Da sind wir schon wieder, denn versprochen ist versprochen! Und wir haben was für euch gebastelt. Was der Februar an Tagen zu kurz geraten ist, macht er mit viel neuer Musik wieder wett. Wir haben im Januar gesammelt und alles in eine Playlist gepackt, was uns im Expressmonat begleiten wird. 

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Es ist wieder mal ein wilder Wirrwarr an Genres, Künstlern und Epochen. So oder so hilft unsere Februar-Playlist hoffentlich bei kalten Fingern, Streukieseln im Schuh und den ersten Ausfallerscheinungen im Büro. Auf geht’s!

Kerstin

Die Norweger von Spidergawd nummerieren ihre Alben weiter römisch durch und sind mit ihrem neuesten Werk bei „V“ angekommen. Hier trifft traditioneller Heavy Rock auf topmoderne Ideen und ein Saxophon. Schon der fette Opener zeigt wieder sofort, wo der Hase hinläuft. PUP haben auch Ideen und ihre neue Platte im Paket mit einem Schlauchboot angeboten. Wenig später postete eine fassungslose Band auf Facebook: „You idiots bought all the boats?!!?“. Wichtige Notiz für Label-Kollegen: Wer Punk hört, paddelt gern!

Neu auf der Bildfläche erschienen sind Amyl & The Sniffers und Press Club. Beide kommen aus dem australischen Musikmekka Melbourne, beide machen feine Punkmusik und beide haben sie eine stimmgewaltige Lady am Mikro. Erstere lassen den Verdacht aufkeimen, sie wären in den 70ern kryokonserviert worden und gerade ihren dampfenden Tanks entstiegen, dazu nennen sie als Inspiration neben AC/DC und Dolly Parton auch Die Antwoord. Nice! Das hat ohne Frage auch live Potential wahnsinnig zu werden, am 16. April in München! Press Club liefern derweil die Hymne für alle Vorstadtkinder. „Suburbia“ ist ein hervorragender Indie-Punk-Track und mein absoluter Liebling auf ihrem Debüt „Late Teens“. Hier ist es am 24.4. im Strom live soweit.

Die Skate-Surf-Garage-Punk-Crossover-Kombo Fidlar macht auf ihrem neuen Album endgültig, was sie will. So pendelt z.B. „By Myself“ irgendwo zwischen Bingo Bongo und Blur und hat ernsthafte Chancen auf den Titel „Höchst inoffizieller Sommerhit und Tanzflächenknaller 2019“. Irre (aber) gut!

Neues auch von Loyle Carner, der Mitte Januar einen weiteren Vorboten für einen Albumnachfolger rausgelassen hat. Auf „You Don’t Know“ bekommt die samtigste Stimme des smarten HipHop Verstärkung von Rebel Kleff und Kiko Bun. Der britischen Gitarren-Amazone Anna Calvi ist mit ihrem letzten Album „Hunter“ wieder ein großer Wurf gelungen. Auf ihrer „Don’t Beat The Girl Out Of My Boy“-Tour war sie kürzlich in München zu Gast und hat auch live wieder alle umgehauen. Sharon van Etten kommt dann Anfang April über den großen Teich gehüpft und gewinnt schonmal den Preis für das beste Albumcover. Ihre neue LP „Remind Me Tomorrow“ ziert ein Schnappschuss aus dem stets rätselhaften Paralleluniversum Kinderzimmer.

Ryan Adams hat mit „Fuck The Rain“ die erste Single für das erste seiner drei für 2019 angekündigten Alben veröffentlicht und seine Kumpelin Jenny Lewis singt beschwingt von „Red Bull & Hennessy“. Unter dem Namen Better Oblivion Community Center haben sich Phoebe Bridgers und Conor Oberst als Indie-Folk-Rock-Force zusammengetan und gleich ein komplettes Surprise Album herausgebracht. Auch die Österreicherin Anja Plaschg alias Soap&Skin liebt Experimente und bandelt weiterhin gekonnt mit der Düsternis an. Live zu sehen im April in der Muffathalle.

Unter den vielen Künstlern, die sich von Alfonso Cuaróns filmischem Meisterwerk ROMA – nach Möglichkeit unbedingt nicht nur auf Netflix sondern im Kino anschauen! – inspirieren haben lassen ist u.a. Beck. Zusammen mit Feist gibt es von ihm eine Neuinterpretaion von „Tarantula“ (im Original von Colourbox). Und auch der Seriennachschub geht uns nicht aus. True Detective ist kürzlich in die dritte Staffel gestartet und findet vielleicht zu alter Form zurück. Die ersten drei Folgen und v.a. der wieder durchweg großartige Cast, allen voran Mahershala Ali, lassen hoffen. Der einmal mehr starke Soundtrack hat auch wieder einen wie maßgeschneidert wirkenden Song für die tonangebende Titelsequenz zu bieten. Der Blues kommt diesmal in Form von „Death Letter“ aus dem Jahr 1995 von Cassandra Wilson.

Und zum Schluss noch ein Jubiläum. Vor genau 50 Jahren, am 30.1.69  spielten die Beatles ihr letztes Konzert auf dem Dach ihrer Plattenfirma in London. „Don’t Let Me Down“ sangen sie damals noch, im Jahr drauf trennten sich die Fab Four offiziell und endgültig. Ein Glück, dass man ihre Songs auch in weiteren 50 Jahren noch hören wird, oder in 500.

Ursi

Sodala. Im Februar läuft eine spitzenmäßige neue Serie an und die legt gleich noch einen tip-top Soundtrack oben drauf: Damen und Herren – „Killing Eve“.

Und diese Serie hat ab Folge 1 gute Songs, sobald Auftragskillerin Villanelle irgendwo zwischen toskanischem Landhaus und Berghain auftritt. Die zwei ersten Songs in meinem Teil der Playlist habt ihr also der preisgekrönten Serie zu verdanken (Ab 22. Februar gilt dann für alle, die mit Agenten und Gewalt gut können: Einschalten!).

Dann geht’s weiter mit Alice Merton: Die in Berlin lebende Frankfurterin fand letztes Jahr über einen Umweg über Portland in meinen Gehörgang – und hat es sich da irgendwie gemütlich gemacht. Ab und zu schon komisch, wie man auf Musik „von daheim“ aufmerksam wird.

Im noch taufrischen Jahr hat der Isländer Június Meyvant schon ein Album veröffentlicht, das weitaus souliger daherkommt als sein Vorgänger – aber trotzdem ganz nach meinem Gusto. „New Waves“ ist mein Feel-Good-Hit der Stunde. Dan Auerbach von The Black Keys macht im Moment grad weniger selber Musik, produziert aber wieder vermehrt: Leo „Bud“ Welchs neue Single etwa. Grammy-Gewinner Auerbach hat Welchs komplettes Album produziert, das im März erscheinen wird.

Cat Stevens/Yusuf und Simon & Garfunkel sind inzwischen Dauergäste in meinen Playlists, vielleicht weil ihre Songs so beruhigend auf mich wirken. Und schließlich runden gemeinsam mit der neuesten Single von Beirut die neuen Songs von Vampire Weekend, den Broken Bells und schließlich keinem Geringeren als Dendemann meine Songauswahl für den Februar ab. Enjoy!

Renzo

Februar ist quasi März ist gleich Frühling. Ich kann es kaum erwarten. Immerhin werden die Tage schon wieder länger und morgens ist es früher hell. In den verkürzten Monat startete ich mit der vollen camp Dröhnung: Endlich ist „Pose“, die neue Serie von „Glee“-Macher Ryan Murphy, auch hierzulande verfügbar. Der 80s-Soundtrack ist phänomenal – und feiert schwarze Disco-Diven wie Diana Ross und Chaka Khan. Deshalb geht’s gleich mit einem Klassiker los: „I Wanna Dance With Somebody (Who Loves Me)“ von Whitney Houston.

Darauf folgt gleich noch eine Aufforderung zum Tanz, stilistisch allerdings eine komplett andere Richtung. Singer/Songwriterin Sophie Auster, die Tochter meines Lieblingsautors Paul Auster und dessen Frau Siri Hustvedt, veröffentlicht mit „Dance With Me“ einen ersten Vorboten ihres neuen Albums, das im März erscheint.

Von US-Newcomer Bayonne gibt’s prickelnde Electronica. Florence + The Machine scheint mit ihrem neuen Song „Moderation“ musikalisch – zum Glück – wieder ansatzweise zu ihren Rock-Wurzeln zurückzufinden.

In eine neue Richtung gehen Foals: Ihre synthielastige Single „Exits“ erinnert vage an 80s-Popper wie Duran Duran und braucht einige Anläufe. Experimentell sind auch The 1975, die tatsächlich Synthie-Pop mit Indie-Rock und 90s-R’n’B kombinieren. Bevor dieses Jahr der zweite Teil ihres Doppel-Album-Projektes erscheint, gibt’s nochmals den Song „Somebody Else“. Neue Songs haben außerdem The Chemical Brothers und Nachwuchs-Darling Billie Eilish am Start.

James Blake macht indes gemeinsame Sache mit André 3000 – das ungewöhnliche Duo harmoniert bestens. Schon etwas älter ist der Track „Magnificent Romeo“ der britischen House-Experten Basement Jaxx – macht aber immer noch gute Laune. Zum Schluss gibt’s zwei queere Pop-Hymnen von King Princess und Troye Sivan.

 

 

Foto: Eric Nopanen via Unsplash