Wenn Mister E. mit den Eels ruft, dann muss man hingehen: Die Eels beehren München am 25. Juni. Mit im Gepäck haben sie das von uns rauf- und runtergehörte letzte Album „The Deconstruction“. Wir freuen uns und hören beim aktuellen Album noch einmal genau hin.

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Vorweg: Dass sich der Konzertbesuch bei den Eels lohnt, hat sich herumgesprochen. Die Show ist seit einigen Monaten ausverkauft, aber mit Glück findet der Kartenlose unter euch vielleicht hier noch ein Ticket.

1997 muss das gewesen sein, als mir eine Freundin diese CD unter die Nase hielt mit dem Mädchen mit den Riesenaugen und der stechend türkisen Schrift. Dieser eine Song wäre eine Wucht. Es war „Novocaine for the Soul“ von den Eels und die Beschreibung trifft es bis heute ganz gut. Es war zu der Zeit, als das Internet quasi non-existent war, man noch UK Charts auf MTV Europe sehen konnte und man so von dieser Band auf Charts-Platzierung Nummer 10 erfuhr. Geblieben sind mir die Eels bis heute.

Alles, was Mark Oliver Everett in seiner Musiker-Karriere getan hat, ist allerdings – Obacht, Wiederholung – eine Wucht. Zwölf Studioalben, ein paar Live-Platten und ein Soundtrack zählen inzwischen zum Machwerk von E (oder Mark E?). Das Besondere an den Eels-Alben ist, dass sie oft traurige Geschichten erzählen und aber dennoch auch ganz oft einfach verdammt nah am Leben dran sind. In Everetts Leben verlief vieles nicht auf der Sonnenseite des Lebens und dennoch versorgen einen die Eels mit allem anderen als melancholischen Ohrwürmern, sondern oft mit Songs, die das Aufstehen leichter machen: Einer meiner liebsten Songs ist „Mr. E.’s Beautiful Blues“, der nicht blue ist, sondern zurecht jedem mit auf den Weg gibt: Goddamn right, it’s beautiful day! – It sure is, vielleicht auch einfach weil man ihn erleben darf und versuchen kann, das beste aus ihm zu machen.

Eels: „The Deconstruction“

Die Eels haben vor zwei guten Monaten, am 6. April 2018, ein lang ersehntes neues Album veröffentlicht: „The Deconstruction“. Dafür wurde für die Aufnahmen das „The Deconstruction Orchestra & Choir“ ins Leben gerufen. Die Platte wurde in Los Feliz und Pasadena im US-amerikanischen Bundesstaat Kalifornien aufgenommen und vielleicht hört man ihr den endlosen Sonnenschein der amerikanischen Westküste auch manchmal an. E selbst sagt über „The Deconstruction“:

Here are 15 new EELS tracks that may or may not inspire, rock, or not rock you. The world is going nuts. But if you look for it, there is still great beauty to be found.  Sometimes you don’t even have to look for it. Other times you have to try to make it yourself.

Ich kann hier nur für mich sprechen, aber schon beim ersten Song, beim ersten „…and break apart“ im titelgebenden Track „The Deconstruction“ hatte mich das Album. Der Titelsong war eine Vorab-Single, die einen Vorgeschmack auf das Album gab, der alles andere als bitter aufstoßen würde. Zweite Single (und zweiter Album-Song) ist „Bone Dry“, das nicht nur wegen seiner „shooby-doos“ und „shalalalas“, sondern auch wegen seines wahnsinnig gutes Videos überzeugt. So gut, dass es 1997 bei MTV Europe in Heavy Rotation gelaufen wäre.

Alle Songs auf „The Deconstruction“ sind außergewöhnlich vom eigens gegründeten Orchester instrumentiert und das Tracklisting ist so ausgeklügelt, dass sich eine ganze Geschichte ergibt. Auf keinen Fall sollte man die rein instrumentalen Zwischenstücke überspringen! In „Premontion“ erzählt E. einmal mehr von einer Ahnung, die letztendlich genau damit schließt, was er in seinem Zitat sagt: Schönes ist da, direkt vor unserer Nase – man muss nur trotz alle dem Übel einfach sehen wollen.

Lieblingssong: „Rusty Pipes“

In meinen Augen bester Song des ganzen Albums und von mir aus auch einer der besten bisherigen überhaupt in diesem Jahr ist „Rusty Pipes“: Ein Chor, der „The Deconstruction Choir“ natürlich (!), singt ein sonores „Ohhhhh“ und dazu gibt es sieben Töne aus Querflöten, zurückhaltende Gitarre und Schlagzeug und natürlich E.’s immer leicht raue Stimme. Ich habe seit dem ersten Hören genau drei Assoziationen bei diesem Song: Western. Roter Sand. High Noon.

Ganz anders wiederum ist „Today is the Day“, einer von diesen Songs, die innerhalb von Sekunden für exorbitant gute Laune sorgen können. 15 Songs sind insgesamt auf „The Deconstruction“: Mr. E. spricht uns gut zu („Be Hurt“) und legt Tanz- und Mitklatschnummern im Sixties-Style („You Are the Shining Light“) hin, es gibt die minimalistischen Songs („Little Archie“), in denen E. anscheinend echte Geschehnisse aus seinem Leben erzählt. Auch, wenn  man nicht weiß, woher er den nimmt, aber E. beschenkt uns reich mit Optimismus in seinen Songs. Wenn er im letzten track „Our Cathedral“ singt „We are safe/ We are free/ We always were/ We always will be“ singt, glaubt man ihm sogar.

Das Leben ist kein Wunschkonzert. Keiner weiß das besser als Mark Oliver Everett, der seine wirklich sehr traurige Lebensgeschichte im Buch „Things the Grandchildren Should Know“ veröffentlicht hat. Und dennoch scheint bei ihm das Glas immer halbvoll anstatt halbleer zu sein. Danke dafür.

Eels in München

Am 25. Juni 2018 macht Mark Oliver Everett in München Station: Mit „That 1 Guy“ tritt er in der Tonhalle auf. Man darf gespannt sein, ob er wirklich als „that 1 guy“ allein auftritt oder doch sein ganzes „The Deconstruction Orchestra“ samt Chor und stetig wechselnder Bandbesetzung der Eels mit auf die Bühne bringt. Fest steht aber schon: Diese Show wird ein Wunschkonzert, ganz ohne Novocain.

„The Deconstruction“ von Eels ist bereits am 6. April 2018 erschienen. Das Konzert am 25. Juni 2018 in der TonHalle ist ausverkauft.

Foto: PR