Schon wieder ein Monat rum – seien wir ehrlich, um den diesjährigen März ist es nicht schade! Und wir haben wieder eine neue Playlist. Wir begrüßen den wettermäßigen Kasperl-Monat mit frischer und gereifter, mal feiner, mal fetziger, heimischer und exotischer Musik. Gemeinsamer Nenner der illustren Kompilation bleibt weiterhin einzig unser Prädikat: Gehört und für gut befunden!

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URSI

Los geht’s in den April mit einer Band, die mich an die Black Keys erinnert: The New Madness. Kommen allerdings aus Dänemark und sind für mich gerade der neue Shit in der erdigen Rock’n’Roll-Liga. Und weil sie mich an sie erinnern, folgen darauf gleich die Black Keys. Wie letztes Mal steuere ich einen Song der Decemberists bei, deren neues Album „I’ll Be Your Girl“ sich gerade einen Platz ganz nah an meinem Herz erspielt. Schöne Zwischenstück-Klassiker gibt’s von Kettcar und Father John Misty, bevor die Punk-Poeten von Kreiksy vom braven Pferd singen.

Schon am 9. April schauen Nada Surf im Ampere vorbei und da spielen sie hoffentlich auch diesen Song (okay, der ist quasi gesetzt). Jimmy Eat World haben vor zwei Jahren jedenfalls alle Wünsche gespielt.

Dance Moves kommen dann bei „Sylvia Says“ von Charlotte Gainsbourg zum Einsatz und gehen quasi nahtlos zu Kids N Cats und Grimes über. Mir scheint, der lang ausbleibende Frühling lässt bei mir Pop-Töne anschlagen. Zwei Ohrwürmer noch, einmal von CHVRCHES mit The Nationals Matt  Berninger und einmal die Österreicher von Naked Cameo, und dann meinen Schlusssong, den ich ungelogen seit 17 Jahren gesucht hab und nie gefunden hab: Computerjockeys mit ihrem „Ping-Pong“. Danke, FM4, dass ihr den völlig unvermittelt gespielt habt.

KERSTIN

Den Anfang machen zwei wirklich gut geratene Cover-Songs: The Kills überzeugen mit einer entschleunigten Version von Saul Williams pumpender Post-Punk-Rap-Nummer „List Of Demands (Reparations)“ aus 2004 und Manchester Orchestra holen sich für „Bad Things To Such Good People“ (im Original von Pedro The Lion) Verstärkung von Indie-Folk-Lady Julien Baker.
Sufjan Stevens beschwört derweil mit „Visions of Gideon“ noch einmal den cineastischen Zauber von „Call Me By Your Name“ herauf. Fast riecht man die frischen Aprikosen, fast hört man noch das Kaminfeuer knistern. Auch Eels und Courtney Barnett sind diesen Monat wieder mit neuen Songs von ihren kommenden Alben dabei – beide lassen es diesmal langsamer angehen, beide Male klingt das wunderbar.

Kurzer Abstecher in die 70er und 80er. Fleetwood Macs „The Chain“ wird scheinbar zur neuen Blockbuster-Superwaffe. Nach „Guardians Of The Galaxy 2“ macht sich jetzt auch das Bio-Pic der Stunde „I, Tonya“ den hymnischen Smasher zu Nutze. Dazu gibt es eine gehörige Dosis angeschmalztes 80ies Saxofon von Romeo Void mit „A Girl In Trouble“ (entdeckt im Abspann der Amazon Serie „The Marvellous Mrs. Maisel“) und ein paar Rebel-Vibes von David Bowie.

Im letzten Teil darf es dann noch scheppern. Pearl Jam melden sich und die 90er zurück, Hot Water Music heizen die Vorfreude auf ihre Europatour an und die Schweizer Zeal & Ardor mixen weiterhin erfolgreich Gospel mit Metal. Völlig neu auf dem Radar sind in dem Monat Ondt Blod aus Norwegen, die klingen wie ein wahnwitziger Mix aus Kvelertak und Blink182 und die Kalifornier Spanish Love Songs (bester Punk-Rock-Bandname seit geraumer Zeit), deren brandneues Album „Schmaltz“ (genau) sich jetzt schon anschickt, es in meiner 2018er Bestenliste weit zu bringen.

Zum Schluss gibt’s mit den Youngsters von Shame noch genial abgewetzten Hitzkopf-Post-Punk von der Insel und einen Abkühler von ABAY, die es wirklich verstehen ihre Songs erst als pures Understatement zu maskieren um hinten raus dann doch noch die ganz großen Emo-Geschütze aufzufahren.

RENZO

Pasta, Pizza und Pioggia: Trotz des Regens, genoss ich Ende März das dolce far niente in und um Napoli. Während wir an der Amalfiküste nach einer Portion Spaghetti al Limone dem Sonnenuntergang entgegencruisten, dröhnten Phoenix mit ihrer Italo-Disco-Nummer „Tuttifrutti“ aus den Boxen. Und wir bleiben in Italien: Mit den schlimmschönen Popklassikern „Dolce Vita“ von Ryan Paris und Al Bano & Romina Power mit einer Live-Version ihres Schmachtfetzens „Sempre sempre“.

Ob er davon inspiriert wurde, weiß ich nicht. Aber das „Comeback“ von Ssion klingt ebenfalls stark nach Disco. Ein Comeback feiern sie zwar nicht, aber poppig geht’s weiter mit den Achtzigern: Die Talking Heads holen uns ein bisschen runter, Madonna möchte, dass wir wieder ein bisschen mehr an sie denken.

Zurück ins Hier und Jetzt holt uns DJ Koze, der sich für seinen neuen Track „Illumination“ Róisín Murphy geschnappt hat. Die Ethno-Disco-Beats von Jain kennt man vielleicht aus einer Jeans-Werbung. Aus dem Club geht es ab in die Sonne: M.I.A. beschert uns den ersten Sonnenschauer, bevor Santigold zum Tänzchen bittet. Darauf noch eine Leb-im-Moment-La-La-La-Hymne von Portugal.The Man – damit kann der Frühling kommen!