Musik an. Alltag aus. Ganz einfach. Gönnt euch mit unserer über fünfstündigen Playlist eine Auszeit. In der Hängematte. Im Bett. Auf dem Balkon. Denn mit guter Musik im Ohr wird alles gleich ein kleines bisschen leichter. 

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Damit alle unbeschwert in die warme Jahreszeit starten, haben wir eine Auswahl an neuen Songs und bewährten Klassikern zusammengestellt. Die Playlist wird übrigens fortlaufend erweitert.

Wer mag, kann sich gerne unsere Gedanken zu den einzelnen Songs zu Gemüte führen – ansonsten einfach direkt zur Playlist herunterscrollen. Musik an. Alltag aus.

Für die ganz Ungeduldigen: Die Playlist findet ihr ganz unten im Beitrag!

Renzo: Róisín Murphy bis Tom Jones

Ganz entspannt geht’s los. Mit dem jüngsten Track meiner persönlichen Lieblingspopdiva Róisín Murphy. Für „Murphy’s Law“ hat sie ihre Discobeats gedrosselt, auch ihre markante Stimme kommt in Slow Motion daher. Perfekt für den Start in einen entspannten Nachmittag.

Bleiben wir doch gleich im Hängemattenmodus: Zu den Sounds von Frum aka Jenný Augustudóttir träumen wir uns auf die Färoer Inseln, bevor uns Mura Masa und Georgia sanft mit den zarten Dancebeats von „Live Like We’re Dancing“ wecken.

Alaskalaska im Remix von Joe Goddard erhöhen das Schaukeltempo ein wenig, gefolgt von den schwedischen Indie-Poppern Little Dragon mit einem Titel ihres vor wenigen Wochen veröffentlichten neuen Albums „New Me, Same Us“.

Frisch von meinem persönlichen Algorithmus vorgeschlagen kommen Honeymoan aus Südafrika, die vage an Luscious Jackson erinnern – die uns dann auch gleich mit ihrem „Sexy Hypnotist“ betören.

Die Indie-Newcomer Lola Marsh aus Tel Aviv und Kytes aus München sorgen für federleichten Feel-Good-Pop. Darauf gleich ein bisschen Post-Boyband-Extravaganza-Eleganza: Ex-One-Direction-Mitglied Harry Styles kann sich solo durchaus hören lassen.

Einer meiner Lieblingssongs von einem meiner (jetzt schon!) Lieblingsalben dieses Jahres: Tame Impala mit „Is It True“, gefolgt von einem Klassiker von Fleetwood Mac – perfekt für den Sonntagsausflug auf der Jacht. Wahlweise geht aber auch das Fahrrad.

Kürzlich beamte ich mich vom Sofa aus mal eben in den Sommer nach Italien. Genau wie der Film „Call Me By Your Name“ treibt mir „Mystery Of Love“ von Sufjan Stevens jedes Mal (Freuden)Tränen in die Augen.

Bevor wir aber zu melancholisch werden, gibt’s ein Cover eines Clubklassikers von Stardust: Das Duo Neil Frances verpasst „Music Feels Better With You“ einen Neuanstrich.

Für Soulfood-Fans gibt’s die britische Newcomerin Celeste, Teyana Taylor aus Harlem – zusammen mit Ms. Lauryn Hill – und Princess NokiaSolange baut uns ein Disco-Sandschloss und Joi beschwört die Freiheit.

Wer jetzt sein Hirn mal ausschalten möchte: Das geht hervorragend zum House-Stampfer mit dem einfallsreichen Titel „In A Club“ des Duos Volac mit Unterstützung von brasilianischem Elektronachwuchs. TikTok lässt grüßen und peinlich ist mir gar nichts mehr. Darauf gleich noch mehr Nonsense: Der herrlich sinnentleerte Neo-90s-Trash-Track „Bip Burger“ von der Britin Bip Ling macht irgendwie Hunger.

Lässiges Laissez-faire-Flair versprühen L’impératrice zusammen mit Parcels sowie Françoise Hardy.

Neben neuen Tracks von The Streets und Caribou gibt’s es noch ein paar Klassiker: „This Will Be (An Everlasting Love)“ von Natalie Cole zum Beispiel macht sofort gute Laune. Genau wie „It’s Not Unusual“ von Tom Jones. Zu Letzterem tanzen wir natürlich jetzt alle carltonesque durch die Gegend.

Ursi: Best Coast bis Christophe

Wenn Renzo uns mit Tom Jones aus seiner Playlist wirft, fang ich einfach von vorn an. Vorweg: Noch mehr als sonst ist mein Ohr auf FM4 gemünzt. Weil ich im Moment oft zu Hause bin, läuft nicht nur die Morning Show, sondern auch Conntected, Hallo FM4 und alles drumherum. Ebenso sind für mich Playlisten ohne gute Songs aus den letzten Jahrzehnten offensichtlich nicht mehr vorstellbar. Also los geht’s, einmal Musik-Achterbahn mit Ursi.

Best Coast mag ich, seitdem die Sängerin ein T-Shirt anhatte, auf dem stand: „Love LA, hate the Traffic“. Das muss zu „The Only Place“ gewesen sein. Dieses Jahr hat das Duo bereits ein Album mit seinem Surf-Sound veröffentlicht – ich mag sie immer noch.

Nur sieben Jahre hat es gedauert, bis The Strokes wieder etwas von sich hören ließen: Das Album heißt ganz zeitgemäß „The New Abnormal“, „Bad Decisions“ war die erste Single daraus. Das ganze Album höre ich mehrfach hintereinander, aber diese Single hat es mir angetan – auf dem Rad, in der Arbeit, auf dem Balkon, immer, überall und ständig.

Und da ist er schon, der erste alte, aber phänomenale Track: „1901“ von Phoenix. Eine Person, die ich ganz gut kenne und noch besser leiden kann, hat im März 2009 über diesen Song gesagt, sie wäre überzeugt davon, „dass spätestens beim 47sten Durchlauf [im Dauerrepeat] die Sonne einfach rauskommen muss!“ Sie tut es, auch 2020 noch. Sonne und good vibes only verbinde ich auch immer mit „Mr. E.’s Beautiful Blues“ von Eels, so here it goes.

Gar nicht mehr so arg Neues von den Steaming Satellites hat sich in meinen Part der Playlist geschmuggelt, der Song heißt treffend „See you in a bit“ und ist großartig. Mindestens so großartig ist „Checkpoint“ den von mir sehr geschätzten Bilderbuch. Und weil es der guten Laune nie genug geben kann, sollten wir uns alle ein Beispiel an Caroline Rose nehmen, die im Video zu „Feel the Way I Want“ allein durch Los Angeles (again!) und quer durch die USA tanzt.

Cassia liefern wie schon 2019 einen fröhlich beschwingten Sommersong, die 25-köpfigen Polyphonic Spree sind seit irgendeiner Morning Show im März mit ihrem Kracher „Hold Me Now“ fester Bestandteil meines Musikalltags und schließlich geht’s nach neuem Lässigen von den Haim-Girls, Wargirl und Beth Ditto unweigerlich auf die 90s-Britpop-Zielgerade:

Oasis, Ocean Colour Scene, Blur und The Verve: Bäm, ich habe keine Gefangenen bei meinem Raubzug von London nach Manchester und zurück gemacht. Irgendwie mag ich sie eben alle immer noch, hilft ja nix.

Nach Public Enemy darf dieses Mal MC Hammer’s „U Can’t Touch This“ nicht fehlen: Es ist nicht nur der Dance-Break-Song von meinen Kollegen und mir in unseren Home Offices, sondern auch der Beweis, dass ich 2020 vielleicht doch die Kontrolle über mein Leben verliere. Wenn dann immer Hammer Time ist – bitte schön!

Als Beastie Boys aus dem „Intergalactic“-Video wollten wir mal im Fasching gehen und weil im Moment ihre Doku im Stream abrufbar ist, ist an MCA, Ad Rock und Mike D. einfach kein Vorbeikommen (eh nie, wenn man ehrlich ist). Wie sich All Saints in meine Playlist gemogelt haben, weiß ich nicht, aber wie bei jedem Song in der Playlist (MC Hammer, haha!) verspüre ich auch hier #noshame. Das Jahr 2000 war schon gut irgendwie.

Dass man irgendeine 90er-Nostalgie hat, sieht man auch bei anderen Künstlern meiner Auswahl: Nada Surf klingen immer noch wie immer (Gott sei Dank!), Car Seat Headrest hätten auch schon vor 20 Jahren einen Banger nach dem nächsten rausgehauen und Laurie aus Österreich ist vielleicht eine Art Grunge-Revival-Projekt (yes!).

Und jetzt sind wir fast am Ende angelangt: Die Viagra Boys, Schwedens hottester Post-Punk-Export der Stunde, und Trey Gruber, den man am liebsten ganz für sich allein bei einem Balkonkonzert hätte, leiten über zu Christophe. Christophe, französischer Chansonnier, ist diesen April verstorben, hat uns aber bereits 1965 für alle Zeiten das großartige „Aline“ hinterlassen.

Kerstin: Charles Bradley bis Nightmares On Wax

Was Ursis FM4 ist mein BBC6. Der Helfer in jeglicher musikalischen Not und nie versiegender Quell an Inspiration. Gut möglich, dass sich da ein, zwei, drei Kandidaten reingeschlichen haben ins letzte Drittel…

Es geht los mit Blues & Soul. Mit großen Stimmen und ebensolchen Melodien grüßen aus den 60ern Nina Simone und Etta James, aus den 70ern Al Green und aus dem Jahr 2016 Charles Bradley. Wer vergessen hat, mit welch fantastischem Gesang Etta James aufwartet, nach den ersten 30 Sekunden von „At Last“, weiß man wieder Bescheid.

Das nächste deutsch-österreichische Song-Trio schiebt uns dann direkt in die Moderne. Soap & Skin, The Notwist und Slut packen extra viele Instrumente und dazu die Elektronikkiste aus. Die Ingolstädter von Slut brachten kürzlich mit „For The Soul There Is No Hospital“ den ersten Song seit über 10 Jahren raus, und ich weiß nicht, ob sie wussten, wie seltsam treffend der Titel heute tatsächlich anmutet.

Es folgen drei wunderbare Frauen. Erst kürzlich fiel mir in einem akuten Nostalgie-Schub auf, wie umwerfend „Super Extra Gravity“ von The Cardigans auch 15 Jahre später noch klingt. Courtney Barnett war quasi eh von jeher über jeglichen Zweifel erhaben und Phoebe Bridgers ist nach ihrem Wahnsinns-Debütalbum „Strangers In The Alps“ mit „Kyoto“ wieder so ein perfekter Song gelungen, dass man direkt schon ordentlich Hoffnung in LP Nummer 2 namens „Punisher“ (VÖ im Juni) legen darf. Eigentlich wollte sie das Video in Kyoto drehen. Gerade schwierig. Deswegen musste ein Green Screen herhalten. Macht nichts. Auch die Besenkammer wär bei diesem Lied OK gewesen.

Alte und neue Recken müssen immer sein und so reihen sich im Anschluss Bruce Springsteen, Tom Petty und Neil Young mit einer kleinen Hitparade aneinander. Den Staffelstab übergeben sie an einen Youngster, der da richtig gut dazupasst. Sam Fender kommt ja praktisch schon von Namens wegen gar nicht um eine Musikerkarriere herum, dazu ist dem englischen Singer-Songwriter mit seinem LP-Debüt „Hyper Sonic Missiles“ eines meiner absoluten Lieblingsalben 2019 gelungen. Ich glaube, davon wäre sogar sein Idol, der Boss, beeindruckt.

Eine Hymne muss her. Da sind Arcade Fire stets die Richtigen. „No Cars Go“ ist ewiger Festival-Smash-Hit, Gänsehautgarant und schlichtweg ein brutal guter Song. Am besten macht er sich natürlich auf einer Wiese mit mindestens 30.000 anderen Menschen, aber zur Not einfach volles Rohr durchs Wohnzimmer blasen. Das geht schon auch.

Der Punk fehlt noch komplett. Von Punk-Rock bis Post-Punk erledigen das dann mal Press Club, ihres Zeichens eine der aktuell besten Bands aus Down Under (meine Meinung), die wunderbaren Spanish Love Songs und die neuen Musik-Heiligen Fontaines D.C. Ein schlauer Mensch nannte sie mal eine Mischung aus The Streets und Idles. So isses! Und dazu ist „Boys In The Better Land“ nicht nur ein echter Club-Knaller sondern macht sich aktuell auch perfekt in der Laufplaylist.

The Walkmen leiten mit „The Rat“ indie-rockmäßig über zur bundesdeutschen Musikoffensive in Form von Muff Potter, Matula und Matze Rossi. Von allen Dreien sind wir neben der feinen Melodien stets schlaue und kritische Texte gewohnt, also Ohren gespitzt! Blackmail packen wir da gleich noch dazu, denn „Today“ wird einfach auch nicht alt.

The Replacements und The Specials mischen dann hinten nochmal ein bisschen auf, bevor es ins gediegen gemäßigte Finale geht. Das Sepalot Quartett und die Thievery Corporation jazzen einen auf („Lebanese Blond“ ist dabei ganze 22 Jahre älter als „Tocole“! ) und Nightmares On Wax schicken uns mit „Les Nuits“ dann musikalisch ins Bett und diese Playlist in die ewigen Jagdgründe.

That’s it, thats all. Für den Moment. Viel Spaß mit der Musik und auf bessere Zeiten!

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