Endlich wieder großes Frühlingserwachen! Die Sonne schaut öfter raus, die letzten Schneereste schmelzen davon. Alles schießt und sprießt und fließt. Für den Frühling haben wir eine erste Ladung Songs zusammengestellt – wie immer vogelwild durcheinander gemixt. 

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Renzo

Sommer. Äh. Fast. So oder so: Sonne! Mein persönlicher Frühlingssong 2019 kommt von Niki & The Dove: „You Want The Sun“ bringt meine momentane Stimmung ziemlich auf den Punkt. In einem ähnlich entspannten Groove geht es weiter. Robyn schwört in ihrer Single dem Liebeskummer ab. Am 3. April ist die Schwedin übrigens in der Tonhalle München zu Gast. Und noch mehr Pop aus Schweden: Meine imaginäre Spotify-Freundin schlägt mir in letzter Zeit häufiger Musik von Little Dragon vor – muss an meiner Vorliebe für 90s R’n’B liegen. Die Band aus Göteborg verpasst dem Gerne einen modernen Anstrich.

Während ich auf das neue Album von Tame Impala warte, hat sich der Australier mal eben mit Theophilus London zusammengetan. Geht gut, diese Kombi! Nochmals zurück nach Skandinavien: Der Song von Junior Senior ist zwar schon 16 Jahre alt, macht aber immer noch gute Laune, genau wie der neue Track von Empire Of The Sun. Nach dem schillernden Synthie-Pop ein zurückhaltendes Stück von Twin Shadow, ein Song für gebrochene Herzen (Nein, nein, mir geht’s gut!). Der lässige Auftritt von H.E.R. bei der diesjährigen Grammy-Gala hat mich schwer beeindruckt.

Eine ungewöhnliche Kollaboration: Karen O von den Yeah Yeah Yeahs hat sich mit Hitmacher Danger Mouse zusammengetan. Das Resultat? Poppig-dreckiger Indie-Rock. Und wenn wir schon beim modernen Indie-Pop sind: Foals legen mit „On The Luna“ einen weiteren Vorgeschmack auf ihr neues Album vor. Darauf ein bisschen sonniger 70s-Boogie von The Jacksons, gefolgt von ein paar jungen sowie älteren R’n’B-Künstlern: Von der charmanten britischen Soul-Chanteuse Jessie Ware über das New Yorker Duo Lion Babe bis hin zu den All-Time-Faves Neneh Cherry und TLC, deren Album „Fanmail“ übrigens gerade 20. Geburtstag feierte. Zum Schluss eine Uptempo-Schnulze von Lionel Richie. Als der Song 1992 rauskam, fand ich ihn furchtbar. Dem Refrain kann ich inzwischen nicht mehr wiederstehen. Guilty!

Kerstin

Es wird wieder einmal Zeit für New Order. „True Faith“ ist so cool wie eh und je und erinnert uns daran, es wird mal wieder Zeit American Psycho zu schauen. Bereits geschaut haben wir „The Umbrella Academy“, ein reichlich schräges aber auch angenehm anderes Superheldenspektakel in Serie mit einem wirklich gelungenen Soundtrack. Noel Gallaghers „In the Heat of the Moment“ hat ja seit 2014 eigentlich nur darauf gewartet, einmal die passende Szene auf großer oder kleiner Leinwand zu untermalen und dank „This Year’s Love“ von David Gray sind wir am Ende von Folge 4 fast genauso fertig wie Messerwerfer Diego. 90er Jahre Kick-Ass Frauenpower gibt es in Form von „Captain Marvel“ und der gefeatureten Musik von Elastica (im besten der zahlreichen Trailer) und Garbage, die im Juni in die Muffathalle kommen! Wir freuen uns gerade schon drei große Löcher in den Bauch.

Viel Neues ist diesmal aber auch wieder dabei, von The Heavy, den Get Up Kids und den Bouncing Souls (Die heuer, wie diverse geschätzte Bands ihr 30Jähriges mit einer Tour feiern. Puh, jetzt geht’s echt dahin…). Kettcar mischen ebenfalls mit und hauen als Zugabe zum Album „ICH VS. WIR“ eine EP raus. Für die Single „Scheine in den Graben“ haben sie sich gleich einen ganzen Allstar-Chor rekrutiert: Bela B, Schorsch Kamerun, Sookee, Kraftklubs Felix Brummer und Love As Jörkk Mechenbier sind nur ein paar der 12 Gäste.

Auch PUP und La Dispute gehen in den Single-Endspurt bevor jetzt dann die jeweils neuen Alben endlich kommen. PUP haben für „Free At Last“ dazu eine wunderbar wahnwitzige Aktion gestartet und das Ergebnis dann direkt als Video verarbeitet. Vorab wurden der Text des Songs und die grundlegende Akkordfolge veröffentlicht zusammen mit dem Aufruf, das Ding zu covern, ohne es je gehört zu haben. Die besten Snippets finden sich jetzt im offiziellen Video der Band, und jeder, der 14 Stunden übrig hat, kann sich alle 257 Versionen online anhören und zwar hier. Ein großer Spaß, da ist nämlich wahrlich allerhand Irres dabei!

The National schicken derweil auch den ersten Vorboten vom kommenden Album, zu dem es einen Kurzfilm mit Alicia Vikander geben wird. Da sind wir allerdings auch schon wieder sehr gespannt. Dazu passt musikalisch und stimmlich stets wunderbar The Slow Show, die ebenfalls am neuen Album arbeiten und Portishead, weil es für Beth Gibbons Stimme einfach immer einen Platz gibt. Den hat sich auch abschließend Ólafur Arnalds wieder verdient, der live erneut gezeigt hat, dass Musik pure Magie sein kann. Sein Auftritt vor knapp zwei Wochen in der Philharmonie war einmal mehr vom anderen Stern. Wer hätte gedacht, wozu sich so ein isländischer Schlagzeug-Punk mittels von Großmutter verordneten Klavierstunden so aufschwingt. Der Dank des Monats geht an Oma Arnalds!

Ursi

Euch geht ein Kracher-Song der letzten zwei Wochen ab? Kein Wunder, denn meine Kollegen haben mir netterweise The Black Keys mit „Lo/Hi“ für meinen Teil der Playlist überlassen. Was für ein Song, endlich sind die Black Keys zurück wie man sie haben will – rough, dreckig und von Sänger Dan Auerbach selber produziert. Endlich!

Bei meinem Teil ist das aber erst der dritte Song, los geht’s bei mir mit dem Titelsong zu „Dumbo“, „Baby Mine“, von Arcade Fire und „Europa 22“ von Bilderbuch. Ich weiß ja nicht, wie es euch so geht, aber irgendwie lief in diesem unseren Kontinent schon mal alles runder, da schadet die Portion Extra-Europa auch nicht in unserer Playlist. Außerdem: Bilderbuch.

An „Lo/Hi“ schließt sich ein neuer Track von White Denim an. Die Band aus Austin steht mindestens so auf Garagensound wie Auerbach und Carney aus Ohio, so viel steht fest. Bei Anteros darf man immer noch gespannt auf die erste richtige lange Platte warten, das Musiker-Konglomerat aus London und Barcelona macht mit seinem Indie-Pop nämlich Spaß.

Dank „Captain Marvel“ habe auch ich meine alte Liebe zu Girl-Artists aus den Neunzigern wieder ausgegraben und werfe deshalb Liz Phair (Obacht, gar nicht jugendfreie Sprache. Herrgott, ich vermisse die Neunzigerjahre!) und das wirklich immer noch großartige „Criminal“ von Fiona Apple mit in die Playlist. Ein ganz neuer Song von Andrew Bird, dem alten professionellen Pfeifer und Multiinstrumentalisten noch und dann geht’s auch schon in die fast obligatorische Hippe-Track-Sektion meiner Playlist:

The Beatles (weil Wetter), The Band (weil einfach so) und CCR und Bob Dylan (weil Film). Letztere zwei sind auf dem Soundtrack zu „Triple Frontier“ bei Netflix vertreten. Dabei handelt es sich um einen in meinen Augen ziemlich gelungenen Action-Film mit Sozialkritik. Ben Affleck stört leicht, aber Story und Oscar Isaac gleichen das dann wieder aus. In diesem Sinne, diesmal nicht nur Song-, sondern auch gleich Filmempfehlungen!

Foto: Unsplash/Hello I’m Nik