Text sein könnte, so schön verpackt sie das in eine mitreißende Melodie.

Leslie Clio war als Opener für Phoenix und Bosse unterwegs, diesmal hat sie einen ganz talentierten und liebenswerten Briten als Opener mit dabei: Lee MacDougall ist unser Favorit aus Grimsby im garstigen Norden und seit Jahren. Irgendwo zwischen Pop und Singer-Songwriter pendelt sich der Brite ein und für immer unvergessen sind seine Cover-Versionen von Britney Spears damals im Atlantis-Kino. What a night.

06. Oktober | Tim Vantol | STROM

Im Frühling hat uns der Holländer Tim Vantol im Strom schon einmal gezeigt, was er live draufhat und wie sein neues Album in echt klingen kann. „Burning Desires“ klingt nach einer ausgereiften Folk-Platte von einem, der mit Punk großgeworden ist. Das tut gut und hört sich auch gut an. Und natürlich spielt Vantol auch die Tracks seines bissl lauteren 2014-er Werks „If We Go Down, We Go Down Together“. Einem ganz herrlichem Abend mit einem überaus sympathischen Herrn an der Gitarre steht also nichts im Weg. Vantols Shows machen arschviel Spaß, soviel steht fest!

09. Oktober | Bush | TonHalle

Es hab mal eine Zeit, vor ziemlich genau 20 Jahren, da durften Bush auf keinem Mixtape fehlen. Die Briten, die den Durchbruch zuerst in den USA („Glycerine“) und dann erst in Europa hatten, mit dem unglaublich schmucken, live barfuß-spielenden Gavin Rossdale an vorderster Front. Die Zeiten haben sich geändert: Bush taucht fast in keiner Spotify-Playlist mehr auf. Aber vielleicht sollte sich das ändern: Die Band um Rossdale spielt immer noch Alt Rock aus Großbritannien, mal mit mehr elektronischem Firlefanz, mal mit weniger, immer gut, aber auch immer unter dem Mainstream-Radar. So oder so: Wer wir manche von uns 1997 beim Bizarre-Festival in Köln war, möchte nun mit uns in Nostalgie schwelgen:

11. Oktober | Lorde | Zenith

Dieses Mädel ist ein Phänomen: Hat vor vier Jahren mit „Royals“ aus dem Nichts einen wahnsinnig guten Ohrwurm geschrieben, sich dann mit Taylor Swift angefreundet, einen Social Media-Account eröffnet, der sich nur mit Zwiebelringen beschäftigt und ganz nebenbei ein neues Album aufgenommen und veröffentlicht (den Tanz-Auftritt bei den VMAs haben wir nicht gesehen). „Melodrama“ heißt die Platte und yep, sogar die immer noch sehr junge Neuseeländerin musste ein paar nicht so schöne Erfahrungen sammeln: der erste Herzschmerz, die erste Trennung. Die verarbeitet sie auf ihrem Album. Herausgekommen sind verwunderlicherweise schon wieder gute Texte und Songs mit einem Schwung Elektro-Beats. Wenn eine in den letzten paar Jahren nicht um ihre Berechtigung gekämpft, sondern sie einfach verdient hat, ist es Lorde. Die, die einen Instagram-Account mit Zwiebelringen vollpflastert, weil sie Bock hat. Die, die öffentlich einen vermutlich echten Seelen-Striptease hinlegt und die, die immer noch mit den Schulfreunden abhängt, von denen sie auf ihrem Debüt gesungen hat. Absolut verdient hat Lorde alles.

15. Oktober | The Jesus and Mary Chain | Theaterfabrik

Klassiker-Alarm im Oktober: Die Schotten von The Jesus and Mary Chain sind in der Stadt! Mit dem kommerziellen Durchbruch wollte es seit 1984 nicht so recht klappen, aber wenn man eine Inspiration für jeden ist und sich eine treue Anhängerschaft aufgebaut hat, muss das möglicherweise auch gar nicht mehr sein. Surf-Pop trifft auf Noise wird zu Shoegaze und ergibt The Jesus and Mary Chain. Klingt kompliziert? – Nö, klingt ganz herrlich nach Indie-Rock aus Schottland. Und falls ihnen die Songs von der „Psychocandy“-Platte ausgehen, spielen sie einfach welche von ihrem aufgeweckten diesjährigen Album „Damage and Joy“. Alle gewinnen, keiner verliert.

16. Okotber | Cold Specks | Milla

Das wird schön: Cold Specks hat eine Stimme, der man automatisch zuhört. Ein samtenes Timbre, eine Kraft wie man sie bei alten Grandes Dames des Blues vermuten könnte. Dazu eine zurückgehaltene Begleitung an Instrumenten – vor allem am Piano. Wir sehen es kommen: Da wird beim netten Menschen hinter der Bar im Flüsterton ein Bier bestellt, weil man keine Sekunde dieser unfassbaren Atmosphäre, die Cold Specks mit ihrer Stimme schaffen kann, stören oder gar verpassen will. Toll, einzigartig und gar nicht allzu oft zu finden. Hingehen!

17. Oktober | INVSN | STROM

Sonst kennt man ihn eher aus der Punkrock-Hardcore-Ecke, diesmal schaut er mit New Wave-Sound in München vorbei: Dennis Lyxzén, sonst eher für die Ikonen Refused am Start, bezeichnet das Album „The Beautiful Stories“ von INVSN als eines der aufrichtigsten Projekte, an denen er teilhaben durfte. Die Platte klingt gleichermaßen wütend, rebellisch und ganz New Wave-vertäumt (vor allem, wenn in „I Dreamt Music“ die the Cure-eske Gitarre ertönt. Das macht Spaß und Lust auf mehr. Auf live, zum Beispiel.

19. Oktober | Fink | Muffathalle

Es gibt kaum etwas, was Fin Greenall alias der Kopf des Trios Fink nicht kann. Er war DJ, Produzent, ein sehr angenehmer Gesprächspartner damals im Backstage, auf dem Soundtrack zu „The Walking Dead“ vertreten und nun wurde eine ganz neue Richtung eingeschlagen. Normalerweise sind Fink in der „Indie-Folk-Richtung mit mindestens zwei Akustik-Gitarren“ anzusiedeln, dieses Jahr aber haben sie ein Blues-Album aufgenommen. „Fink’s Sunday Night Blues Club, Vol.1“ heißt das und das nicht untertrieben: Die Platte heißt nicht so, weil sie fancy sein will, sondern weil sie Blues ist.

Und weil Fin Greenall sich besonders gut auch im elektronischen Bereich auskennt, hat er gleich noch ein selbst geremixte EP nachgelegt, die die Songs vom Blues-Album neu interpretiert.

Man darf gespannt sein, in welchem Gewand die immer beeindruckenden Fink-Konzerte diesmal durchs Land ziehen.

19. Oktober | Zoot Woman | STROM

Ganz soliden, nie faden Elektro-Pop aus Großbritannien bringen Zoot Woman in die Stadt. Für dieses Jahr erschiene Album „Absence“ holten sich Zoot Woman Pop-Ikone Kylie Minogue für einen Song vor das Mikro, allerdings ist es der Opener der Platte, „Solid Gold“, der auf FM4 sein ganzes Ohrwurm-Potenzial bewiesen hat. Klingt leicht, klingt gut – klingt nach etwas, auf das man sich gut einigen kann, vorausgesetzt man will sich zu Elektro-Pop aus UK in den Herbst bewegen.

21. Oktober | Granada | Arri Studio

Na endlich, nach dem Auftritt beim Muffathalle-Geburtstag, spielt’s wieder Granada. Die sympathischen Grazer mit ihren Pop-Songs spielen im Rahmen der Clap-Club-Abende in den Arri-Studios. Einmal mehr singen sie uns von den „Palmen am Balkon“ vor oder spielen die Ösi-Version von Billy Joels „Vienna“, „Wien wort auf di“. Es sind ganz herrlich lustig Abende mit den Burschen aus der Steiermark und inzwischen haben sie sich eine so designierte Fan-Gemeinde in München erspielt, dass das nur gut werden kann. Die Arri-Studios werden nächstes Jahr abgerissen, ein Konzert-Ausflug lohnt sich also allemal.

22. Oktober | Beatsteaks | Muffathalle

Es gab einen Sommer und einen Herbst, vor elf Jahren oder so, in denen manche von uns auf sechs Beatsteaks-Shows waren. Was für ein großartiger Sommer, was für beste Erinnerungen! „Jane Became Insane“ war auf Dauerroation, gemischt mit „Summer“ und immer wieder „Let Me In“. Wenn man so will, haben die Beatsteaks aus Berlin (aus Berlin!) einen gehörigen Anteil am Soundtrack unserer durchgefeierten Nächte. „Beatsteaks“ aus dem Jahr 2014 war nie meine Platte, aber vielleicht ist es mit den Beatsteaks wie mit den Freunden, die man ein paar Jahre lang aus den Augen verlieren kann.

Man Songs sind ein bisschen poppiger, manche sind so wie früher, manche sind mit Deichkind, Stereo Total oder Jamie T. „Yours“ heißt die Scheibe und bei „40 Degrees“ zucke ich immer noch zusammen, wenn ich mit das Zirkuskind Teutoburg-Weiß leibhaftig auf Ibiza vorstellen soll. Aber eins muss man den Beatsteaks lassen: Sie werden einfach nie langweilig, sondern machen immer irgendwas, womit man einfach nicht gerechnet hat: eine Club-Tour zum Beispiel oder Songs auf französisch oder ein unglaublich gelungenes Video mit Golf-Cart-Choreo (und Deichkind).

Ich habe das Gefühl, dass es nach neun Jahren beim Southside vielleicht wieder Zeit für ein Beatsteaks-Konzert werden könnte. Das könnte ganz fetzig werden.  Denn immer noch gilt: They came around, breaking up the silence that they found.

25. Oktober | Youngblood Brass Band | Hansa39

Eine Blasmusik-Kappelle bei uns in den Konzerttipps? Na klar! Die Youngblood Brass Band kommt aus den USA und hat als Grundelement den Style New Orleans tief im Blut. Untergehoben werden mal Saxophon-Solos wie aus dem nicht vorhandenen Jazz-Lerbuch, Vocals und Beats aus dem Hip-Hop-Bereich. Das macht Spaß, das ist große Kunst und wer da nicht anfängt mitzuwackeln hat ungefähr zero Rhythmus im Blut.

30. Oktober | Kasabian | TonHalle (ausverkauft)

Das letzte Mal war es das Überraschungskonzert des Jahres: 2014 verwandelten Kasabian das Kesselhaus in eine einzige, in pinkem Nebel wabernde Masse, die beim letzten Song der Zugabe, „L.S.F. (Lost Souls Forever)“ gnadenlos durchdrehte. „Munich, you’re f*cking empire“ war der Abschiedsgruß der Band. Es gibt zu dieser Tour ein neues Album, die erste Single „You’re In Love With A Psycho“, ist ein Dancefloor-Filler mit irrem Text. Shows der Band aus Leicester sind überragend, schwer zu toppen und ein würdiger Abschluss für den Konzert-Oktober. Das hat sich herumgesprochen: Das Konzert von Sergio und Tom und in der TonHalle ist leider schon ausverkauft.

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