Unser kleiner Blog ist gestern 6 Jahre alt geworden. Auch wenn wir uns zuletzt nicht ganz so oft gemeldet haben – Ihr wisst ja, der Job, die Gesundheit, das Leben! – es gibt uns noch und wir geloben Besserung. In diesem Jahr reißen wir uns wieder am Riemen, zumindest haben wir uns das fest vorgenommen. Anstatt uns also jetzt in einer Retrospektive zum vergangenen Jahr zu ergehen, schauen wir lieber auf das vor uns liegende.Wir sagen Willkommen 2019 und verraten euch, worauf wir uns freuen – auf Platte und der Bühne –, was uns gespannt macht, ob wir schon erste Lieblinge und Empfehlungen haben und welche Künstler und Songs uns auch im neuen Jahr weiter begleiten werden. Es folgt unser Ausblick in drei Teilen – heute, morgen und übermorgen. Den Anfang macht Kerstin.

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Meine, wenn man so will, Motivationshymnen für 2019 kommen fast ausnahmslos von alten Bekannten. Turbostaat und Muff Potter, Hot Water Music und La Dispute, Bob Mould und Elton John, Massive Attack und – Überraschung! – Ryan Adams. Aber auch ein paar 2018er Neuzugänge sind zu verzeichnen, so z.B. Spanish Love Songs und Phoebe Bridgers. Und natürlich spielen Serien und Filme auch in diesem Jahr eine Rolle…

Live

turboIm Mai 2018 gaben fünf Herrschaften aus dem hohen Norden an gleich drei aufeinanderfolgenden Abenden in Leipzig ihre Jubiläumskonzerte zum 20jährigen Bandbestehen. Es schien, als würden sich nicht nur das Publikum sondern gleich auch die maroden Wände des Conne Island in der Hitze der Nacht verflüssigen. Euphorie trifft Ehrfurcht und fünf Männer aus Flensburg auf einen gut 300 Mann und Frau starken Chor, als die Husumer Hitparade ihr Jubiläumsalbum „Nachtbrot“ live einspielt. Am 10. Januar ist diese sagenhafte Scheibe von Turbostaat nun erschienen und wird mich wohl nicht nur dieses Jahr begleiten. Und es kursieren Gerüchte, dass da auch in unseren Breitengraden was besonderes passiert konzerttechnisch in diesem Jahr. Spannung!
Ebenfalls ein Jubiläum steht 2019 für die heiligen Hot Water Music an. 30 Jahre Bandgeschichte, 20 Jahre „No Division“. Zum freudigen Anlass erwarten den Fan Doppelkonzerte (u.a. in Köln und Berlin), wo sich die musikalische Urgewalt einmal in klein und einmal in groß durch den Bandkatalog bzw. das Jubiläumsalbum berzerkern darf. Die Vorfreude auf die zwei Abende im Lido und der Columbiahalle ist bereits beachtlich. Perfektion würde erreicht durch die Beteiligung des zuletzt fehlenden Chris Wollard. Wir zählen auf dich, Turtle!
Ein weiterer Live-Lichtblick 2019 ist die Reaktivierung der in den 2000ern heißgeliebten Deutsch-Punk-Helden von Muff Potter. Nachdem Band-Chef Thorsten „Nagel“ Nagelschmidt zuletzt die Kutte gegen ein Sakko getauscht unter die Literaten ging, geht es für die Formation aus Münster in diesem Jahr wieder auf Tour. Dort darf man sich dann auf die gesammelten Lieblingslieder ihres Milleniums-Punkperlenquartetts „Bordsteinkantengeschichten“ (2000), „Heute Wird Gewonnen Bitte“ (2003), „Von Wegen“ (2005) und „Steady Fremdkörper“ (2007) nicht nur live freuen, sondern auch auf die dazugehörigen Reissues auf Vinyl. Hallo Nostalgieflash, Hallo Dispo!
Anderes Genre, gleiche Geschichte – das Jubiläumsthema zieht sich weiter durch und auch die TripHop-Spezis von Massive Attack machen mit. Neues gibt es von dem Duo aus Bristol vorerst nicht (Vielleicht ist eine Hälfte zu sehr mit der Street-Art und Guerilla-Kunst-Projekten beschäftigt?) dafür bringen sie eines ihrer ganz großen Alben in 2019 komplett auf die Bühne. Wer weiß, wie gut diese Band live ist und dass hier das Wort Konzerterlebnis wörtlich zu nehmen ist, der freut sich besser langsam ein Loch in den Bauch angesichts ihrer „Mezzanine xx1“ Tour. Am 5. Februar ist es in München soweit!

Gepresst

ladispute_panormaAuch in diesem Jahr sind wieder diverse Alben angekündigt, bei denen der Puls dann ein wenig ausschlägt. Eins davon die neue Scheibe von La Dispute. Vom Post-Hardcore-Fünfer aus Michigan, der dem Genre seit jeher regelmäßig eine Frischzellenkur verpasst, ist selbstredend nicht weniger als Großartiges zu erwarten. Und die Vorboten zu „Panorama“, das am 22.3. erscheinen wird, enttäuschen nicht (bis auf das poppig-pastellige Cover vielleicht).
Ebenfalls heiß erwartet wird das neue Album vom Ex-Hardcore-Messias, Alternative-Allstar und Experimentierfreund, Mr. Hüsker Dü himself Bob Mould. Auch zum kommenden „Sunshine Rock“ (8.2.!) gibt es bereits zwei feine Appetithäppchen. Und weil er selten ausgelastet ist, greift er auch gleich noch einem anderen Tausendsassa bei dessen großen 2019er Plänen unter die Arme…
Seinem Kumpel Ryan Adams nämlich! Der Vogel hat beschlossen in diesem Jahr einfach mal wieder drei (!!!) Alben rauszubringen. Warum? Weil er es kann. Im April kommt „Big Colors“, „Wednesdays“ hat noch keinen VÖ-Termin und Platte drei weder Namen noch Timing. Dafür gibt es zum ersten Streich bereits eine komplette Playlist und die irre Musikmaschine lässt auf Facebook schon über das Cover der Bonus-Tracks-Scheibe (sic!) abstimmen. Während unsereins sich vor Spannung gerade die Nägel abkaut, verkündet sein Buddy Paul Bettany auf Instagram derweil schon einmal seinen Lieblingstrack. Nehmt mich auf in euren Kreis!

Neu und spannend

spanishlovesongsDie musikalische Entdeckung des letzten Jahres waren Spanish Love Songs. „Fuck I’m miserable“ bricht es auf dem Zweitling der selbtsbetitelten Grouch-Punks aus Kalifornien bereits im Opener heraus und spannt den Bogen auf für eine Platte, die Selbstzweifel zelebriert, weil es eben mal jemand machen muss. „Schmaltz“ sind Mantras für’n Moshpit, ein Album wie eine Therapiesitzung. Zwischen Punk und Pop, The Smith Street Band, The Hotelier, Jimmy Eat World und The Smiths reihen sich die Songschmuckstücke wie Perlen auf eine Kette. Bitte Anhören, bitte Abfeiern! Im Frühling kommt die Band, nachdem sie es letztes Jahr für eine Bayern-Show nur knapp an die deutsch-österreichische Grenze geschafft hat, nach München. The 3rd of May is the day!
Unheimlich verwoben damit auch die 2. halbe Neuentdeckung. Phoebe Bridgers durfte bereits in Ryan Adams PAX AM Studios aufnehmen und hat entsprechend was drauf. Ihre 2018er Scheibe „Stranger In The Alps“ ist bezaubernd und brutal und wer bei „Funeral“ nicht schlucken muss, der macht sich verdächtig. Das sehen auch Spanish Love Songs so und haben sich das Kleinod zum Covern für den zuletzt erschienenen Sea Shepherd Benefiz-Sampler Vol. 3 rausgesucht und Oh Mann!, auch ihre Version ist Killer (was wiederum der Titel von Bridgers PAX AM EP ist…). Noch eine Platte, die auf jeden Fall auch in diesem Jahr weitergehört werden muss.

Auf der großen und kleinen Leinwand

thefavoriteZum Schluss noch je eine Film- und Serien-Empfehlung für’s erste Quartal, abseits der üblichen Verdächtigen.
Ein früher Kinohit des noch frischen Jahres ist der neue Wurf von unserem auf allerhand Seltsamkeiten abonnierten griechischen Kino-Weirdo Yorgos Lanthimos („The Lobster“, „The Killing Of A Sacred Deer“). In The Favourite scheucht er ein brillantes Frauen-Trio durch einen Kostümfilm der anderen Art. Der deutsche Subtitel „Intrigen und Irrsinn“ ist in dem Fall tatsächlich recht passend. Das wüste Treiben zu Hofe zwischen Olivia Colman (der sie eigentlich alle Preise dieser laufenden Award Saison schon vorab zuschicken können), Rachel Weisz und Emma Stone begleitet ein größtenteils  psychotischer Minimalsound aus Viola und Piano. Umso erlösender am Ende Elton John, der stilistisch passend begleitet vom Cembalo gar herzzerreißend das „Skyline Pigeon“ besingt. The Favourite wurde vorab bei den Fantasy Filmfest White Nights gezeigt und startet deutschlandweit am 24. Januar.
In Sachen Seriensoundtrack ist derweil Ben Stiller ein Zuckerl gelungen. Für seine sehr gelungene Mini-Serie Escape At Dannemora (die schon als eine der besten des Jahres gehandelt wird) stellt er Kelly Clarkson und Ed Sheeran neben Wu Tang Clan und Cypress Hill, Metallica und Soundgarden, Bing Crosby und The Doobie Brothers und immer wieder Steely Dan. Die Serie um einen tatsächlichen US-Gefängnisausbruch im Jahr 2015 ist hervorragend erzählt, besetzt (Benicio del Toro, Paul Dano und allen voran eine famose Patricia Arquette!) und die oft so ungewöhnlich wie schlau gewählte Musik tut ihr Übriges. Belassen wir es dabei, denn weniger zu wissen ist bei der Serie auf jeden Fall mehr. Aktuell auf Sky, hoffentlich bald auch noch breiter verfügbar.

Soviel für’s Erste aber es gilt „to be continued“. Morgen macht dann erstmal Ursi weiter, am Samstag kommt Renzo. Und natürlich haben wir auch eine Playlist gebastelt, die wir täglich erweitern. Viel Vergnügen!

 

Fotos: Autor und PR