Selten waren queere KünstlerInnen in der Popkultur so präsent wie heute – in unserer Playlist gibt es über 80 Songs zu hören. Aber auch 50 Jahre nach den Stonewall Riots, die den Grundstein für die moderne LGBTIQ-Bewegung legten, gibt es in Sachen Gleichberechtigung auch im Popbusiness noch viel aufzuholen.

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Madonna tut es schon lange. Lady Gaga auch. Adele, Katy Perry und Taylor Swift tun es ebenfalls. Viele Sängerinnen solidarisieren sich mit der LGBTIQ-Community und werden von ihr verehrt. Aber wer verbirgt sich eigentlich hinter diesen Buchstaben?

Das Kürzel steht für Lesben, Schwule (Gays), Bisexuelle, Transgender, Intersexuelle und Queers. Damit wird der Vielseitigkeit der Szene Rechnung getragen. Denn während von Außenstehenden oft ein vereinfachtes, stereotypes Bild gezeichnet wird, hat sich die LGBTIQ-Community in den letzten Jahrzehnten immer stärker differenziert. Sie ist ein Abbild der Gesellschaft, es gibt also unterschiedliche Interessen und ebenso viele politische Strömungen. Außerdem hat die Subkultur mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie die dominante Gesellschaft: Alkohol- und Drogenmissbrauch, Rassismus, Sexismus und Body Shaming sind weit verbreitet.

Was alle eint, sind ihre Erfahrungen als Außenseiter jenseits gängiger Gesellschaftsnormen. Im Bann der Regenbogenflagge gehen sie gemeinsam in Gedenken an die Stonewall-Aufstände und um auf die bestehende Diskriminierung aufmerksam zu machen, weiterhin für ihre Rechte auf die Straße.

Wie alles begann: Jahrzehntelang wurden schwule Männer von der Polizei verfolgt, konnten ihre Liebe nur im Verborgenen ausleben. Lesbische Frauen litten unter den traditionellen Geschlechterrollen, unabhängige und sexuell selbstbestimmte Frauen waren nicht vorgesehen. Halbheimliche Bars boten ihnen einen geschützten Raum. Doch immer wieder kam es zu Razzien. Frühmorgens am 28. Juni 1969 wehrten sich Drag Queens, lesbische Frauen und schwule Männer sowie Transgender jeglicher Couleur vor dem Stonewall Inn in der New Yorker Christopher Street gegen diese willkürlichen Kontrollen und Schikanen der Polizei. Flaschen und Steine flogen, einige skandierten „Gay Power“. Mehrtägige Straßenunruhen folgten. Kurz darauf wurde die Gay Liberation Front gegründet, mit dem Ziel, für die Rechte von Homosexuellen zu kämpfen. Bereits zuvor hatten sich in den fünfziger Jahren in den USA verschiedene Gruppierungen gegründet. Diese plädierten allerdings für eine Eingliederung in die heterosexuell dominierte Gesellschaft durch Anpassung. Das Motto: „Wir sind wie Ihr“. Mit den Unruhen in New York im Zuge der sexuellen Revolution und beeinflusst von der schwarzen Bürgerrechtsbewegung der sechziger Jahre radikalisierte sich die Szene. Das Private wurde politisch, der Grundgedanke „Wir sind anders – und stolz darauf!“ wirkt bis in die Gegenwart nach. Ursprünglich Christopher Street Day, kurz CSD, genannt, wird heute international der komplette Juni als „Pride Month“ gefeiert. Mit bunten Politparaden wird für einen offenen Umgang mit sexueller Identität geworben. Längst beteiligen sich auch Wirtschaftskonzerne an den Umzügen, der symbolhafte Regenbogen ist zu einem Gütesiegel für Toleranz geworden.

Im Verlauf der letzten Jahrzehnte hat sich auch die Popkultur verändert, sie wurde zunehmend queerer – und trug damit sicherlich zum gesellschaftlichen Wandel bei. Schon David Bowie und Prince reizten das Spektrum jenseits tradierter Geschlechterrollen und sexueller Identitäten aus – und bereiteten so den Weg für andere KünstlerInnen, die sich Schubladen verweigerten.

In den siebziger und achtziger Jahren gab es einige Künstler, die keinen Hehl aus ihrer Sexualität machten. Die Village People bedienten schwule Klischees – allein der Bandname ist ein Verweis auf das New Yorker Schuwlenviertel Greenwich Village. Hits wie „Macho Man“, „In the Navy“, „Go West“ und „Y.M.C.A.“ sprachen insbesondere homosexuelle Männern an.

1984 kritisierte Jimmy Somerville von Bronski Beat im Song „Smalltown Boy“ offen Homophobie. Paradiesvogel Boy George kokettierte mit seinem androgynen Auftreten, bezeichnete sich aber erst deutlich später öffentlich als schwul.

Aber während 80s-Stars wie Elton John, Freddie Mercury oder George Michael ihre sexuelle Orientierung zu Beginn ihrer Karrieren kaschierten, gehen heute immer mehr queere KünstlerInnen von Anfang an offen mit ihrer Sexualität um. In Songs wird das entsprechende Personalpronomen verwendet: Schwule Sänger sehnen sich explizit nach ihrem Traumkerl, lesbische Frauen wünschen sich ihre „Königin“.

Sie ist ein Er

Während Elton Johns „Nikita“ – obwohl ein russischer Männername – im Video eine Frau ist, gehen heutige Popstars offen mit ihren Sehnsüchten um. Troye Sivan zum Beispiel macht in seinen bunten Videos unmissverständlich klar, für wen sein Herz schlägt.

Selten gab es so viele queere Pop-MusikerInnen. KünstlerInnen wie SophieShamir, die deutsche Pop-Sensation Kim PetrasJanelle Monáe, St. Vincent, die britische Popband Years & YearsChristine And The Queens oder Newcomerin King Princess spielen mit ihren persönlichen Vorstellungen von gender und gehen offen mit ihrer Sexualität um, machen sie sogar zu einem Teil ihrer Musik.

Das ist nicht neu. Die Punk-Pop-Band Gossip um Frontfrau Beth Ditto, die jüngst ein paar Reunion-Konzerte zum Jubiläum ihres Hit-Albums „Music For Men“ spielte, ballte spätestens ab 2006 mit Songs wie „Standing In The Way Of Control“ die Faust im Kampf für LGBTIQ-Rechte – und katapultierte sich mit dem Song „Heavy Cross“ in die internationalen Charts.

Die Scissor Sisters mischten die Popwelt ab Mitte der Nullerjahre mit ihrem harmlosen Glam-Pop auf und schafften es damit ebenfalls in den Mainstream. Vor allem ihr drittes Studioalbum „Night Work“ (2010), dessen Cover ein Bild des schwulen Kult-Fotografen Robert Mapplethorpe ziert, schildert explizite Erfahrungen aus der Schwulenszene.

Sam Smith wurde für seinen James-Bond-Song „The Writing’s On The Wall“ mit einem Oscar ausgezeichnet. Den Grammy-prämierten Song „Stay With Me“ aus seinem Debütalbum „In the Lonely Hour“ widmete er indes seinem Exfreund: „Danke, dass du mein Herz gebrochen hast, denn damit hast du mir vier Grammy Awards beschert“, sagte der Brite, der sich seit zwei Jahren als genderqueer bezeichnet, bei der Preisverleihung.

Straight Outta The Closet

Selbst in der misogynen und homophoben Rap-Welt hat sich in den letzten Jahren viel getan. Bekannte Rapper wie Frank Ocean und Tyler, The Creator haben sich, mehr oder weniger, zu ihrer sexuellen Orientierung bekannt.

Und Kevin Abstract, Mastermind des in den USA erfolgreichen Hip-Hop-Kollektivs Brockhampton, rappt offen über seine Homosexualität und macht in seinen Texten gleichzeitig auf die Homophobie innerhalb der afroamerikanischen Kultur aufmerksam.

Das Hip-Hop-Duo Macklemore & Ryan Lewis veröffentlichte 2012 die Single „Same Love“, in dem es um Gleichberechtigung für gleichgeschlechtliche Paare geht. Das Video, in dem die Liebesgeschichte eines schwulen Paares geschildert wird, wurde bis dato über 215 Millionen Mal angesehen.

 

Gerade outete sich der 20-jährige US-Rapper Lil Nas X, der mit seiner Single „Old Town Road“, einem Rap-Country-Hybrid, die US-Charts stürmte. Vor kurzem erschien seine Debüt-EP. Im Refrain seines Songs „C7osure (You Like)“ srpechsingt er über einem lässig-luftigen Beat: „Ain’t no more actin‘, man, that forecast say I should just let me grow, no more red light for me, baby, only green, I gotta go.“

Jenseits der Hit-Barometer

Auch abseits des Mainstream-Radars brachte die LGBTIQ-Subkultur zahlreiche queere Künstler hervor. Rapper wie Zebra KatzLe1f und Mykki Blanco, der es als queere Jeanne D’Arc ins neue Video zu Madonnas „Dark Ballet“ geschafft hat, gehen seit Jahren offen mit ihrer Sexualität um.

Der kanadische Produzent Kaytranada, der 2016 sein Debüt „99,9%“ auf XL Recordings und zuletzt einige Singles veröffentlichte, produziert mittlerweile Tracks für Größen wie Snoop Dogg, Anderson .Paak und Mary J. Blige.

Und auch die Elektroproduzentin Sophie, deren Debütalbum “Oil Of Every Pearl’s Un-Insides” letztes Jahr erschien, arbeitete schon mit Stars wie Madonna, Charli XCX und Vince Staples zusammen.

Das südafrikanische Duo FAKA kombiniert Musik, Film und andere Künste, um seine Message von Toleranz einem globalen Publikum näher zu bringen. Die Songs von Fela Gucci und Desire Marea aus Johannesburg strotzen vor Energie. Im Takt ihrer Mischung aus südafrikanischem Zulu-Sound mit harten elektronischen Beats präsentierten Models die Versace-Frühjahrskollektion 2019.

Doch FAKAs Musik ist nicht nur Catwalk-tauglich, sondern hat auch politische Schlagkraft. Denn vor allem in ländlichen Regionen ihrer Heimat werden LGBTIQ – obwohl Südafrika als weltweit erstes Land Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung per Verfassung verbot – nach wie vor ausgegrenzt.

Auch die aus Kapstadt stammende Dope Saint Jude krempelt nicht nur Geschlechterrollen um, sondern kämpft mit ihren Hip-Hop-Beats gleichzeitig gegen Homophobie und Sexismus an.

Ssion hat mit seinem experimentellen Camp-Pop eine eigene Nische besetzt. Im Sommer vor sechs Jahren stattete Cody Critcheloe, so der der Wahl-New-Yorker bürgerlich, München einen Besuch ab und flitzte wie ein wild gewordenes Eichhörnchen mit Seifenblasen-Pistole durchs Publikum.

Letztes Jahr veröffentlichte er sein neues Album „O“, auf dem u.a. Róisín Murphy, Devendra Banhart, Sky Ferreira und Ariel Pink als Gäste zu hören sind. Inzwischen hat sich Ssion zudem als Videoregisseur u.a. für Kylie Minogue, Robyn und Santigold etabliert.

Aber nicht nur auf dem internationalen Parkett, auch hierzulande gibt es neue Impulse aus dem Untergrund. Der in Berlin ansässige polnisch-deutsche Singer/Songwriter Marek Polgesek zum Beispiel verarbeitet in seinen zarten Kompositionen sein Anderssein jenseits von heteronormativen Mustern. Unter dem Pseudonym Nansea veröffentlichte er vor kurzem seine Debütsingle „Hounds„. Das Kammerpopstück erinnert vage an den Indie-Pop des australischen Sängers Scott Matthew sowie Anohni.

Bevor am 30. August seine Debüt-EP erscheint, veröffentlicht der Newcomer am 23. Juli seine zweite Single „Another Life“, gefolgt von „Fog & Quicksand“  13. August.

Regenbogen-Zielgruppe

Natürlich springen auch zahlreiche heterosexuelle Superstars auf den LGBTIQ-Zug auf – schließlich ist die Community auch eine kaufkräftige Zielgruppe. Sängerinnen wie Madonna, Cher, Janet Jackson, Kylie Minogue, Grace Jones oder Róisín Murphy gelten als Ikonen der Schwulenszene.

Aber auch jüngere Musikerinnen wie Lady Gaga, Ariana Grande, Dua Lipa und Adele machen sich immer wieder für die Rechte der Szene stark. Adele sagte 2015 dem „Time“-Magazine, sie könne es kaum erwarten, die erste Freundin oder den ersten Freund ihres Sohnes kennenzulernen. Und Lady Gaga schuf mit „Born This Way“ eine Hymne für die globale LGBTIQ-Community.

Der bisherige Höhepunkt ist wohl das jüngste Musikvideo von US-Superstar Taylor Swift. In „You Need To Calm Down“ ruft sie zu Solidarität mit der Community auf und setzt ein Zeichen gegen Homophobie.

Im Clip tauchen zahlreiche prominente Gesichter aus der queeren Popkultur auf, darunter Popstar Adam Lambert, Schauspielerin Laverne Cox, bekannt aus Orange Is The New Black, „Pose“-Star Billy Porter, Modern-Family-Darsteller Jesse Tyler Ferguson, Mitglieder der Make-over-Serie „Queer Eye“, Eiskunstläufer Adam Rippon sowie Ellen DeGeneres und RuPaul. Und am Ende des Videos folgt sogar ein Aufruf zur Unterstützung des Equality Acts, der Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität in den USA bundesweit verbieten soll. Für ein paar Sekunden verschmelzen Pop und Politik.

Revolution im Serien-Kosmos

Nicht nur in der Popwelt, auch in Hollywood hat sich in den letzten Jahren viel verändert. Mit Moonlight wurde 2017 erstmals ein LGBTIQ-Film mit einem Oscar prämiert. Die Romanverfilmung von „Call Me By Your Name“ um eine homosexuelle Sommerromanze im Italien der frühen achtziger Jahre berührte weltweit, übrigens nicht zuletzt dank den gefühlvollen Songs von Singer/Songwriter Sufjan Stevens, dessen Sexualität immer wieder für Rätsel sorgt.

Zahlreiche Serien holten Randgruppen, die vor wenigen Jahren in einer Mainstream-Produktion lediglich als Nebenfiguren aufgetaucht wären, ins Spotlight. Die Frauengefängnisserie „Orange Is The New Black“, deren letzte Staffel am 26. Juli auf Netflix startet, setzte Maßstäbe in Sachen Diversität und ebnete den Weg für jüngere Serien wie „Special“ und „Stadtgeschichten“.

Aber auch die Musical-Teenie-Serie „Glee“, das Ballroom-Epos „Pose“ und die australische Dramedy Please Like Me sensibilisieren ein Mainstream-Publikum für queere Themen, darunter insbesondere auch die Probleme von Transgender.

In der Jugendbuch-Verfilmung „Love, Simon“ steht ein homosexueller High-School-Schüler im Mittelpunkt. Unverkrampft und einfühlsam zeigt der Film die erste große Liebe eines schwulen Teenagers. Der Soundtrack kommt mit Songs u.a. von Bleachers, Troye Sivan, The 1975 und Shootingstar Khalid daher.

Letzterer nahm mit Rapper Logic und Sängerin Alessia Cara den Track „1-800-273-8255“ auf.  Das ist die Telefonnummer einer US-Suizidhotline. Im dazugehörigen Video geht es um einen schwulen Teenager, der zu Hause und in der Schule aufgrund seiner Sexualität gemobbt wird.

Toleranz als Marketing-Tool

Während Madonna zu Beginn ihrer Karriere die Ausnahme war, schielen heute viele Mainstream-Künstler in Richtung LGBTIQ. Auch Wirtschaftskonzerne haben die Zeichen der Zeit erkannt. Und so werden die jährlichen CSD-Politparaden immer mehr zu einer bunten Werbeveranstaltung von Unternehmen, die Toleranz als Marketing-Tool nutzen. Wohlfühl-Liberalismus im Namen des Regenbogens.

Beim diesjährigen CSD in München waren nur wenige politische Botschaften zu lesen. Stattdessen: Glitzer und Party im Namen des Regenbogens. Konzerne wie Amazon, Microsoft, Siemens und Disney beteiligten sich mit eigenen Wagen. Sicher: Damit setzen die Firmen ein Zeichen, gerade für ihre Mitarbeiter – aber es ist eben auch Werbung. In der Innenstadt dekorierten Geschäfte ihre Schaufenster in den LGBTIQ-Farben. Der Regenbogen ist zu einem kapitalistischen Gütesiegel für Wohlfühl-Toleranz geworden.

Back To The Roots

„Schaufenster voller Regenbögen sind kein Zeichen von Akzeptanz, sondern Unterdrückung mit besserem Marketing“, ließ die inhaftierte Whistleblowerin Chelsea Manning beim ersten Queer Liberation March verkünden.

Um an die Ursprünge der Bewegung zu erinnern, organisierte die Reclaim Pride Coalition Anfang Juli im Rahmen der „World Pride“ in New York die erste alternative Pride-Parade. 45.000 Menschen zogen vom Stonewall Inn durch Manhattan zum Central Park – die Route des ersten Christopher Street Liberation Day March, der ein Jahr nach den Stonewall-Unruhen stattfand.

Im Fokus standen marginalisierte Gruppen innerhalb der Community. Weder Konzerne noch Polizei waren beteiligt. Stattdessen gab es politische Botschaften und sogar zwei Schweigeminuten – ein Kontrastprogramm zu den lauten Pride-Parties.

Popstars mit Vorbildfunktion

Wenn die Welt des Pop allem Anschein nach so liberal geworden ist, ist die sexuelle Orientierung von Künstlern dann überhaupt noch relevant?

„Es ist wichtig für MusikerInnen und andere Persönlichkeiten der Öffentlichkeit, zu ihrer Queerness zu stehen. Denn queer zu sein bedeutet gleichzeitig auch eine politische Haltung, die sowohl das Patriarchat als auch heteronormative Zwänge in Frage stellt“, ist Nansea überzeugt. „Wir zeigen einen alternativen Zugang zur Liebe und zum Leben auf.“

Vor allem für jüngere Menschen, die sich in sozialen Umfeldern bewegen, die Anderssein weniger tolerieren, können solche Vorbilder wichtig sein.

Küssen verboten

Auch wenn sich zahlreiche Popstars derzeit gern in Regenbogenfarben hüllen, die Welt ist noch lange keine kunterbunte Popkugel, in der sich alle lieb haben. An vielen Schulen gilt „schwul“ als Schimpfwort. In Deutschland zum Beispiel erhitzt Sarah Connors Single „Vincent“ über das Coming Out eines schwulen Jungen manche Gemüter.

Und noch immer drehen sich Menschen erzürnt um, wenn gleichgeschlechtliche Paare in der Öffentlichkeit – genau wie heterosexuelle Verliebte auch – Zärtlichkeiten austauschen. Erst vor wenigen Wochen wurde in einem Londoner Bus ein lesbisches Paar beleidigt und geschlagen, in Zürich wurde ein homosexuelles Ehepaar nach der Gay Pride angegriffen.

Profisportler und Hollywood-Stars fürchten sich davor, sich zu ihrer sexuellen Orientierung zu bekennen, aus Angst vor einem Karriereknick.

In manchen Ländern drohen immer noch Verfolgung und Folter bis hin zur Todesstrafe. Im Sommer 2016, als das „Stonewall Inn“ zum Nationaldenkmal ernannt wurde, wurden in Orlando 49 Menschen in einem schwulen Nachtclub erschossen.

Auch hierzulande ist Homophobie allgegenwärtig. Angesichts des Rechtsrucks in Europa, sehen viele ihre Grundrechte, für die sie jahrzehntelang gekämpft haben, bedroht.

Bis zur vollständigen Gleichstellung ist es also noch ein langer Weg. Dennoch: viele junge queere Menschen treten heute selbstbewusster auf. Ihre Belange sind sichtbarer geworden.

Apropos sichtbar: Vom 6. bis 14. Juli findet die Münchner „CSD Pride Week 2019“ unter dem Motto „50 Jahre Stonewall – Celebrate Diversity! Fight for Equality!“ statt. In München fand der CSD übrigens erstmals 1980 statt. Damals zogen unter dem Motto „Schwul, na und?“ rund 150 Frauen und Männer, teilweise vermummt, durch die Innenstadt. In Berlin findet die Pride Week vom 19. bis 28 Juli statt, in Hamburg wird zwischen dem 27. Juli und 4. August die Regenbogen-Flagge gehisst.

Queer Pop Playlist

Einmal quer durch die LGBTIQ-Popwelt: Von queeren KünstlerInnen über Pride-Evergreens bis hin zu Gay-Disco-Klassikern.

Fotos: Troye Sivan: Universal/Hedi Slimane; Christine And The Queens: Suffo Moncloa/Caroline, Gossip: Rankin; Years & Years: Universal Music; Janelle Monáe: JUCA; King Princess: Sony Music, MNEK: Charlotte Rutherford/Universal; Sophie: PIAS.