Was sollen wir sagen? Es war heiß, es hat kurz geregnet, es wird wieder heiß. Das ist Sommer ganz nach unserem Gusto. Komplett macht einen perfekten Sommertag nur noch die richtige Musik auf den Lauschern – und die haben wir hier für euch.

https://unsplash.com/@etiennegirardet

Kerstin

Es geht los mit einer wetteradäquaten Neuentdeckung aus Neuseeland. The Beths machen sommerlichen Pop-Punk, klingen nach 90ies, nach Emo, Indie und Garage. „Future Me Hates Me“ (so heißt auch gleich das ganze Album) ist so gar nicht das, was man von vier Jazz-Studenten so erwarten würde.

Dazu gesellt sich höchst passend unsere geschätzte Courtney Barnett von nebenan (also Australien), die mit „Charity“ fast einen weit-vor-Stadion-Zeiten-Foo-Fighters-Vibe mitbringt. Death Cab for Cutie und Yo La Tengo denken derweil einfach schon mal an den Herbst. Wie ein mellow Modern-Day-Elvis kommt Ryan Downey aus Melbourne daher (Danke für den Tip, Alex!), Wild Pink aus Brooklyn klingen wie ein Hybrid aus Tom Petty und Band of Horses und zum perfekten Schieber unterm lauen Sternenhimmel lädt Neil Young mit „Harvest Moon“.

The Hold Steady – gleich nochmal Brooklyn – bringen auf „The Stove & The Toaster“ Bläser und eine Orgel mit, very groovy! Dazu passen The Hellacopters mit „Toys And Flavors“. Die Schweden haben sich erfreulicherweise wieder zusammengefunden und kürzlich u.a. im schönen Stockholm gespielt. Neben einer ausgezeichneten Rock’n’Roll Show durfte man obendrauf ein modisch über jeden Zweifel erhabenes Publikum erleben. Nie sahen abgeschnittene Skinny Jeans, Cowboy-Stiefel, Foku und Porno-Schnauzer stylisher aus als im Wes-Anderson-Retro-Freizeitpark-Paradies Gröna Lund. Ich wünschte, ich könnte mit einer würdigen Fotostrecke aufwarten. Und ich wünschte, die Münchner wären hier und da mutiger.

Mit Big Drill Car aus Kalifornien geht es nochmal zurück in die Neunziger und dann nach Memphis, zu Lucero. Die mischen weiterhin erfolgreich Rock mit Country, Blues und Soul und haben mit „Among The Ghosts“ ein neues Album abgeliefert und mit „Cover Me“ einen Song, der aus der finalen Szene von Butch Cassidy & the Sundance Kid eine hier lässige, dort treibende Rock-Nummer macht, inkl. Saloon-Piano Einsprengseln.

Runter vom Gas gehen dann die Dire Straits. Im Stockholmer Vintage-Platten-Himmel Nostalgipalatset vom Torte essenden Hausherren aufgelegt, spuken sie mir seitdem wieder verstärkt im Kopf herum. „Brothers in Arms“, eines der wenigen Alben, das meine Eltern auf Platte besitzen, und irgendwie weiß ich das famose Gitarrenspiel darauf erst jetzt so richtig zu würdigen. Gleiches Spiel mit Pink Floyds „High Hopes“. Kaffee trinkend in der LX Factory in Lissabon kam es auf einmal aus den Boxen und schon war es wieder 1994. Wie oft habe ich dieses Lied früher gehört und das Video auf MTV geschaut. Er wird nicht alt, dieser Song.

Zum Ende zweimal Adams. Erst der heilige Ryan – ich warte täglich auf die Ankündigung des neuen Albums, nachdem er gerade wieder jede freie Minute in seinen PaxAm Studios verbringt – dann der meiner Meinung nach oft zu unrecht gescholtene Bryan. „Run To You“ ist und bleibt famos. Da wird nicht diskutiert. Schon gar nicht bei der Hitze.

Renzo

Letzten Sommer cruiste ich im August durch Kalifornien. Zur Hitzewelle in San Francisco lief damals „The Heat“ auf Repeat. Ein Jahr später wecken Jungle mit ihrer neuen Single „Heavy, California“ schöne Erinnerungen. Weiter geht’s mit kalifornischem Laissez-faire:  Entspannt trällern The Internet aus Los Angeles ihr „La Di Da“, bevor Justice auf einer neuen Version ihrer Single „Stop“ ungewohnt mellow daherkommen.

Meine Eidgenossen Kalabrese und Sarah Palin liefern für mich stets den perfekten Züri-Soundtrack. Ob in der Badi am See oder auf der Werdinsel, zu diesen sommerlichen Grooves lässt sich herrlich tagträumen. Wie schön der Zürcher Sommer ist, wissen auch Damon Albarn und Co.: Die Gorillaz haben eine Ode an den Zürichsee aufgenommen. Darauf ein „Ooo“ von !!!, bevor uns Metronomy auf ein gemächliches Tempo herunterkühlen. Niki & The Dove wollen gar nicht mehr raus aus ihrer Hängematte und bereiten mit ihrem „Coconut Kiss“ den Weg für einen Klassiker: die Beach Boys beschwören das Tropenparadies „Kokomo“. Da schmilzt der Drink auch an der Isar.

Für Cabrio-Fahrten an den Ammersee empfehle ich das elektrisierend-prickelnde „Sylvia Says“ von Madame Charlotte Gainsbourg, den Sundowner gibt’s dann zu GusGus. Den Blick in den blauen Himmel genieße ich zu den luftigleichten Beats von Ssion. Und auch das neue Material von Blood Orange eignet sich hervorragend zum gepflegten Löcher-in-die-Luft-starren.

Und wenn wir schon gedankenverloren herumliegen, warum nicht mal wieder ein Feel-Good-Song von Janet Jackson? Ihr „Nipplegate“-Kompagnon Justin Timberlake liefert einen lässigen „Midnight Summer Jam“. Tropisch angehauchte Grooves gibt’s von Childish Gambino. Einfach zurücklehnen und genießen. Für solchen Ennui hat Tyler, The Creator keine Zeit, er gibt Gas, Michael Kiwanuka holt uns zum Glück wieder runter – sein Song „Love & Hate“ taucht übrigens auch im „Dear White People„-Soundtrack auf. Zum Schluss noch meinen Sommer-All-Time-Favorit von Wham!, dessen Video auf Ibiza, meinem letzten Urlaubsziel, gedreht wurde. In diesem Sinne: Pool, Einhörner & Flamingos forever!

Ursi

Ach, was soll ich sagen? Der Sommer ist super! Und dazu gehört auch gute Musik, of course. Also los geht’s mit einem Song von den Cimarons aus der absurden Show „Plebs“, die ich im Mai (und eigentlich ist seitdem bei uns Sommer)  im Urlaub in Schottland gesehen hab. Weiter geht’s mit „Return of Django“, das in einer Remix-Version von der Asian Dub Foundation im Film mit dem klarsten Wasser und Leonardo DiCaprio in seiner bescheuertsten Rolle vorkam: The Beach. Aber war auch Sommer. Zwei ganz alte Chosen von den Mighty Mighty Bosstones und der NWA später, wird dann sommerlich leicht – und überraschend elektronisch für meinen sonstigen Musik-Gusto.

Gorillaz mit George Benson und das extrem gelungene „Pick Up“ von Stefan Kozalla aka DJ Koze leiten zu meinem Konzert-Highlight im August über: Block Rockin‘ Big Beats von den Chemical Brothers. Die heizen am 17. August 2018 im Zenith in München ein und wenn man Videos der bisherigen Tour glauben darf, wird das eine brutale Show. Mit Carsten Erobique Mayer und seinem „Urlaub in Italien“ ist die Elektro-Runde dann auch schon wieder rum.

Zwei verträumte Songs von Leo Sayer und Carla Bruni später ist es dann in meinem Teil schließlich Zeit für einen Song aus „Big Little Lies“: Die Serie habe ich erst dieses Jahr (im Free-TV!) gesehen und bis auf diesen Song, „Bloody Mother Fucking Asshole“ von Martha Wainwright, einen von den B-52’s und Nicole Kidmans Performance blieb mir nicht viel in Erinnerung. (Ach doch: Kein Mensch fährt so oft über die Bixby Bridge.)

Mein Lieblingslied von Bruce Springsteen (Konzert-Highlight 1.Oktoberwoche), ein neuer Track von Matula (Konzert-Highlight 2. Okotberwoche), Schrammel-Gitarren von Teenager of the Year und den Pixies leiten schließlich zum großen Schlusslied über: „Strada del Sole“ von Rainhard Fendrich. In diesem Sonne: Live la dolce vita.

Foto: Unsplash